Zeitungsannonce in Pakistan Karibikstaat lockt Investoren mit Reisepässen

So einfach kommt man nach Europa: Wer im Karibikstaat St. Kitts und Nevis 400.000 Dollar in ein Luxushotel investiert, erhält die Staatsbürgerschaft des Landes und darf damit visafrei reisen - auch nach Deutschland. Die Zielgruppe für das Angebot ist klar: Die Hotelfirma wirbt damit in Pakistan.
Anzeige in der pakistanischen Zeitung "Dawn": Reisepass gegen Geld

Anzeige in der pakistanischen Zeitung "Dawn": Reisepass gegen Geld

Hamburg - Türkis schimmerndes Wasser, Palmen und ein goldener Sandstrand - wer die Homepage von Range Developments anklickt, sieht eine Trauminsel in der Karibik. Dort will die Firma aus Dubai ein "ultra-luxuriöses Fünf-Sterne-Resort-Hotel" bauen - und sucht dafür Investoren aus aller Welt.

Der Clou dabei: Die Insel gehört zum Karibikstaat St. Kitts und Nevis - und der bietet ausländischen Geldgebern einen ganz besonderen Service. Wer genügend investiert, erhält die Staatsbürgerschaft des Landes - und darf damit in die ganze Welt reisen.

"Zweite Staatsbürgerschaft in 120 Tagen", prangt es von der Homepage von Range Development . Und weiter: "Zu den wichtigsten Vorteilen einer St.-Kitts-Staatsbürgerschaft gehören die visafreie Einreise in 139 Staaten auf der ganzen Welt sowie das steuerfreie Umfeld."

Das Angebot ist vor allem für jene attraktiv, die sonst nicht so leicht in die USA oder nach Europa einreisen können. Das weiß auch die Firma - und so wirbt sie zum Beispiel in Pakistan - also jenem Land, in dem auch viele militante Extremisten sitzen. In der pakistanischen Zeitung "Dawn" veröffentlichte Range Developments kürzlich eine entsprechende Anzeige. Dort warb die Firma mit visafreien Reisen - unter anderem nach Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Kanada und in die Schweiz.

Das Auswärtige Amt sieht die Praxis kritisch

Voraussetzung für einen Antrag auf Staatsangehörigkeit ist die Bereitschaft, mindestens 400.000 US-Dollar für mindestens fünf Jahre in das Hotelprojekt zu investieren. In einer Beispielrechnung auf der Homepage der Firma werden die Gesamtkosten für eine vierköpfige Familie inklusive der Investition und aller Gebühren auf 564.500 US-Dollar beziffert.

Das Angebot der Immobilienfirma stützt sich auf ein Programm der Regierung von St. Kitts und Nevis, das sich "Staatsbürgerschaft durch Investition" nennt und mit dem der verschuldete Inselstaat schon seit 1984 Geldgeber anlockt. In einer Regierungsverordnung dazu heißt es, der Hintergrund jedes Antragstellers werde geprüft. Interessenten müssten ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen. An dem Programm könne nicht teilnehmen, wer vorbestraft sei oder "ein potentielles nationales Sicherheitsrisiko für St. Kitts und Nevis oder für ein anderes Land" darstelle.

Aus dem Auswärtigen Amt in Berlin hieß es am Dienstag, man sehe die Praxis mancher Staaten, Ausländern bei Investitionen ab einer bestimmten Höhe den raschen Erwerb der Staatsangehörigkeit in Aussicht zu stellen, "durchaus kritisch". Verdacht auf Missbrauch müsse in Gesprächen mit dem betreffenden Staat auf EU-Ebene erörtert werden. "Dabei müsste, falls erforderlich, auch über die (Wieder-)Einführung der Visumpflicht gesprochen werden."

Bislang dürfen Bürger von St. Kitts und Nevis laut Auswärtigem Amt visafrei einreisen, sich aber "grundsätzlich nicht länger als 90 Tage pro Halbjahr im Bundesgebiet aufhalten". Arbeiten dürfen sie in Deutschland nicht.

Wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet, teilte der Marketingdirektor von Range Developments, Vipin Sharma, per E-Mail mit, das Programm "Staatsbürgerschaft durch Investition" sei "das älteste und meist respektierte" Programm dieser Art weltweit. Auf die Frage, ob das Programm nicht Kriminelle oder Terroristen anziehen könne, antwortete Sharma, die Regierung prüfe "sehr streng", bevor sie Anträge auf Staatsbürgerschaft bewillige.

stk/dpa
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