Verdacht auf Preisabsprachen Ermittler durchsuchen Stahlfirmen

Razzia bei Salzgitter und weiteren Unternehmen: Das Bundeskartellamt hegt erneut einen Verdacht auf Preisabsprachen in der Stahlindustrie - und ermittelt persönlich gegen den Chef des Branchenverbands.

Salzgitter-Stahlwerk
Getty Images

Salzgitter-Stahlwerk

Von den manager-magazin-Redakteuren Thomas Werres und Dietmar Student


Einer der mächtigsten deutschen Industrieverbände ist ins Visier der Wettbewerbsbehörden geraten. Das Bundeskartellamt ermittelt laut Informationen des manager magazin aus Verbandskreisen gegen die in Düsseldorf ansässige Wirtschaftsvereinigung Stahl, die wirtschaftspolitische Interessensorganisation der deutschen Stahlindustrie.

Bereits im Januar wurden nach manager-magazin-Informationen die Geschäftsräume im Zuge eines Ermittlungsverfahrens gegen Edelstahlhersteller durchsucht. Anfang vergangener Woche informierten die Kartellwächter den Verband darüber, dass die Behörde ihre Ermittlungen mit zwei weiteren Verfahren gegen die Wirtschaftsvereinigung und gegen einzelne Stahlhersteller ausgeweitet hat. Von den Ermittlungen betroffen ist auch der Präsident des Verbandes, Hans Jürgen Kerkhoff persönlich.

Hans Jürgen Kerkhoff, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl
DPA

Hans Jürgen Kerkhoff, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl

Bei den neuen Ermittlungen geht es vor allem um mögliche Absprachen bei Preisen und Zuschlägen von Grobblechen und Flachstahl. In dem Zusammenhang soll das Bundeskartellamt in der vergangenen Woche auch die Zentrale der Salzgitter AG, des zweitgrößten heimischen Stahlkonzerns hinter Thyssenkrupp, durchsucht haben. Bei Salzgitter war zunächst niemand für eine Stellungnahme erreichbar.

Auch Thyssenkrupp Steel haben die Wettbewerbshüter in den Blick genommen. Allerdings haben die Beamten bislang keine Durchsuchungen beim deutschen Branchenprimus vorgenommen.

Ein Konzernsprecher sagte auf Anfrage: "Das Bundeskartellamt ermittelt seit Herbst 2015 gegen diverse Unternehmen und Wirtschaftsverbände der deutschen Stahlindustrie. Im Verdacht stehen insbesondere Absprachen bei der Festlegung von Zuschlägen bei Edelstahlprodukten beziehungsweise legierten Stählen. Auch Thyssenkrupp Steel Europe wurde jetzt über das vorläufige Ergebnis dieser Untersuchung informiert."

Das Bundeskartellamt habe Thyssenkrupp Steel zudem mitgeteilt, so der Sprecher weiter, "dass es seine Ermittlungen auf weitere Stahlprodukte ausgeweitet hat. Auch hier gibt es Berührungspunkte zur Arbeit der Wirtschaftsverbände. Wir nehmen die Vorgänge sehr ernst und unterstützen die Ermittlungen der Behörde, können aufgrund der laufenden Verfahren derzeit jedoch keine weiteren Angaben machen".



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