Führungschaos Karstadt-Mitarbeiter fürchten Ausverkauf

Wie geht es weiter bei Karstadt? Nach dem abrupten Abgang von Chefin Sjöstedt verlangt der Betriebsrat Klarheit über die Strategie. Es drohen ein radikaler Sparkurs oder gar die Pleite.
Karstadt-Filiale in Düsseldorf: Zwischen Sparkurs und Pleite

Karstadt-Filiale in Düsseldorf: Zwischen Sparkurs und Pleite

Foto: Martin Gerten/ dpa

Berlin - Mit einem Paukenschlag hat sich Karstadt-Geschäftsführerin Eva-Lotta Sjöstedt am 7. Juli von dem Warenhaus-Konzern verabschiedet. Seitdem warten die 17.000 Mitarbeiter auf eine Ansage über den künftigen Kurs des Unternehmens. Viele Beschäftigte fürchten um ihren Arbeitsplatz. "Es ist traurig, dass bei Karstadt das Gespenst von Job-Angst und Unsicherheit nach der traurigen Pleite vor vier Jahren erneut auftaucht", sagte der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats, Helmut Patzelt, der "Bild am Sonntag" ("BamS"). Die Konzernführung müsse sagen, "auf welche Maßnahmen sich die Mitarbeiter einstellen müssen".

Am Freitag hatte die "Bild"-Zeitung berichtet, dass Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen bereits mit der österreichischen Finanzgruppe Signa des Unternehmers René Benko über einen Verkauf der Warenhaus-Kette verhandelt. Benko besitzt bereits die Mehrheit an Karstadt-Sport und mehrere Top-Filialen.

Fotostrecke

Verkaufsgerüchte: Karstadt bangt schon wieder

Foto: © Christian Charisius / Reuters/ REUTERS

Auch der SPIEGEL beschäftigt sich in seiner aktuellen Ausgabe mit der Zukunft von Karstadt. Nach SPIEGEL-Informationen sind die Geschäfte des Konzerns bis Jahresende abgesichert. Das Unternehmen arbeitet aber nach wie vor nicht profitabel und ist von der Pleite bedroht. Darum rechnen Branchenkenner mit einem rigorosen Sparkurs.

Ex-Geschäftsführerin Sjöstedt sollte den defizitären Konzern mit seinen 83 Warenhäusern auf Kurs bringen und setzte dabei auf die Rückendeckung des als Karstadt-Retter gefeierten Berggruen. Dieser habe ihr ursprünglich volle Unterstützung für ihre Strategie und Investitionspläne zugesagt, teilte die Schwedin mit. Sie habe aber feststellen müssen, dass die Voraussetzungen für eine Sanierung nicht mehr gegeben seien, erklärte Sjöstedt und verließ den Konzern bereits knapp fünf Monate nach ihrem Amtsantritt.

Karstadt schreibt seit Jahren rote Zahlen und stand 2009 vor der Insolvenz. Allein im Geschäftsjahr 2011/12 machte die Kette gut 158 Millionen Euro Verlust. Auch 2012/13 blieb deutlich unter den Erwartungen.

Berggruen zieht laut Bericht Millionen aus Konzern ab

Berggruen hatte Karstadt 2010 nach der Pleite des Arcandor-Konzerns übernommen und so vor dem Ende gerettet. Da Berggruen aber seitdem seine Sanierungsversprechen für Karstadt nicht wahr machte, steht der Investor im Fokus der Kritiker. Der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat des Konzerns, Arno Peukes, erhob schwere Vorwürfe gegen Berggruen. "Es ist eine Riesen-Sauerei, dass Berggruen jedes Jahr Millionen steuerfrei auf die Seite schafft, während die Mitarbeiter um ihre Jobs zittern müssen", sagte Peukes der "BamS". Laut dem Bericht fließen Millionenzahlungen, die Berggruen für die Namensrechte von Karstadt erhält, an eine Briefkastenfirma auf den Britischen Jungferninseln, die als Steueroase bekannt sind. Berggruen wollte sich den Angaben zufolge nicht dazu äußern.

mmq/AFP