Kandidatur Rüttgers soll Cheflobbyist bei Bahnverband werden

Neun Monate nach dem Ende der politischen Karriere steht Jürgen Rüttgers vor einem Seitenwechsel: Der Ex-Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen kandidiert laut "Financial Times Deutschland" für den Chefposten beim europäischen Bahnverband CER.

CDU-Mann Rüttgers: Kandidat der Bahn beim europäischen Lobbyverband
ddp

CDU-Mann Rüttgers: Kandidat der Bahn beim europäischen Lobbyverband


Hamburg - Nach Roland Koch und Ole von Beust steht der nächste Ex-CDU-Ministerpräsident vor einem Wechsel in die Wirtschaft: Jürgen Rüttgers will Cheflobbyist für Europas Bahnen werden. Das berichtet die "Financial Times Deutschland". Die Deutsche Bahn hat den 60-jährigen CDU-Politiker wurde von der als Exekutivdirektor der Gemeinschaft der Europäischen Bahnen und Infrastrukturgesellschaften (CER) vorgeschlagen.

Auf Nachfrage bestätigte eine Bahn-Sprecherin die Informationen. Rüttgers qualifiziere für den Posten "besonders seine langjährige politische Erfahrung als Ministerpräsident und Bundesminister, seine herausragenden Kontakte zu den Organen und Mitgliedsstaaten der Europäischen Union sowie seine umfassenden Kenntnisse im juristischen und administrativen Bereich". Die Deutsche Bahn erhoffe sich von einer erfolgreichen Kandidatur des Ex-Regierungschefs "Impulse für die europäische Verkehrspolitik im Allgemeinen und für das Bahnwesen im Besonderen".

Rüttgers hat vier Gegenkandidaten, die - anders als er - alle Branchenerfahrung besitzen. Einige der 75 CER-Mitglieder kritisieren laut "FTD", nach Ex-Bahn-Chef Johannes Ludewig solle nicht erneut ein Deutscher den Posten bekommen. Besonders die Chefs der französischen Bahn SNCF würde lieber einen Franzosen in dem Job sehen. Ludewig scheidet zum Jahresende aus. Sein Nachfolger wird am 3. Mai von der CER-Generalversammlung gewählt, in der große Konzerne wie die DB viel Einfluss haben.

Fraglich ist laut "FTD", wie Rüttgers den hauptamtlichen Job als CER-Chef mit seinen anderen Engagements koordinieren könnte. Kürzlich heuerte er als Berater bei der Kanzlei Beiten Burkhardt an. Die gleichzeitige Übernahme eines Lobbypostens wäre ungewöhnlich.

cte



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