Milliardenschwerer Spekulationsskandal JP Morgan muss mit 700-Millionen-Strafe rechnen

JP Morgan kauft sich im Milliardenskandal um den "Wal von London" frei. Die US-Großbank steht Agenturberichten zufolge kurz vor einer Einigung mit den Behörden. Sie werfen dem Geldhaus mangelnde Risikokontrolle vor.
JP-Morgan-Zentrale in New York: Vorwurf der mangelnden Risikokontrolle

JP-Morgan-Zentrale in New York: Vorwurf der mangelnden Risikokontrolle

Foto: ANDREW BURTON/ REUTERS

New York - Der milliardenschwere Spekulationsskandal dürfte JP Morgan noch mehr Geld kosten. Die Verhandlungen der US-Großbank darüber mit den Behörden stehen offenbar kurz vor dem Abschluss. Es werde eine Zahlung von etwa 700 Millionen Dollar angestrebt, sagte ein Insider der Nachrichtenagentur Reuters. Die Einigung hänge davon ab, wie sich die einzelnen Vereinbarungen mit mehreren Regierungsbehörden koordinieren ließen.

Der Insider äußerte sich, nachdem die Nachrichtenagentur Bloomberg und das "Wall Street Journal" berichtet hatten, dass JP Morgan sich mit den Aufsichtsbehörden darüber geeinigt habe, wie viel die Bank zahlen werde. Die beiden Quellen schrieben sogar von einer möglichen Strafe von mehr als 750 Millionen Dollar.

In dem Skandal geht es um den Londoner Händler Bruno Iksil, der mit riskanten Derivate-Geschäften 6,2 Milliarden Dollar verspekuliert hatte. Wegen der Größe der Spekulationen bekam er den Spitznamen "Wal von London". Das Ausmaß des Desasters blieb der New Yorker Zentrale lange verborgen.

Strafe könnte diese Woche verkündet werden

Aufsichtsbehörden in den USA und Großbritannien wollten das Wall-Street-Haus für mangelhafte Risikokontrollen zur Verantwortung ziehen, berichtete nun unter anderem die "New York Times". Die Strafen könnten im Rahmen von Vergleichen noch in dieser Woche verkündet werden, hieß es weiter. Möglicherweise müsse die Bank dabei auch ein Fehlverhalten einräumen. JP Morgan selbst äußerte sich zunächst nicht.

Bankchef Jamie Dimon war in der Affäre unter Druck geraten; die zuständige Investment-Chefin Ina Drew musste gehen. Erst im August klagte die Staatsanwaltschaft von Manhattan zudem zwei ehemalige Londoner JP-Morgan-Banker an. Diese hätten die aufgelaufenen Verluste verschleiert, so der Vorwurf.

JP Morgan Chase galt zu Zeiten der Finanzkrise noch als amerikanisches Vorzeigeinstitut. Spätestens seit dem Desaster sind die New Yorker aber zur Zielscheibe der Bankenschelte in den USA geworden, zumal Dimon als einer der größten Kritiker der Bankenreform von Präsident Barack Obama gilt. Den eigentlichen Verlust hatte das Unternehmen dabei gut verkraftet: Im vergangenen Jahr blieb trotzdem noch ein Rekordgewinn übrig.

JP Morgan muss derzeit an vielen Fronten kämpfen. Unter anderem geht es um den Vorwurf von Betrügereien bei Hypothekenpapieren sowie beim Referenzzinssatz Libor. Wegen der mutmaßlichen Manipulation des US-Strommarkts zahlte JP Morgan im Rahmen eines Vergleichs bereits 410 Millionen Dollar an die zuständige Aufsichtsbehörde, ohne indes eine Schuld einzuräumen.

yes/Reuters/dpa