Trotz Schokolade-Boom Kakaobauern leiden unter fallenden Preisen

Der Schokoladenverkauf boomt, doch die Lage der Kakaobauern bleibt prekär, auch weil Fairtrade-Modelle nicht genug einbringen. Braucht es für die Anbaustaaten eine Regulierung nach dem Vorbild der Opec?
75 Prozent der Kakaobauern verdienen kein existenzsicherndes Einkommen

75 Prozent der Kakaobauern verdienen kein existenzsicherndes Einkommen

Foto: Diego Herculano / dpa

Die Pandemie hat der Schokoladenproduktion bisher wenig geschadet. Nach Rückgängen Anfang 2020 stieg sie weltweit in diesem Jahr um etwa vier Prozent und liegt nach Informationen des Weltkakaoverbands ICCO fast wieder auf dem Niveau vor der Krise. Auch der Umsatz der Schokoladenhersteller erholte sich wieder. So meldete der weltgrößte Produzent, das belgisch-schweizerische Unternehmen Barry Callebaut, ein Plus von 4,6 Prozent.

Doch trotz der steigenden Nachfrage gingen die Preise für Kakao zurück – und mit ihnen das Einkommen der Kakaobauern. Pro Jahr werden weltweit Schokoladenprodukte für schätzungsweise 122 Milliarden Euro verkauft, nur etwa 7,3 Prozent davon bekommen die Bauern. Im Oktober sank in Westafrika der Kakaopreis um 18,5 Prozent. Um den Lebensunterhalt zu bestreiten, müsste er eigentlich 50 Prozent höher sein.

Die Preise würden weiter sinken und die Armut zunehmen, prognostiziert das »Cacao-Barometer«, der Trendbericht des Verbands von nicht staatlichen Organisationen und Gewerkschaften auf dem Kakaomarkt mit Sitz in den Niederlanden.

Fairtrade-Anteil in Deutschland bei 17 Prozent

»Die herkömmlichen Hilfsprogramme helfen nicht«, sagt die Wissenschaftlerin Yuca Waarts von der landwirtschaftlichen Universität Wageningen der Nachrichtenagentur dpa. Sie ist Autorin einer neuen Studie über die Einkommen der Kakaobauern.

Mehr als 60 Prozent der gesamten Kakaoproduktion von knapp fünf Millionen Tonnen im Jahr stammen aus den westafrikanischen Ländern Ghana und der Elfenbeinküste. Doch 75 Prozent der Kakaobauern in diesen Ländern verdienen kein existenzsicherndes Einkommen. Das heißt: nicht genug für Nahrung, Wohnung, Bildung und Gesundheit.

Zu kleine Felder, zu wenig Ertrag

In den vergangenen 30 Jahren hat sich die Kakaoproduktion mehr als verdoppelt. Durch Überproduktion, so Waarts, sanken Preis und Einkommen. Doch nur die Preise zu erhöhen, bringe nichts. Die Regierungen der Elfenbeinküste und Ghanas zahlen den Bauern bereits jetzt einen Zuschlag zur Einkommenssicherung. Und selbst wenn man die Preise verdoppelte, würden nur etwa 41 Prozent der Bauern genug verdienen, um etwa ihre Kinder in die Schule schicken zu können. Viele Bauern hätten zu kleine Felder und zu wenig Ertrag, sagt Waarts.

Fairtrade-Produzenten bezahlen ihren Bauern zwar einen angemessenen Preis. Doch das hilft auch nur denen, die über genug Anbaufläche verfügen. Und der Fairtrade-Anteil am Welthandel ist noch klein, in Deutschland sind es etwa 17 Prozent.

»Die Erhöhung des Marktpreises ist nur ein Teil der Lösung«, sagt Waarts. Der Markt müsse reguliert werden. Das Beispiel der Ölproduktion liege nahe – also eine Art Kakao-Opec, wo Produktion und Preis reguliert werden. Die Anbauflächen müssten groß genug sein, und es müsse ein soziales Auffangnetz geben.

apr/dpa
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