Warenhauskonzern Karstadt will von weiteren Filialschließungen absehen

Die langwierige Sanierung der Kaufhauskette Karstadt zeitigt offenbar erste Erfolge. Konzernchef Fanderl will laut "Welt" schon 2014/2015 wieder Gewinne schreiben. Den Mitarbeitern verspricht er für die kommende Zeit mehr Sicherheit.

DPA

Viele Mitarbeiter der Warenhauskette Karstadt bangen um die Zukunft ihrer Jobs. Jetzt macht Unternehmenschef Stephan Fanderl den verunsicherten Beschäftigen Hoffnung. Weitere Filialschließungen und Stellenstreichungen stehen nach seinen Angaben zurzeit nicht an.

Ich habe keine zweite Schließungsrunde geplant", sagte der Manager der Zeitung "Die Welt". Auch beim Thema Personalabbau gebe es "nach derzeitigem Stand keinen Grund, über die bisherigen Maßnahmen hinauszugehen".

Karstadt hatte vergangene Woche angekündigt, 2016 fünf weitere Häuser aufzugeben: in Recklinghausen, Bottrop, Mönchengladbach-Rheydt, Dessau und Neumünster. Das Filialnetz von Karstadt würde demnach von 83 auf 76 Häuser schrumpfen. Rund 500 Jobs werden voraussichtlich gestrichen. Außerdem hatte das Unternehmen Ende März 960 Mitarbeitern gekündigt.

Fanderl verteidigte die geplanten Filialschließungen. "Alle diese Standorte zählen zu den schwierigsten, was die Ergebnissituation anbetrifft." Andernorts laufe es jedoch besser: "Von den Filialen, die zuletzt noch nicht profitabel waren, konnten wir bereits rund die Hälfte ins Plus drehen. Bei einigen arbeiten wir weiter mit Hochdruck daran."

Bereits 2015 machen sechs Häuser dicht. Neben zwei klassischen Kaufhäusern in Hamburg-Billstedt und Stuttgart sind die auf junge Mode spezialisierten Karstadt-Ableger K-Town in Göttingen und Köln sowie Schnäppchenmärkte des Konzerns in Paderborn und Frankfurt an der Oder betroffen.

Neuausrichtung mit Sport-, Elektro- und Drogerieartikeln

Dank der Sanierungsmaßnahmen gehe es mit dem Warenhauskonzern inzwischen wieder bergauf, sagte Fanderl. "Wir machen bessere Geschäfte. Das ist klar erkennbar."

Schon im laufenden Geschäftsjahr werde Karstadt voraussichtlich die Verluste deutlich eindämmen. "Wir müssen im kommenden Geschäftsjahr in der Lage sein, wieder Geld zu verdienen", sagte er der Zeitung. Er zeigte sich überzeugt, dass Karstadt im Geschäftsjahr 2014/2015 nicht nur die Basis für eine Ergebniswende schaffe, sondern bereits "wesentlich näher an eine schwarze Null" rücke. Nach seinen Worten soll die Sanierung zum Ende des Geschäftsjahres 2016/2017 abgeschlossen sein.

Der Manager betonte, Karstadt habe die finanzielle Kraft, die Sanierung aus eigenen Mitteln zu stemmen. Eine Rückkehr von Karstadt in den Tarifvertrag, wie sie von der Gewerkschaft Ver.di gefordert wird, schloss er nicht aus. In seiner 134-jährigen Geschichte sei das Unternehmen fast immer tarifgebunden gewesen.

Bei der Neuausrichtung von Karstadt will Fanderl auch das Sortiment der Kaufhauskette wieder erweitern. Möglicherweise würden demnächst in größerem Umfang wieder Sportartikel angeboten, sagte er und fügte hinzu: "Wir denken auch daran, Drogerieabteilungen aufzubauen oder Lösungen für ein qualifiziertes Elektrosegment zu finden." Dadurch könnten neue Kundengruppen gewonnen oder alte zurückgeholt werden.

bos/dpa



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hapebo 19.05.2015
1. Wie lange noch?
Das Totenglöcklein klingelt immer lauter,glaubt denn jemand ernsthaft an das überleben von Karstadt?Das einzige was von interesse ist, sind die Immobilien.Also lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.
orthonormalbürger 19.05.2015
2. Uraltkonzept
War jetzt Freitags mal wieder in Nürnberg im Karstadt. Eine Fläche so groß wie 10 Einkaufshäuser. Zeugs das keiner kauft. Vll sollte man sich da mal auf das wesentliche konzentrieren, bei so viel unnötiger Auswahl kann man nur Verlust schreiben, da geh ich lieber zum jeweiligen Fachhändler / Internet
hevopi 19.05.2015
3. Das wäre sehr erfreulich,
wenn diese Pläne in die Tat umgesetzt werden. Die Idee, Drogerieabteilungen einzufügen, diese völlig überteuerten Kosmetikabteilungen zu schließen oder sie dem Preisniveau im Internet anzupassen, eventuell noch kleine, überschaubare Lebensmittelabteilungen mit einem Angebot (nicht nur überteuerte Pralinen), wie es die Discounter nicht haben, im Bereich der Textilien sich bei den Marktführern anzupassen, dann wäre Karstadt vielleicht wirklich ein Zukunftskonzern. Auch die Parkgebühren müssen ab einem bestimmten Umsatz erstattet werden, es würde die Innenstädte beleben, neue Kunden ansprechen und das Image "völlig überteuert" in Frage stellen, denn wenn sich einmal ein Kunde an die neue "Karstadt-Strategie" gewöhnt hat, kommt er wieder.
Diederich Grünling 19.05.2015
4. Ich glaube an Karstadt
Das Geschäftsmodell ist besser als viele meinen. Ich jedenfalls kaufe heute weniger im Internet und dafür wieder mehr bei Karstadt. Ich kann die Ware anfassen, anprobieren und sofort mitnehmen. Und mich aufs wesentliche beschränken. Im Internet läuft man viel zu viel, nur weil es preiswerter erscheint!
n.nixdorff 19.05.2015
5. Wat
Zitat von orthonormalbürgerWar jetzt Freitags mal wieder in Nürnberg im Karstadt. Eine Fläche so groß wie 10 Einkaufshäuser. Zeugs das keiner kauft. Vll sollte man sich da mal auf das wesentliche konzentrieren, bei so viel unnötiger Auswahl kann man nur Verlust schreiben, da geh ich lieber zum jeweiligen Fachhändler / Internet
dem Eenen sin Uhl, is dem Annern sin Nachtigall, sagt man hier. Was also für Sie Zeugs ist das keiner kauft, ist vielleicht genau das, was andere suchen. Ja, Sie kaufen lieber beim Fachhandel und im Internet. Viele andere tun das auch und man kann es Ihnen nicht wirklich verübeln. Allerdings sollten Sie sich vor Augen führen, dass Sie mit Käufen im Internet den Kaufhäusern und dem Fachhandel aktiv Sterbehilfe leisten. Sie planieren Monopolisten wie Amazon und Hinterhofschiebern pardon, Powersellern, bei ebay den Weg. Auch die Verödung der Innenstädte wird durch solches Verhalten gefördert. Das verstehen Sie bitte nicht als Vorwurf, sondern als Denkanstoß.
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