Sanierung greift Karstadt will nun doch Weihnachtsgeld zahlen

Die Sanierung bei Karstadt zeigt Wirkung - und davon sollen auch die Mitarbeiter profitieren: Die kriselnde Kaufhauskette hat nun entgegen ursprünglicher Pläne angekündigt, zum Jahresende Weihnachtsgeld auszuzahlen.

Karstadt-Filiale in Dessau: Weihnachtsgeld dank leichter Erholung
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Karstadt-Filiale in Dessau: Weihnachtsgeld dank leichter Erholung


Die Krise ist noch lange nicht überwunden, doch die Anzeichen für eine wirtschaftliche Erholung bei Karstadt mehren sich. Der Warenhauskonzern wolle daher für 2015 Weihnachtsgeld zahlen, heißt es in einem Schreiben des Unternehmensvorstands an die Mitarbeiter, aus dem die Nachrichtenagentur Reuters zitiert. Der Sanierungsplan habe dies eigentlich nicht vorgesehen; der Schritt sei "ein großes Dankeschön" für das verbesserte Ergebnis im abgelaufenen Geschäftsjahr.

"Das Sanierungsprogramm greift, wir stabilisieren die Erträge, reduzieren Kosten und beginnen verlorene Stammkundschaft zurückzugewinnen", heißt es in dem Schreiben weiter. Laut einem Bericht von Unternehmenschef Stephan Fanderl an den Aufsichtsrat zur Bilanz des abgelaufenen Geschäftsjahrs, ist Karstadt "mit einem zweistelligen Millionenbetrag im Plus". Im Vorjahr hatte der Kaufhof-Konkurrent unter dem Strich noch rund 190 Millionen Euro Verlust geschrieben.

Arbeitnehmervertreter begrüßten die Entscheidung. Die Zahlung des Weihnachtsgelds sei "ein gutes Zeichen", sagte Gesamtbetriebsratschef Jürgen Ettl. Auf diesem Weg würden auch die Beschäftigten an den Erfolgen beteiligt. Der Gewerkschaft Ver.di zufolge führte auch der Druck der Beschäftigten zu der Entscheidung für die Sonderzahlung.

Der österreichische Immobilien-Investor René Benko hatte den Einzelhändler 2014 übernommen und zunächst den Rotstift angesetzt. Bis spätestens 2016 sollen noch vier weitere Filialen schließen.

mxw/Reuters



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wauz 22.10.2015
1. Hmmm
Vor kurzem war ich der Neugierde halber im lokalen Karstadt. Der entscheidende Unterschied: Die Abteilung für Unterhaltungselektronik/Computer/Spielkonsolen ist weg, dafür eine Abteilung für Babyklamotten in der typischen Karstadt-Aufmachung. Also strunzlangweilig. Ja, und die Regale beim Spielzeug sind nur noch halb so hoch. Aber von einer kindgerechten Art immer noch weit entfernt. Wüste mit Regalen. So attraktiv wie ein HO-Kaufhaus. Irgendwie kann ich das von der Erholung da nicht ganz glauben.
Nordstadtbewohner 22.10.2015
2. Unglaublich.
Ein Unternehmen, das jährlich hohe Verluste macht, zahlt Weihnachtsgeld. Kaum zu glauben. Das wird der Sargnagel des Unternehmens werden.
immobilienzeitung 23.10.2015
3. Strategische Ausrichtung
Interessanter als die Tatsache des erneut geplanten Weihnachtsgelds fnde ich die Frage nach der strategischen Ausrichtung. Das bessere Ergebnis ist ja nicht zuletzt durch Schließungen und Personalabbau erreicht worden, weitere Standortschließungen sollen folgen. Wäre dies die einzige Strategie, erscheint mir das nicht besonders nachhaltig. Gestern wurde verkündet, dass man stärker auf die Stammkunden-Gruppe, vor allem Frauen über 50, abzielen und bei diesen wachsen will. Ob das ausreicht, um sich gesundzustoßen, wage ich mal zu bezweifeln. Ein weiterer gestern genannter Ansatz ist die genauere Adaption gegenüber den lokalen Gegebenheiten (vermutlich vor allem die Konkurrenzlage) an den einzelnen Standorten. Das erscheint mir sehr sinnvoll, obgleich das natürlich für den Konzern mehr Arbeit macht und nur mit guten Leuten als Entscheidungsträger in den Filialen funktionieren kann, die dann auch die nötige Freiheit brauchen. Die Betrachtung der Mikrostandorte und das Potenzial auch an scheinbar unattraktiven Orten sind übrigens auch Kernpunkte einer Studie, die die Karstadt- und Kaufhof-Häuser genau unter die Lupe genommen hat: http://www.immobilien-zeitung.de/133744/warenhaeuser-amazon-realen-welt Volker Thies, Immobilien Zeitung
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