Kapitallücke Deutsche Bank braucht offenbar drei Milliarden Euro

Schlechte Nachrichten für die Deutsche Bank: Sie muss sich deutlich mehr Kapital besorgen, um das gesetzlich geforderte Polster zu erreichen. Ihr fehlen offenbar bis zu drei Milliarden Euro. Doch Experten meinen, die Geldbeschaffung sei kein Problem.
Die Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt: Die Drei-Milliarden-Euro-Lücke

Die Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt: Die Drei-Milliarden-Euro-Lücke

Foto: dapd

Frankfurt - Nach der Commerzbank droht Finanzkreisen zufolge auch der Deutschen Bank eine größere Kapitallücke als bislang angenommen. Um die erhöhten Kapitalanforderungen der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) zu erfüllen, brauche die Deutsche Bank bis zu drei Milliarden Euro, erfuhr die Nachrichtenagentur Dow Jones von einer mit der Sache vertrauten Person. Bisher war von 1,2 Milliarden Euro die Rede. Ein Sprecher der Deutschen Bank wollte am Donnerstag keinen Kommentar abgeben.

Die EBA hatte bereits zuvor erklärt, Spekulationen über die Ergebnisse ihrer Berechnungen nicht zu kommentieren. Die Zahlen würden voraussichtlich bis Monatsende veröffentlicht. Am Dienstag hatten bereits Berichte, wonach die Commerzbank   fünf Milliarden Euro frisches Kapital brauche, zu einem Kurssturz geführt. Die Aktie des zweitgrößten deutschen Geldinstituts stürzte daraufhin ab.

Anders reagierte die Aktie der Deutschen Bank   am Donnerstag: Nach Bekanntwerden des angeblichen Kapitalbedarfs konnte der Kurs leicht zulegen. Er schloss mit einem Plus von 0,4 Prozent bei 24,31 Euro. Grund könnte sein, dass Analysten das Füllen der Kapitallücke für kein Problem halten - immer vorausgesetzt, dass es bei dieser Summe bleibt. Ein Blick in die Präsentation der Deutschen Bank zum dritten Quartal zeigt, dass das Frankfurter Bankhaus bereits plant, im vierten Quartal und im gesamten ersten Halbjahr 2012 Gewinne nach Dividendenzahlung in Höhe von rund 2,8 Milliarden Euro einzubehalten.

Damit will die Bank eine harte Kernkapitalquote von 9,1 Prozent aus eigener Kraft erreichen. Außerdem ist geplant, die risikogewichteten Anlagen der Bank bis zum 30. Juni 2012 um rund 30 Milliarden Euro zu reduzieren.

Höchst spekulative Zahlen

Für alle deutschen Banken läge der Kapitalbedarf nun laut "Handelsblatt" bei zwölf Milliarden Euro, wovon also acht Milliarden Euro auf die Deutsche Bank und die Commerzbank entfallen würden. Die Zahlen gelten allerdings als höchst spekulativ, da die EBA bisher keine Details zu den neuen Tests genannt hat.

Eine mit den Berechnungen vertraute Person sagte der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag, dass auch die Landesbanken LBBW und NordLB sowie die genossenschaftliche DZ Bank eine Lücke zu den neun Prozent hartem Kernkapital entdeckt hätten.

Die Banken sollen nach dem Willen der Politik bis Ende Juni 2012 eine sogenannte harte Kernkapitalquote von neun Prozent erreichen. Darunter versteht man Geld, das stets verfügbar ist - sofort und bedingungslos; auch Aktien und Gewinnrücklagen zählen dazu. Das harte Kernkapital gilt als Puffer gegen neue Bankenkrisen. Die Quote erhöhen können Institute, indem sie frisches Geld aufnehmen oder ihre Risiken reduzieren.

aar/dapd/dpa/Reuters
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