Kampf gegen Krise Euro-Zentralbank senkt überraschend Leitzins

Mitten in der Schuldenkrise überrascht die Europäische Zentralbank die Märkte: Unter der Leitung des neuen Präsidenten Draghi senkt die Notenbank den Leitzins auf 1,25 Prozent. Offenbar wollen die Währungshüter so einen Absturz der Wirtschaft verhindern.
EZB-Präsident Draghi: Erste Sitzung unter seinem Vorsitz

EZB-Präsident Draghi: Erste Sitzung unter seinem Vorsitz

Foto: ? Stefan Wermuth / Reuters/ REUTERS

Frankfurt am Main - Paukenschlag unter dem neuen Präsidenten Mario Draghi: Der Rat der Europäischen Zentralbank senkte überraschend gleich bei der ersten Sitzung unter Vorsitz des Italieners den Leitzins auf 1,25 Prozent. Das teilte die EZB in Frankfurt mit.

Die meisten Ökonomen hatten trotz der drohenden Rezession und der Staatsschuldenkrise zunächst keine Zinssenkung erwartet. Denn die Inflation im Euro-Raum liegt weit über dem Zielwert der Währungshüter von knapp unter zwei Prozent. Das spricht eher für höhere Zinsen.

Doch für die EZB steht angesichts der Schuldenkrise in der Euro-Zone ( Aktuelles zur Lage in Griechenland im Live-Ticker) offenbar im Mittelpunkt, einem Absturz der Wirtschaft entgegenzuwirken. Niedrige Zinsen verbilligen Kredite. Das erhöht die Investitionsneigung von Unternehmen und die Konsumfreude der Verbraucher - und kann so die Konjunktur ankurbeln.

Der Leitzins ist der Satz, zu dem Banken sich bei der EZB Geld leihen können, um es an die Wirtschaft weiter zu geben. Er bildet damit eine Untergrenze für alle in Euro vergebenen Kredite.

Die EZB hatte unter Draghis Vorgänger Jean-Claude Trichet wegen gestiegener Risiken für die Preisstabilität den Leitzins zuletzt in zwei Schritten von 1,0 auf 1,5 Prozent angehoben. Als sich die Schuldenkrise verschärfte und sich die Konjunkturerwartungen verschlechterten, legten die Währungshüter eine Zinspause ein.

Dax legt mehr als drei Prozent zu

Die Sitzung wurde zum ersten Mal von Mario Draghi geleitet. Trichet war nach acht Jahren an der Spitze der Institution Ende Oktober ausgeschieden. Am Nachmittag wird Draghi die Gründe für die Zinsentscheidung in Frankfurt erläutern. Am Abend will er zum G20-Gipfel nach Cannes reisen, um sich in die Beratungen der Staats- und Regierungschefs einzuschalten.

Neben der überraschenden Zinssenkung dürfte Draghi in der Pressekonferenz auch zu einem möglichen Ausscheiden Griechenlands aus der Währungsunion Stellung nehmen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Mittwochabend nach einem Krisentreffen in Cannes nicht mehr ausgeschlossen, dass Griechenland die Euro-Zone verlassen könnte.

Der Dax   legte nach Bekanntwerden der Zinsentscheidung deutlich zu. Nach schwachem Start am Donnerstag gewann er zeitweise mehr als drei Prozent auf 6156 Punkte. Händler Markus Huber von ETX Capital sagte: "Erst mal wirkt die Zinssenkung positiv. Die wichtigere Frage ist aber, ob der Markt dies als besonnene Entscheidung oder als Zeichen großer Probleme wertet."

cte/dpa/dapd
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