Kartellbeschwerde von Ryanair Staatssekretär Machnig verteidigt Kredit für Air Berlin

"Eine abwegige These": Wirtschaftsstaatssekretär Matthias Machnig weist die Vorwürfe von Ryanair wegen des Millionenkredits für Air Berlin zurück. Der Konkurrent sieht den Wettbewerb gefährdet.

Matthias Machnig
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Darf die Bundesregierung der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin über die nächsten drei Monate helfen? Der irische Billigflieger Ryanair findet nein - und legt Beschwerde bei den Kartellbehörden ein. Diese Beschwerde hat Wirtschafts-Staatssekretär Matthias Machnig nun im ZDF-"Morgenmagazin" zurückgewiesen.

Mit Blick auf Ryanair sagt er, Klappern gehöre zum Handwerk. Ryanair hatte von einer "künstlich erzeugten Insolvenz" gesprochen, damit Lufthansa eine schuldenfreie Air Berlin übernehmen könne. Reisende müssten künftig höhere Preise für Tickets zahlen, deshalb würden Bundeskartellamt und EU-Kommission aufgefordert, umgehend Schritte zu unternehmen. Dazu sagte Machnig: "Das ist eine abwegige These".

Es werde am Ende nicht eine Fluggesellschaft Air Berlin komplett übernehmen. Machnig sagte außerdem, er halte den Überbrückungskredit der Bundesregierung für die insolvente Airline für zulässig. Zehntausende Air-Berlin-Kunden seien in der Hauptreisezeit unterwegs. Es hätte keine Kapazitäten gegeben, diese kurzfristig nach Hause zu bringen. Die Bundesregierung stehe in Kontakt zur EU.

Die Bundesregierung unterstützt Air Berlin mit einem 150 Millionen Euro schweren Kredit. Sie will dafür sorgen, dass die chronische defizitäre Fluggesellschaft die nächsten drei Monate überbrücken kann und die Maschinen nicht am Boden bleiben müssen. Das Geld soll bis Ende November reichen.

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Air-Berlin-Insolvenz: Chronik eines Sinkflugs

Letztlich soll Air Berlin von einer anderen Fluggesellschaft übernommen werden. Hier ruhen die Hoffnungen vor allem auf der Lufthansa, die seit längerem über die Übernahme von Teilen von Air Berlin verhandelt. Auch mit der Billigfluglinie Easyjet gebe es Gespräche, sagte ein Insider der Nachrichtenagentur Reuters. Damit sollten vor allem die Start- und Landerechte von Air Berlin auf dem Heimatflughafen in Berlin sowie in Düsseldorf gesichert werden.

kae/dpa/Reuters



insgesamt 14 Beiträge
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guzzidiver 16.08.2017
1. Air Berlin
...150 Millionen Euro, Skandal ! Andere Insolventen verschwinden klaglos vom Markt bei Insolvenz. Offensichtlich dient dieser Kredit einer anderen wartenden Airline....
hannesmann 16.08.2017
2.
Wenn man die Kursentwicklung der Lufthansa Aktie sieht weiß man wer der große Gewinner ist. Für die Rückfluge der Touristen sind wohl eher die Reiseveranstalter zuständig und nicht der Staat. Aber es sind ja bald Wahlen.
philemajo 16.08.2017
3. Das ist Quatsch!
Zitat von guzzidiver...150 Millionen Euro, Skandal ! Andere Insolventen verschwinden klaglos vom Markt bei Insolvenz. Offensichtlich dient dieser Kredit einer anderen wartenden Airline....
Das Geld dient der Aufrechterhaltung des Flugbetriebes und damit vor allem den Air Berlin-Passagieren, die so entspannt aus dem Urlaub zurückkehren können. Die 150 Mio. werden aufgebraucht sein, bevor es eine Insolvenzregelung und Teilübernahmen geben wird. Sehr lustig, dass sich ausgerechnet Ryanair beschwert, die selbst seit Jahren in diversen Ländern Verfahren zur Beihilferückforderung laufen haben, weil sie bei jedem Provinzairport die Hand aufhielten. Sie sind nicht wegen ihres tollen Services so schnell gewachsen, sondern wegen Sozial- und Lohndumpings und cleveren Einsammelns öffentlicher Gelder. Der eigentliche Skandal ist, dass nun auch eine Grüne Regierungsbeteiligung in Hessen Ryanair mit großzügigen Rabatten nach Frankfurt lockt ...
tanzindenmai 16.08.2017
4. kredit ?
da mit rückführung nicht zu rechnen ist wohl eher eine subvention...
wo_st 16.08.2017
5.
Der Staat, der deutsche und europäische, hat sich herauszuhalten aus insolventen Betrieben. Leider hält der Staat sich nicht an seine Gesetze und wundert sich, das die Bürger immer weniger die Gesetze akzeptieren.
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