Trotz Protesten Karstadt hält an Ausstieg aus Tarifvertrag fest

Austritt aus dem Tarifvertrag bis 2015: Mit diesen Plänen hatte der Kaufhauskonzern Karstadt Gewerkschaft und Betriebsrat gegen sich aufgebracht. Trotz Widerstandes beharrt das Unternehmen weiter auf der "Tarifpause" - jetzt drohen die Beschäftigten mit Warnstreiks.

Schlechte Geschäftslage: Berggruen hat den Karstadt-Konzern 2010 übernommen
REUTERS

Schlechte Geschäftslage: Berggruen hat den Karstadt-Konzern 2010 übernommen


Düsseldorf/Essen - Schlechte Nachrichten für die 20.000 Karstadt-Beschäftigten: Der Essener Kaufhauskonzern hält an seinem Ausstieg aus dem Tarifvertrag fest. Zudem erteilte das Unternehmen den Vorschlägen der Gewerkschaft Verdi eine Abfuhr: In einem Schreiben, das den "Stuttgarter Nachrichten" und der Nachrichtenagentur dpa vorliegenden, lehnt Karstadt den Abschluss sogenannter Anerkennungstarifverträge ab.

Vergangene Woche hatte das Unternehmen angekündigt, eine sogenannte "Tarifpause" bis 2015 einlegen zu wollen. Mitarbeiter behalten zwar ihre bisherigen Ansprüche, profitieren aber künftig nicht mehr von tariflichen Lohnerhöhungen.

Widerstand gegen die Pläne kam sowohl von der Gewerkschaft als auch vonseiten des Betriebsrates. Der wollte trotzdem Lohnerhöhungen für die Mitarbeiter durchsetzen. "Unser Ziel ist es, (...) dafür zu sorgen, dass die Beschäftigten an Lohnsteigerungen partizipieren können. Ein Weg könnten sogenannte Anerkennungstarifverträge auf Landesebene sein", sagte Gesamtbetriebsratschef Hellmut Patzelt der "WAZ"-Mediengruppe.

Eine Sprecherin der Gewerkschaft Verdi kündigte jetzt Widerstand gegen die Pläne des Konzerns an. "Die Beschäftigten werden sich zur Wehr setzen", sagte sie. Nach einem ersten Warnstreik in dieser Woche werde nun über weitere Aktionen beraten. In Hessen kam es bereits dazu: Für die Beschäftigten der Karstadt Warenhaus GmbH Main-Taunus-Zentrum hatte die Gewerkschaft für Dienstag zu einem befristeten Warnstreik aufgerufen.

Karstadt hatte 2009 Insolvenz angemeldet. Im Herbst 2010 hatte der Milliardär Berggruen den Warenhauskonzern übernommen. Doch die Geschäftslage bei Karstadt ist weiter extrem schlecht. Nach Informationen des SPIEGEL hat der Konzern seit dem Beginn des Geschäftsjahrs im Oktober 2012 bis Februar 2013 nur 1,3 Milliarden Euro Umsatz gemacht - das sind fast zehn Prozent weniger als geplant und 136 Millionen Euro weniger als im Vorjahreszeitraum.

vks/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.