Karstadt Kommunen verzichten auf Steuerforderungen

Gute Nachrichten für die Beschäftigten der insolventen Kaufhauskette Karstadt: Der überwiegende Teil der Städte hat sich offenbar für einen Steuerverzicht ausgesprochen - und den Weg für einen Verkauf freigemacht. Ein russischer Investor will mit dem Warenhaus nach Osteuropa expandieren.

Karstadt: Verkauf der Kaufhauskette rückt näher
dpa

Karstadt: Verkauf der Kaufhauskette rückt näher


Essen - Insolvenzverwalters Klaus Hubert Görg vermeldet einen Erfolg im Kampf um den Erhalt der Warenhauskette Karstadt: Nach monatelangen Gesprächen mit bundesweit 94 Kommunen über einen Steuerverzicht scheint die erforderliche Zustimmung sicher. Obwohl noch einzelne rechtliche Prüfungen vorgenommen werden müssten, sehe es so aus, als sei die für den Insolvenzplan erforderliche Zustimmungsquote erreicht, sagte ein Sprecher des Insolvenzverwalters am Dienstag.

Görg hatte bei allen 94 Städten mit Karstadt-Standorten eindringlich für einen Steuererlass geworben. Dabei geht es um eine Steuerforderung der Gemeinden von theoretisch bis zu 140 Millionen Euro. Hintergrund ist ein außerordentlicher Ertrag in der Karstadt-Bilanz, der durch einen Forderungsverzicht der Gläubiger entstehen würde. Görg braucht die Zustimmung so vieler Kommunen, dass 98 Prozent der Steuerforderungen vom Tisch sind.

Dies ist nun offenbar erreicht, da von den 94 Kommunen lediglich drei ihre Zustimmung verweigert haben, wie der Sprecher mitteilte. Auch elf weitere Kommunen, die ihre Zustimmung an Bedingungen geknüpft hatten, hätten ihre Erklärungen entsprechend korrigiert.

Russischer Interessent hat große Pläne

Weitere Bedingung für das Inkrafttreten des Insolvenzplans ist die Unterschrift eines Investors unter dem Kaufvertrag. Nach der Entscheidung für einen der Interessenten am kommenden Montag soll die Unterzeichnung bis zum 9. Juni erfolgen. Einen Tag später will das Essener Amtsgericht dann über das Inkrafttreten des Insolvenzplans entscheiden.

Es gibt derzeit drei seriöse Kaufinteressenten: Highstreet, Berggruen und Triton. Am vergangenen Freitag hatten diese drei dem Gläubigerausschuss in Essen ihre Rettungskonzepte vorgestellt. Das Angebot eines russischen Konsortiums, das am Wochenende nach Informationen des SPIEGEL ebenfalls noch Kaufinteresse angemeldet hatte, gilt als nicht besonders aussichtsreich.

Dennoch kündigte der neue Interessent Artur Pachomow am Dienstag an, mit der Warenhauskette nach Russland und in ehemalige Sowjet-Republiken expandieren zu wollen. Gelinge eine Übernahme, würden zudem auch Warenhäuser in Arabien und Asien geprüft, teilte die Pachomow-Holding Karotex mit. An der Offerte für Karstadt sei auch eine internationale Bank und weitere private Investoren beteiligt, hieß es weiter. Namen wollte Karotex nicht nennen. Branchenkreisen zufolge haben die Russen keine ausführliche Prüfung der Bücher von Karstadt vorgenommen.

wit/dpa/Reuters



insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
Eldani, 01.06.2010
1.
ich würde mich sehr freuen, wenn meine Stadt auch auf meine Gewerbesteuer verzichten würde.
AllesGrau, 01.06.2010
2. Rückerstattung für alle!
Nicht nur Karstadt ist in Geldnot, andere Leute auch! Man nehme nur die Eigentümer von Immobilien mit Ladenlokal, bei denen das Ladenlokal leer steht und jetzt im Jahr eine 5-stellige Summe an Einnahmen fehlt. Wie wäre es, wenn z.B. die Grundsteuer endlich rückerstattungsfähig wäre, statt nur absetzbar? Leerstehende Ladenlokale gehören inzwischen selbst in den Innenstädten zum Alltag, die Eigentümer dürfen aber trotzdem weiter Grundsteuer blechen, selbst wenn sie wegen der fehlenden Mieteinnahmen zu wenig verdienen, um Einkommenssteuer zu bezahlen! Ist das schon die Besteuerung des Existensminimums? Karstadt ist überall!
Juan Pérez, 01.06.2010
3. Gleichheitsgründe
Dann werden KIK, LIDL und ALDI aus Gleichheitsgründen in den nächsten Tagen auch die Befreiung der Gewerbesteuer fordern!
damour 01.06.2010
4. Rettungswahn
Der derzeitige Rettungswahn ist eine Katastrophe...Ich vermute, dass es sich kaum eine Kommune leisten kann, auf derart Steuereinnahmen zu verzichten. Schulen und andere kommunale Belange müssen finanziert werden, was in der derzeitigen Situation ohnehin schon schwer genug ist. Belohnt wird wieder einmal derjenige, der zuvor in großem Maße verantwortungslos gewirtschaftet hat. Sicher werden Arbeitsplätze gerettet, aber letztlich geht von dieser Entscheidung das falsche Signal aus. Diejenigen, die es verbockt haben können in dem Wissen weiter machen, dass man für ihr Versagen immer eine Lösung finden wird, auch wenn dann der Bürger dafür gerade stehen muss und alle anderen Wirtschaftsunternehmen werden stets mit dem Finger auf diese Entscheidung zeigen und das Gleiche für sich einfordern und dann wohl auch mit recht! Manchmal muss man einfach anerkennen, dass sich Konzepte nicht bewähren. Es wird zu fragen sein, wie lange Karstadt am Ende noch durchhalten wird.
Pinguin63 01.06.2010
5. gerecht?
Zitat von sysopGute Nachrichten für die Beschäftigten der insolventen Kaufhauskette Karstadt: Der überwiegende Teil der Städte hat sich offenbar für einen Steuerverzicht ausgesprochen - und damit den Weg für einen Verkauf des Konzerns freigemacht. Ein russischer Investor will mit dem Warenhaus nach Osteuropa expandieren. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,698125,00.html
Das "Schöne" ist ja immer, dass man bald wieder riesen Gewinne einfährt und/oder vielleicht den Firmensitz woanders hat ... . Rein wirtschaftlich ist das nicht gerecht gegenüber Firmen, die rechnen können. Karstatt hätte sich mal die ganzen dämlichen Rabatt-Aktionen sparen sollen. Die Kunden hätten sie trotzdem gehabt. Dazu mehr Kundenorientierung und eine bessere, gehobenere Artikel-Auswahl (keinen Ramsch auf der einen Seite und WMF und Co. auf der anderen).
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