Manager der Deutschland AG Kajo Neukirchen stirbt nach Corona-Infektion

Kajo Neukirchen galt als knallharter Boss der Deutschland AG – und sanierte zahlreiche große Konzerne. Nun ist der Ex-Manager von Klöckner-Humboldt-Deutz, Hoesch und der Metallgesellschaft mit 78 Jahren gestorben.
Kajo Neukirchen 1994: Zehntausende Arbeitsplätze abgebaut

Kajo Neukirchen 1994: Zehntausende Arbeitsplätze abgebaut

Foto: Rainer Unkel / imago images/Rainer Unkel

Der frühere Manager Karl-Josef (Kajo) Neukirchen ist tot. Das bestätigte sein Büro. Der gebürtige Bonner starb am 26. Dezember im Alter von 78 Jahren an den Folgen einer Covid-19-Erkrankung.

Die Tageszeitung »Die Welt « hatte bereits vor mehreren Tagen über den Tod des einstigen Wirtschaftsbosses berichtet, der sich als Sanierer der Unternehmen Klöckner-Humboldt-Deutz, der Hoesch AG, der Metallgesellschaft und FAG Kugelfischer profiliert hatte. Kajo Neukirchen zählte Anfang der Neunzigerjahre zur sogenannten Deutschland AG, einem Netzwerk, das großen wirtschaftspolitischen Einfluss ausübte.

Karriere auf dem zweiten Bildungsweg

Kajo Neukirchen stand im Ruf, bei seinen Sanierungen nicht zimperlich vorgegangen zu sein, DER SPIEGEL moderierte ihn 2000 als »Deutschlands härtesten Konzernchef« an. Zehntausende Menschen verloren unter seiner Führung ihren Job. In einem SPIEGEL-Gespräch verteidigte er 1993 die Einschnitte mit der Rettung der Unternehmen.

Unter anderem seinen Abgang beim ehemaligen Stahlkonzern Hoesch ließ er sich jedoch selbst vergolden. Er war dort auf den späteren Treuhand-Chef Detlev Rohwedder gefolgt, nur kurze Zeit später übernahm Krupp die Firma.

Der promovierte Volkswirt Neukirchen stammte aus einfachen Verhältnissen, machte sein Abitur auf dem zweiten Bildungsweg. Diese Herkunft könnte ihm bei seiner Sanierungsarbeit sogar geholfen haben, wie Eliteforscher Michael Hartmann 2016 mutmaßte, »weil er nicht wirklich dazugehörte«.

Die »Frankfurter Allgemeine Zeitung « schrieb über ihn, Neukirchen habe aber nicht nur Karrieren zerstört, sondern »viele erst ermöglicht«. »Zahlreiche seiner ehemaligen Führungskräfte, deren Potenzial er früh erkannte, nehmen heute führende Positionen in namhaften Unternehmen ein.«

Laut »Welt« hinterlässt Neukirchen eine Ehefrau, zwei Kinder und vier Enkeltöchter. Glaubt man der »FAZ«, war er privat viel weniger hart als im Job.

apr/dpa
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