Benachteiligung von Dritthändlern Kartellamt prüft Verbindung von Amazon mit Markenherstellern wie Apple

Amazon steht im Verdacht, große Markenhersteller als Händler zu bevorzugen. Das Kartellamt will nun sicherstellen, dass auch andere Unternehmen etwa Apple-Geräte auf der Onlineplattform verkaufen können.
Logos von Apple und Amazon: »Die Märkte tendieren zur Monopolisierung«

Logos von Apple und Amazon: »Die Märkte tendieren zur Monopolisierung«

Foto: Pavlo Gonchar / picture alliance

In Italien sollen die Tech-Riesen Apple und Amazon wegen zu enger Verbindungen bereits mehr als 200 Millionen Euro Geldbuße bezahlen. Derzeit untersucht das Bundeskartellamt auch für Deutschland mögliche wettbewerbswidrige Vereinbarungen zwischen dem Onlinehändler und dem Technologiehersteller.

»Wir prüfen derzeit unter anderem, ob es eine Zusammenarbeit von Amazon mit Markenherstellern wie Apple gibt, die Dritthändler benachteiligt«, sagte Behördenpräsident Andreas Mundt der »Rheinischen Post« zu dem seit 2020 laufenden Verfahren. Es gehe um eine Öffnung des Marktes, indem andere Unternehmen als Apple selbst Geräte des Handykonzerns über den Marketplace von Amazon verkaufen dürften.

Im Fall der italienischen Entscheidung von November ging es um den Verkauf von Produkten von Apple sowie des zu Apple gehörenden Audiotechnikherstellers Beats. Nach Darstellung der Behörde hatten die beiden US-Unternehmen vereinbart, dass in Italien nur Amazon sowie einige ausgesuchte Händler Produkte von Apple und Beats verkaufen dürfen.

Mundt zeigte sich generell kämpferisch für den Umgang mit den vier großen Onlinekonzernen Google, Amazon, Apple und der Facebook-Mutter Meta. Allein 2021 seien gegen sie sieben neue Verfahren eröffnet worden.

»Wir sehen schon an den Börsenwerten dieser Konzerne, mit was für einer wirtschaftlichen Macht wir es zu tun haben«, sagte der Kartellamtspräsident. »Und wir wissen, dass die großen Plattformen jeweils sehr stark von Netzwerkeffekten profitieren: Weil sie häufig genutzt werden, ist das Angebot groß, weil das Angebot groß ist, kommen wieder neue Nutzer hinzu. Die Märkte tendieren zur Monopolisierung.«

Mundt will Kronzeugen in Kartellverfahren noch besserstellen

Von Facebook forderte Mundt, einen Zugang zu dem sozialen Netzwerk zu ermöglichen, ohne dass Daten des ebenfalls zum Konzern gehörenden Messengerdienstes WhatsApp sowie von fremden Diensten ausgewertet werden. »Es muss die Möglichkeit geben, die Basisfunktionen von Facebook zu nutzen, ohne einer schrankenlosen Verwertung der persönlichen Daten zustimmen zu müssen«, sagte er. »Der Kunde muss die freie Wahl haben.«

Das Bundeskartellamt hat 2021 deutlich weniger Bußgelder verhängt als 2020. Die insgesamt rund 105 Millionen Euro vergangenes Jahr bedeuteten einen Rückgang um rund 70 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Mundt erklärte den Rückgang auch mit den Folgen der Pandemie: »Es ist nicht einfach, unter solchen Bedingungen Verfahren voranzutreiben, die etwa auf Durchsuchungen von Geschäfts- und Privaträumen oder Zeugenvernehmungen zur Beweissicherung angewiesen sind.«

Es seien weniger Unternehmen als früher bereit, über heimliche Absprachen in ihrer Branche auszupacken, fügte Mundt hinzu. Damit es wieder mehr solcher Kronzeugen gebe, sollten diese mehr Vorteile haben als bisher: »Demjenigen oder derjenigen, der oder die als Erster auspackt, sollten wir nicht nur die staatliche Strafe ganz oder weitgehend erlassen. Wir sollten dieses Unternehmen auch zum großen Teil oder ganz von Schadenersatzforderungen freistellen.«

Anmerkung der Redaktion: Es wurde nachträglich ergänzt, dass das Verfahren gegen Amazon seit 2020 läuft.

apr/AFP