Kamerahersteller Olympus lässt Finanzaffäre von externen Ermittlern aufklären

Olympus reagiert auf den Druck der Aktionäre: Der Kamerahersteller hat eine unabhängige Task-Force beauftragt, den Konflikt um hohe Beraterprovisionen aufzuklären. Der Börsenwert des japanischen Konzerns hat sich mittlerweile halbiert.

Olympus-Kameras: In nur einer Woche halbierte sich der Börsenwert
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Olympus-Kameras: In nur einer Woche halbierte sich der Börsenwert


Tokio - Es ist der Versuch eines Befreiungsschlags: Der japanische Kamerahersteller Olympus hat eine unabhängige Untersuchung der Affäre um überhöhte Provisionen für Berater angekündigt. Man habe externe Wirtschaftsanwälte und Buchprüfer beauftragt, die umstrittenen Geschäfte zu prüfen.

Damit reagiert Olympus Chart zeigen auf den Druck der Anleger. Zwei Großaktionäre hatten am Donnerstag Aufklärung gefordert, wie die "Financial Times" berichtete. Der Aktienkurs brach seit Bekanntwerden der Affäre massiv ein, in nur einer Woche halbierte sich der Börsenwert des Unternehmens.

Worum es geht: Olympus hatte vergangene Woche überraschend seinen britischen Chef Michael Woodford entlassen. Dieser erzählte danach in Interviews, der Grund seien seine Nachforschungen zu mehreren Übernahmen gewesen, bei denen es hohe Kaufpreise und Beraterhonorare gegeben habe. Olympus spricht hingegen von Management-Differenzen, sah sich allerdings inzwischen gezwungen, ausführlicher auf die Vorwürfe einzugehen.

Dabei kamen tatsächlich ungewöhnlich hohe Zahlungen an einen "Finanzberater" beim Kauf des britischen Medizintechnik-Spezialisten Gyrus ans Licht. Er bekam insgesamt 687 Millionen Dollar - bei einem Kaufpreis von 1,92 Milliarden Dollar, was bereits ein Aufschlag von 58 Prozent auf den damaligen Börsenwert von Gyrus war.

Das Bargeld-Honorar für den Berater lag bei lediglich fünf Millionen Dollar, hinzu kam eine Erfolgsprämie von zwölf Millionen. Kasse machten die Berater vor allem dank Gyrus-Aktien. Zunächst bekamen sie im September 2008 Optionen im Wert von rund 177 Millionen Dollar - eineinhalb Jahre später kaufte Olympus die Aktien für 620 Millionen Dollar zurück, weil der Wert der Anteile in der Zwischenzeit gestiegen sei. Olympus betonte zugleich ausdrücklich, Wirtschaftsprüfer hätten bei dem Deal keine Unregelmäßigkeiten festgestellt.

cte/AP/dpa-AFX



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