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24. August 2016, 11:56 Uhr

Wirtschaftsweiser gegen Niedrigzinspolitik

"Es bauen sich Risiken auf"

Die Kritik an der lockeren Geldpolitik der EZB wird vehementer. Jetzt greift auch ein Wirtschaftsweiser Linie von Mario Draghi an - die Währungshüter würden "mehr und mehr Teil des Problems".

Der Wirtschaftsweise Volker Wieland greift die EZB scharf an. Zwar sei es richtig gewesen, dass Zentralbanken in Europa und Amerika in der Finanzkrise nach 2008 mit Zinssenkungen und Lockerungsmaßnahmen reagiert hätten. "Inzwischen beharren die Fed und EZB jedoch viel zu lange auf der Niedrigzinspolitik und die EZB weitet ihre Anleihekäufe weiter massiv aus. Damit werden sie mehr und mehr Teil des Problems", sagte Wieland der "FAZ".

"Es bauen sich Risiken für den Finanzsektor auf", warnte Wieland. Er ist Mitglied des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Mitglieder des Gremiums tragen den Spitznamen "Wirtschaftsweise". Wieland hält auch die Wechselwirkungen zwischen lockerer Geldpolitik und dem Verhalten der Regierungen im Westen für fatal. Die niedrigen Zinsen "geben den Regierungen weiterhin Spielraum für die Ausgabenpolitik, während sie notwendige Strukturreformen verschleppen".

Kritik von Deutscher Bank

Zuvor hatte auch Deutsche-Bank-Chef John Cryan vor "fatalen Folgen" der Niedrigzinspolitik gewarnt. Die lockere Geldpolitik richte inzwischen mehr Schaden an als dass sie nutze, schreibt der Chef der Deutschen Bank.

Die EZB habe in der Krise viel dafür getan, Europa zu stabilisieren. "Inzwischen aber wirkt die Geldpolitik den Zielen entgegen, die Wirtschaft zu stärken und das europäische Bankensystem sicherer zu machen", heißt es in einem Gastbeitrag von Cryan für das "Handelsblatt".

Der Zinsüberschuss sei über die gesamte Eurozone hinweg seit 2009 um sieben Prozent geschrumpft - eigentlich ist diese Differenz zwischen dem Zinsertrag und den Zinsaufwendungen eine wichtige Ertragssäule der Banken. "Nicht Geld aufnehmen, sondern Geld vorhalten kostet Zinsen. Sicherheit wird damit bestraft."

Der Deutsche-Bank-Chef fordert daher EZB-Präsident Mario Draghi zu einem Kurswechsel und einem Ausstieg aus den Minuszinsen auf. Es könne nicht sein, dass die Finanzaufseher höhere Sicherheitspolster von den Banken forderten, für diese zusätzlichen Reserven dann aber Strafzinsen verlangten.

Zuletzt hatten sich auch andere Vertreter der Finanzbranche - unter anderem Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon - kritisch zur Geldpolitik unter EZB-Chef Mario Draghi geäußert. Die Deutsche Bank steckt derzeit mitten in einem teuren Umbau, ihr machen milliardenschwere Strafzahlungen zu schaffen und sie bekommt die Auswirkungen der Niedrigzinspolitik der EZB besonders stark zu spüren.

brk/beb/dpa/Reuters

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