Kartenpanne Französische Firma schuld an 2010-Fehler

Der französische Hersteller Gemalto hat die Verantwortung für den 2010-Bug bei rund 30 Millionen EC- und Kreditkarten übernommen. Dem Unternehmen drohen hohe Schadensersatzforderungen - jetzt sucht es dringend nach einer Software-Lösung, um eine teure Massen-Austauschaktion zu vermeiden.
Sparkassen-Karte: Bis zu 30 Millionen Giro- und Kreditkarten machen Probleme

Sparkassen-Karte: Bis zu 30 Millionen Giro- und Kreditkarten machen Probleme

Foto: DDP

Frankfurt am Main - 30 Millionen Karten funktionierten plötzlich nicht mehr - wegen eines falsch programmierten Chips: Gemalto hat am Mittwoch die Verantwortung für die Probleme bei EC- und Kreditkarten in Deutschland übernommen. Man arbeite zusammen mit den deutschen Banken an einer Lösung, teilte das niederländisch-französische Unternehmen mit Hauptsitz in Amsterdam mit.

Gemalto will einen kostspieligen Austausch von bis zu 30 Millionen Karten abwenden. Sollte sich der Fehler allerdings nicht mit einem Software-Update beheben lassen, kommen hohe Forderungen auf die Franzosen zu: Ein Austausch könnte einen dreistelligen Millionenbetrag kosten. "Wir sind darauf bedacht, die Unannehmlichkeiten für die Kartenbesitzer möglichst klein zu halten", sagte Gemalto-Chef Olivier Piou. Karten von Gemalto in anderen Ländern seien nicht betroffen.

Sparkassen

Wie der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) am Dienstag mitgeteilt hatte, sind allein bei und Landesbanken rund 20 Millionen der rund 45 Millionen ausgegebenen EC-Karten und rund 3,5 Millionen der acht Millionen Kreditkarten wegen des Fehlers nur eingeschränkt nutzbar. Bei den Volks- und Raiffeisenbanken waren nach Angaben einer Verbandssprecherin rund vier Millionen der etwa 27 Millionen EC-Karten betroffen. Dem Bundesverband deutscher Banken (BDB) zufolge sind bei den privaten Banken rund 2,5 Millionen EC- und Kreditkarten betroffen. Die Institute haben insgesamt knapp 22 Millionen solcher Karten ausgegeben.

Banken prüfen Regressforderungen

Der Rückruf und Austausch einer Karte kostet nach Aussagen von Branchenkennern bis zu zehn Euro pro Exemplar. Die Banken prüfen Regressforderungen gegen die Verantwortlichen. Piou erklärte: "Wir werden natürlich unseren vertraglichen Verpflichtungen nachkommen."

Auch die Politik hat sich inzwischen in das Kartenchaos eingemischt. Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) forderte die Geldinstitute auf, Kunden nicht mit zusätzlichen Gebühren zu belasten, wenn sie wegen der defekten Karten Geld am Schalter abheben müssten. Sie wirft den Geldinstituten im " Tagesspiegel " mangelnde Sorgfalt vor und forderte, dass die Banken "unverzüglich dafür sorgen, dass Kredit- und Bankkarten wieder einwandfrei funktionieren oder ausgetauscht werden".

Schuld an der Kartenpanne ist nach Angaben des Zentralen Kreditausschusses (ZKA) ein Software-Fehler, der sich zum Jahreswechsel 2010 gezeigt hat. Beim Geldabheben an Automaten, wo der Fehler zuerst aufgefallen war, gibt es nach Angaben der Banken seit Dienstag aber kaum noch Probleme. Die an der Euronext börsennotierte Gemalto hat mit 10.000 Beschäftigten im vorvergangenen Jahr 1,68 Milliarden Euro umgesetzt. Gemalto-Aktien gaben am Mittwoch bis zum Mittag um 2,6 Prozent auf 29,95 Euro nach.

ore/Reuters/ddp
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