Schuldenstreit mit Griechenland Juncker rechnet mit Varoufakis ab

Weiß Gianis Varoufakis, dass er Finanzminister eines Landes mit "großen Problemen" ist? EU-Kommissionspräsident Juncker hat seine Zweifel: Im Schuldenstreit sei der Grieche keine Hilfe.

Griechenlands Finanzminister Varoufakis: Rüffel aus Brüssel
AP

Griechenlands Finanzminister Varoufakis: Rüffel aus Brüssel


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Die Kritik an Griechenlands Finanzminister Gianis Varoufakis im Schuldenstreit mit den EU-Partnern wird schärfer. Erst widersprach sein deutscher Kollege Wolfgang Schäuble, als Varoufakis behauptete, die Verhandlungen stünden kurz vor dem Durchbruch. Jetzt rüffelt auch EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker den griechischen Politiker mit deutlichen Worten.

"Er hilft dem Prozess nicht", sagte Juncker der Nachrichtenagentur MNI (Market News International) über Varoufakis. "Varoufakis ist der Finanzminister eines Landes, das großen Problemen gegenübersteht, er erweckt aber nicht den Eindruck, als ob er das wisse", sagte Juncker in dem Interview, das SPIEGEL ONLINE vorliegt.

Mehr Vertrauen setzt Juncker in den griechischen Regierungschef Alexis Tsipras. "Ich finde ihn sehr sympathisch, sehr konstruktiv - und ich habe eine sehr freundschaftliche Beziehung zu ihm." Tsipras' linke Syriza bezeichnete der Kommissionspräsident als "keine normale Partei". Er traue der Gruppierung nicht, da es innerhalb von Syriza eine sehr große Mischung an unterschiedlichen Tendenzen gebe.

Mehrere Hardliner in der Partei, darunter Energieminister Panagiotis Lafazanis, fordern von Tsipras eine kompromisslose Linie. Griechenland solle eher den Euro verlassen als in den Verhandlungen mit den Gläubigern klein beizugeben.

Im Schuldenstreit mit Griechenland geht es zurzeit um rund 1,5 Milliarden Euro, die das Land im Juni an den Internationalen Währungsfonds zurückzahlen muss - davon 300 Millionen Euro bereits am 5. Juni.

Staatsbetriebe sollen Reserven an Zentralbank überweisen

Ob die griechische Regierung die Tranche zurückzahlt - dazu hat sich Athen in den vergangenen Tagen widersprüchlich geäußert. Am Montag versicherte der griechische Regierungssprecher Gabriel Sakellaridis, man werde die IWF-Kredite wie geplant tilgen. Er reagierte damit auf Äußerungen von Innenminister Nikos Voutsis, der - auf einer Linie mit anderen Regierungsmitgliedern - erst am Sonntag angekündigt hatte, dass Griechenland die nächsten Tilgungsraten an den Internationalen Währungsfonds (IWF) nicht zahle. Der Schlingerkurs hat die Glaubwürdigkeit der griechischen Politik weiter ausgehöhlt.

Auf der Suche nach Geld müht sich Griechenland, letzte Reserven zusammenzukratzen. Die Regierung in Athen forderte am Dienstag staatliche Institutionen und öffentlich-rechtliche Betriebe dazu auf, ihre Reserven an die Zentralbank zu überweisen. Es gehe um mehr als tausend Einrichtungen, darunter Museen, archäologische Stätten und auch TÜV-Stellen, berichtete der staatliche Rundfunk.

Bereits im April hatte das griechische Parlament beschlossen, dass kommunale Einrichtungen ihre Geldeinlagen an die Zentralbank überweisen müssen. Das Dekret betrifft rund 1400 öffentliche Einrichtungen wie Krankenhäuser und Universitäten sowie regionale und kommunale Behörden.


Zusammengefasst: EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat den griechischen Finanzminister Gianis Varoufakis im Schuldenstreit kritisiert. Varoufakis erwecke den Eindruck, als wisse er nicht, dass sein Land große Probleme habe, sagte Juncker in einem Interview. Bislang hatte Juncker die griechische Regierung immer verteidigt.

bos/Reuters

insgesamt 212 Beiträge
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happy2010 26.05.2015
1.
Auch wenn ich die Varoufakistruppe für Dampfplauderer halte, eines jedoch stimmt auch Junckers abzockerischen Steuerdeals in Luxemburg mit Großkonzernen haben sicherlich auch in Griechenland die ein oder andere Steuereinnahmenmilliarde vernichtet. Juncker sollte sich immer vor Augen halten, dass seine Nationalpolitik der EU mehr schadete als jeder andere EU Staat zuvor In den letzten 20 Jahren kosteten die Luxemburger Steueroasengesetze die EU mehr Geld als drei mal die Griechenlandrettung incl SchuldenNULLschnitt
srm 26.05.2015
2. Diese
Kritik Junckers an V ist für diplomatische Verhältnisse in der Tat äusserst scharf. Ebenso jene an Syriza. Diese ungewöhnlichen Töne von ihm und anderen lassen mich folgern: Der Grexit steht nahe bevor.
millerntor 26.05.2015
3. Was weiss den Junker ?
Dem gehts doch nur um die Banken und nicht um die Menschen ! Auf diese Kapitalisten sollten wir verzichten !
southofhighway 26.05.2015
4. So funktioniert Sozialismus...
erst werden Glaeubiger betrogen, dann die eigen Kassen leer-gepluendert. Na toll !
Stäffelesrutscher 26.05.2015
5.
Juncker ... Juncker ... ist das nicht der Ex-Chef von dem Gebilde mit dem Steuersparmodell, das anderen EU-Staaten Geld entzogen hat?
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