Kamerahersteller Finanzinvestor Blackstone steigt bei Leica ein

Bei Leica läuft das Geschäft, nun will der Kamerahersteller international expandieren. Dafür hat sich das Unternehmen die Unterstützung eines  Finanzinvestors gesichert: Blackstone übernimmt 44 Prozent an der deutschen Traditionsfirma.

Leica-Sucherkamera: Das Traditionsunternehmen geht zu 44 Prozent an Blackstone
AP

Leica-Sucherkamera: Das Traditionsunternehmen geht zu 44 Prozent an Blackstone


Solms/London - Leica ist gelungen, was andere deutsche Traditionsunternehmen wie Märklin, Schiesser oder Rosenthal nicht geschafft haben: Der Kamerahersteller aus dem mittelhessischen Solms konnte die Insolvenz abwenden und schreibt wieder schwarze Zahlen. Im vergangenen Jahr erzielte der Konzern ein Rekordergebnis von 36,3 Millionen Euro, erstmals seit 1997 gab es auch wieder eine Dividende.

Der Erfolg zieht Investoren an: Der Finanzinvestor Blackstone steigt jetzt bei dem Traditionsunternehmen ein. Die Blackstone Group Chart zeigen soll eine Minderheitsbeteiligung von 44 Prozent erhalten, teilte die Leica Camera AG Chart zeigenam Mittwoch mit. Ziel sei es, die internationalen Wachstumspläne des Kamera-Herstellers zu unterstützen. Der Kamerahersteller will künftig neue Märkte in Asien, Südamerika und im Mittleren Osten erschließen. Schwerpunkt der Expansionsstrategie sei China, hieß es bei Leica.

Über den Wert der Transaktion wurde Stillschweigen vereinbart. Die Kartellbehörden müssen dem Deal noch zustimmen. Leica-Aufsichtsratschef Andreas Kaufmann, der über seine Beteiligungsfirma ACM bisher mehr als 95 Prozent an Leica hält, teilte mit: "ACM beabsichtigt nicht, weitere Anteile der Leica Camera AG zu veräußern. Wir planen, Leica Camera langfristig bei ihrer weiteren weltweiten Expansion zu begleiten."

Das Unternehmen, das neben Kameras auch Ferngläser herstellt, beschäftigt 1150 Mitarbeiter. Seit dem Ersten Weltkrieg machte sich Leica mit hochwertigen Fotoapparaten und Objektiven weltweit einen Namen; die Kameras wurden unter anderem von Fotografen-Legenden wie Henri Cartier-Bresson genutzt.

2005 stand das Traditionsunternehmen allerdings am Rande der Pleite, zahlreiche Mitarbeiter mussten entlassen werden - Leica hatte den Umstieg von analoger auf digitale Technik verpasst und musste mit einer Kapitalerhöhung gerettet werden. Die abgewendete Pleite hat der Kamerahersteller dabei vor allem dem österreichischen Investor Kaufmann zu verdanken.

Im vergangenen Jahr erreichten die Mittelhessen dann einen Rekordumsatz von 248,8 Millionen Euro. Gegenüber dem Umbruchjahr 2009 bedeutete dies eine Steigerung von 57,2 Prozent. Der Gewinn war sogar mehr als zehnmal so hoch wie 2009. "Jetzt liegt eine Phase des weltweiten Wachstums vor Leica", sagte Kaufmann.

lgr/dpa/Reuters/dapd



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sukowsky, 19.10.2011
1. Legt den Finanzhai Blackstone in Ketten
Zitat von sysopNach einem Rekordumsatz im letzten Jahr will die Leica Camera AG jetzt international groß raus kommen. Der Erfolg macht den Kamerahersteller interessant: Finanzinvestor Blackstone*übernimmt 44 Prozent des deutschen Traditionsunternehmens aus Hessen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,792713,00.html
Legt den Finanzhai Blackstone in Ketten sonst zerschlägt dieser Leica und die arbeitenden Menschen sind ohne Arbeit.
Erich91 19.10.2011
2. Hoffentlich
ist das nicht der Einstieg in den Untergang
JohnD 19.10.2011
3. Ein weiterer Mosaikstein
Traurig. Und wieder fließt Kapital aus Deutschland ab. "In"-vestoren sind das nicht. Am Ende wird Leica ausgesaugt sein und die bloße Marke übrigbleiben.
Methados 19.10.2011
4. uffz
schade um leica. ich sehe vorraus: in den nächsten 6 monate wird das management entlassen wg bilanzierungsungereimtheiten. innerhalb eines jahres ist leica zerschlagen und verkauft, die marke tot. aber das wissen die lenker sicherlich aber ihnen ists egal. lieber schnell die hammer boni einfahren und dann fix fix das sinkende boot verlassen.
commonman 19.10.2011
5. aufschlussreich
wäre eine aufstellung in welchen "deutschen" firmen blackstone (oder die dahinter agierenden us"eigentümer") seine finger hat. da werden unsere eigentlichen, realen werte gegen grünes klopapier verramscht.
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