Ryanair siegt offenbar über Gewerkschaften Jobkahlschlag angedroht, Lohnkürzungen durchgesetzt

Lohnkürzungen bis 2024, Jobgarantien bis 2021: Angestellte von Ryanair haben sich offenbar auf schmerzhafte Einschnitte eingelassen - nachdem das Unternehmen gedroht hatte, Standorte zu schließen.
Ryanair-Chef Michael O'Leary

Ryanair-Chef Michael O'Leary

Foto: JASPER JACOBS/ various sources/ AFP

Der irische Billigflieger Ryanair will die angekündigte Schließung der deutschen Standorte in Frankfurt-Hahn, Düsseldorf und Berlin-Tegel noch einmal überdenken. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC), die die geforderten Gehaltskürzungen zunächst abgelehnt hatte, habe über das Wochenende eine Kehrtwende vollzogen, sagte Ryanair-Chef Michael O'Leary.

85 Prozent der Piloten und 75 Prozent des Kabinenpersonals seien nun mit vorübergehenden Lohnkürzungen von 20 Prozent einverstanden. VC habe dem Druck der Piloten, die angesichts der Coronakrise um ihre Jobs bangen mussten, nachgegeben. Ein VC-Sprecher sagte, die Gespräche liefen noch. Details wollte er nicht kommentieren, dementierte Berichte über eine Einigung aber auch nicht.

Nach Angaben der Gewerkschaft wären mehr als 170 Piloten von der Schließung der drei Basen betroffen gewesen. Frankfurt-Hahn im Hunsrück sollte zum 1. November, Düsseldorf und Tegel nach dem Ende der Sommersaison aufgegeben werden.

Der Vorstand der Gewerkschaft hatte die vorgeschlagenen Gehaltskürzungen zuvor scharf kritisiert. Sie sähen eine Beschäftigungssicherung nur bis März 2021 vor, während die Einschnitte bei der Bezahlung bis 2024 gelten sollten, hieß es.

Alle Fluggesellschaften sind vom Einbruch des Luftverkehrs durch die Corona-Pandemie hart getroffen und bauen massiv Arbeitsplätze ab.

Ähnlich wie in Deutschland war Ryanair vorher in Österreich vorgegangen. Bei der Tochter Laudamotion stimmten Piloten und Flugbegleiter Einbußen nach anfänglichem Widerstand zu, nachdem Ryanair mit dem Aus für den Standort Wien samt seiner rund 300 Beschäftigten gedroht hatte. In Irland umging das Unternehmen die Gewerkschaft und bewegte die Piloten einzeln dazu, schlechtere Konditionen zu akzeptieren. 

ssu/Reuters
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