Ergebnisloses Krisentreffen Steht Kaiser's Tengelmann vor der Zerschlagung?

Das geheime Krisentreffen zur Zukunft von Kaiser's Tengelmann hat offenbar kein konkretes Ergebnis gebracht. Eine Zerschlagung der kriselnden Supermarktkette rückt näher.

Kaiser's-Filiale in Berlin
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Kaiser's-Filiale in Berlin


Was wird aus Kaiser's Tengelmann? Diese Frage ist auch nach dem großen Krisentreffen der Branchenchefs kaum zu beantworten. Mittlerweile deutet einiges jedoch auf eine Zerschlagung der defizitären Supermarktkette hin. An diesem Freitag will der Aufsichtsrat der Tengelmann-Gruppe zusammenkommen, um darüber zu beraten.

Am Donnerstagabend hatten sich die Chefs der Handelsketten Edeka, Tengelmann und Rewe mit Vertretern der Gewerkschaft Ver.di getroffen, um über die Zukunft der Kette mit über 15.000 Arbeitsplätzen zu beraten. Nach drei Stunden vertagte sich die Runde. Das Gespräch sei konstruktiv gewesen, hieß es in einer Mitteilung. Man sei sich einig, "die Gespräche zeitnah fortzuführen". Ziel sei es, "eine für alle Beteiligten und die Beschäftigten von Kaiser's Tengelmann tragfähige, gemeinsame Lösung zu finden". Konkrete Inhalte des Treffens drangen nicht nach außen.

Die Supermarkt-Chefs waren gegen 20.00 Uhr in Frankfurt zusammengekommen. Mit am Tisch saßen Ver.di-Chef Frank Bsirske und die bei der Gewerkschaft für den Handel zuständige Stefanie Nutzenberger. Die Gewerkschaft hatte den Branchengipfel vermittelt. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel hatte eindringlich an die Beteiligten appelliert, eine Lösung zu finden.

Schon vor dem Treffen standen die Zeichen für die Supermarktkette auf Zerschlagung - der Komplettverkauf an Marktführer Edeka erscheint mittlerweile immer unwahrscheinlicher.

Rewe-Chef Alain Caparros, der das Geschäft vor Gericht hatte stoppen lassen, hatte am Donnerstag noch einmal für eine Aufteilung der über 400 Standorte unter den Wettbewerbern geworben. Die Arbeitsplätze könnten trotzdem erhalten werden, und die wettbewerbsrechtlichen Bedenken wären vom Tisch, so seine Argumentation. Auch andere Konzerne wie Tegut oder Norma äußerten erneut Interesse an Kaiser's-Filialen.

Branchenführer Edeka sowie Kaiser's Tengelmann hatten die Fusion vor etwa zwei Jahren beschlossen. Das Bundeskartellamt hatte wegen Wettbewerbsbedenken allerdings sein Veto eingelegt, das Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) über eine sogenannte Ministererlaubnis aushebelte.

Unter anderem Rewe hatte daraufhin beim Oberlandesgericht Düsseldorf Beschwerde gegen die Erlaubnis eingelegt und vor Gericht vorläufig recht bekommen. Damit liegt der Deal auf Eis und droht wegen langwieriger juristischer Auseinandersetzungen zu platzen. Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub droht wegen des langen Tauziehens um die Übernahme immer wieder mit einem Aus für Kaiser's Tengelmann.

stk/dpa/Reuters



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