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14. Januar 2019, 10:55 Uhr

Verbandspräsident Rukwied

Bauern wollen keine Sündenböcke sein

Landwirte sehen ihre Leistung laut Bauernpräsident Rukwied nicht genügend anerkannt. "Sie wollen nicht ständig Sündenbock sein", sagte der Verbandschef. Er zog zudem eine bittere Bilanz des Dürresommers.

Trotz der Finanzhilfen von Bund und Ländern beklagen die deutschen Bauern nach dem Dürresommer 2018 einen Milliardenschaden. "Selbst wenn wir die in Aussicht gestellten Dürrehilfen in Höhe von 340 Millionen Euro abziehen, bleiben etwa 2,5 Milliarden Euro an Schäden", sagte Bauernverbandspräsident Joachim Rukwied der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Betroffene Betriebe seien über die nächsten Jahre hinweg belastet. "Dieser Sommer wirkt nach", sagte Rukwied. Mehr als 8000 Betriebe haben deutschlandweit einen Antrag auf Dürrehilfe gestellt. "Das zeigt auch die große Not."

Neben der finanziellen Not litten viele Landwirte aber auch unter der gesellschaftlichen Debatte. "Sie wollen nicht ständig Sündenbock sein", sagte Rukwied vor Beginn der Agrar- und Ernährungsmesse "Grüne Woche" in Berlin. "Landwirte ernähren die Bevölkerung und sind gleichzeitig in Bereichen wie Umwelt- und Tierschutz aktiv und innovativ." Diese Leistungen würden aber nicht anerkannt.

Mit Blick auf das von Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) geplante Tierwohl-Kennzeichen für Fleisch im Supermarkt setzt Rukwied auch auf ein größeres Bewusstsein der Verbraucher. "Mehr Tierwohl heißt am Ende höhere Kosten im Stall", sagte Rukwied der Nachrichtenagentur dpa. Das müsse sich dann auch in einem höheren Preis widerspiegeln. "Wir hoffen, dass das staatliche Tierwohllabel einen weiteren Impuls für die Bereitschaft der Verbraucher gibt, für höhere Standards auch mehr auszugeben." Wichtig sei, die mit dem Lebensmittelhandel gestartete Initiative Tierwohl nicht zu gefährden.

Der Bauernverband werbe zudem auf lange Sicht weiterhin für eine verpflichtende Haltungs- und Herkunftskennzeichnung. "Das wäre echte Transparenz", sagte Rukwied.

mmq/Reuters/dpa

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