Umwelt K+S soll bei Entsorgungsantrag getrickst haben

Manipulationsvorwurf gegen den Düngemittelkonzern K+S: Um Lauge vergraben zu können, soll das Unternehmen in seinem Antrag wichtige Informationen unterschlagen haben.
Radlader im Kaliwerk Werra: Massives Entsorgungsproblem

Radlader im Kaliwerk Werra: Massives Entsorgungsproblem

Foto: Fredrik Von Erichsen/ picture alliance / dpa

Gegen den Kasseler Düngemittelkonzern K+S wurde Strafanzeige wegen des Verdachts der versuchten Gewässerverunreinigung im besonders schweren Fall erstattet.

Der Anwalt der betroffenen thüringischen Gemeinde Gerstungen, der auch eine Bürgerinitiative im Werratal und einen Naturschutzverein vertritt, verdächtigt den Dax-Konzern gegenüber der Staatsanwaltschaft Kassel, "bewusst und vorsätzlich" Unterlagen manipuliert zu haben.

Hintergrund ist die Versenkung salzhaltiger Produktionsabwässer im hessisch-thüringischen Grenzgebiet. Seit Jahren sind die Auswirkungen dieser Praxis umstritten, Ende November lief die bisherige Genehmigung des Regierungspräsidiums Kassel aus. K+S beantragte eine Verlängerung, die nach Ansicht des Anwalts Alexander Reitinger Manipulationen enthält.

Der Konzern hatte ein 3D-Grundwassermodell vorgelegt, das die Unbedenklichkeit der Salzwasser-Versenkung nachweisen sollte. Gutachter zweifeln die Prognosefähigkeit dieses Modells für die komplizierten Vorgänge im Untergrund an. In der Anzeige wird darauf hingewiesen, dass etwa relevante Daten wie Hangquellen, Vorfluter und Störungszonen dem Konzern zwar bekannt gewesen seien, diese aber nicht in das Modell eingestellt wurden. Dies sei unterlassen worden, um "die Gefährdung der Trinkwasserversorgung zu verschleiern".

Seit Monaten ermittelt bereits die Staatsanwaltschaft Meiningen in Sachen Salzlauge gegen K+S wegen des Verdachts des unerlaubten Umgangs mit Abfällen. Es kam zu zahlreichen Durchsuchungen, unter anderem am Konzernsitz in Kassel. Auslöser war auch in diesem Fall eine Strafanzeige der Gemeinde Gerstungen. K+S erklärte dazu lediglich, mit den Ermittlern in vollem Umfang kooperieren zu wollen.

Den jetzt erhobenen Vorwurf der Manipulation weist der Konzern entschieden zurück. Man habe "ein wahrheitsgemäßes Bild der Gegebenheiten im Untergrund" gezeichnet, so ein K+S-Sprecher. Die verwendeten Daten reichten bis zu 90 Jahre zurück. Wegen der ausstehenden Genehmigung für neue Versenkungen hat der Konzern ein massives Entsorgungsproblem.

Das Unternehmen kündigte an, die Produktion an den Standorten Hattorf (Kreis Hersfeld-Rotenburg) und Unterbreizbach (Wartburgkreis) wohl vorübergehend auszusetzen.

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Foto: Uwe_Zucchi/ picture-alliance / dpa/dpaweb
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