Supermarktkette Verhandlern gelingt Durchbruch bei Kaiser's Tengelmann

Bei den schwierigen Gesprächen über die Zukunft von Kaiser's Tengelmann ist ein Durchbruch gelungen. Eckpunkte für eine Einigung über die angeschlagene Supermarktkette stehen.


Das Ringen um die Rettung von Tausenden Arbeitsplätzen bei der Supermarktkette Kaiser's Tengelmann war zäh. Nun ist unter Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) als Schlichter eine Einigung gelungen. Die Verhandlungspartner, die Chefs von Tengelmann, Edeka und Konkurrenten Rewe, konnten sich an diesem Montag bei der dritten Schlichtungsrunde auf Eckpunkte für die Zukunft der angeschlagenen Kette einigen.

Demnach gehen Filialen in Berlin an Rewe, während Edeka den Zugriff auf Filialen in Bayern erhalte, sagte ein Insider. Einzelheiten, etwa zum Kaufpreis und zur Lastenverteilung, seien aber noch offen. Dazu gehört auch die Frage, was mit den Filialen in Nordrhein-Westfalen passiert. Bis spätestens 11. November soll eine endgültige Einigung gefunden sein. Wenn diese Einigung umgesetzt werden könne, werde Rewe seine Klage zurückziehen und damit den Weg für eine Übernahme der Kette durch Edeka freimachen, hieß es weiter in den Verhandlungskreisen.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel lud für den Nachmittag zu einem kurzfristig anberaumten Statement mit Verdi-Chef Frank Bsirske ein.

Von den Mitarbeitern des Unternehmens war die Einigung sehnlichst erhofft worden. "Die Kollegen sind am Ende", sagte der Vorsitzende des Betriebsrats der Region Nordrhein, Rainer Schroers, vor dem nun erreichten Beschluss. Seit mehr als zwei Jahren dauert das Ringen bereits an.

Kaiser's Tengelmann betreibt im Großraum Berlin, in München und Oberbayern sowie in Nordrhein-Westfalen noch gut 400 Filialen. Die Kette schreibt seit der Jahrtausendwende rote Zahlen. Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub wollte das Unternehmen ursprünglich als Ganzes an den Branchenprimus Edeka veräußern.

Vor mehr als zwei Jahren hatte Haub die Transaktion besiegelt, Rewe hatte das Nachsehen. Das Bundeskartellamt legte sein Veto gegen die Pläne ein, doch Wirtschaftsminister Gabriel überstimmte die Wettbewerbshüter mit einer Sondererlaubnis. Das Oberlandesgericht Düsseldorf wiederum legte diese Ministererlaubnis nach Klagen von Norma, Markant und Rewe auf Eis.

Der Discounter Norma und die Handelskooperation Markant haben ihre Beschwerden inzwischen zurückgezogen. Bei den jetzigen Verhandlungen über eine Aufteilung geht es um 15.000 Arbeitsplätze.

kig/Reuters/dpa

insgesamt 30 Beiträge
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tanzindenmai 31.10.2016
1. versagen des kartellamtes
bereits das kartellamt hat versagt. bekannt war, daß tengelmann rote zahlen schreibt und deutlich teurer anbietet als die konkurrenz. wäre tengelmann pleite gegangen hätte sich an der marktmacht der rewes, edekas etc. nichts geändert. wäre der verkauf an edeka genehmigt worden hätte der tengelmannkunde deutlich günstiger bei edeka eingekauft. was wollte das kartellamt eigentlich verhindern ???
Seemann2 31.10.2016
2. Kaiser Schröder's Tengelmann
Die Supermarktkette könnte in Zukunft auch im Namen den Namen des Schlichters führen!!! "Kaiser Schröder´s Tengelmann"
naive is beautiful 31.10.2016
3. tja...
Der gern und viel gescholtene Altkanzler muss es mal wieder richten, auch wenn das nicht jedem Agenda- und Schröder-Basher in den Kram passt. Well done, G.S.
bjbehr 31.10.2016
4. Gut so!
Eigentlich ein Tag der Freude für alle: allen voran den Tausenden Mittfünfzigern, die nun hoffentlich ihre Jobs behalten können und es zu keinem Schlecker-Gau 2.0 kommt. Aber auch für Gerhard Schröder, der ein wenig das Unheil, das seine Agenda 2010 mit all ihren prekären Begleiterscheinungen über Deutschland gebracht hat, mit seiner schlichtenden Vermittlung wiedergutmachen kann.
spon-40u-bsr0 31.10.2016
5. schon erstaunlich
Schon erstaunlich, dass über einen rechtswidrigen Zustand "Verhandlungen" geführt werden: Kartellamt hat die Fusion untersagt, Ministererlaubnis wurde von einem Gericht für unwirksam erklärt; leider von einem Zivilgericht, über dass sich die Parteien einverständlich hinwegsetzen können.
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