Kaufhaus-Bieter Berggruen "Wir wollen Karstadt glamouröser machen"

Das Rennen um Karstadt geht in die heiße Phase. Neben Goldman Sachs und anderen Interessenten bietet auch der Milliardär Nicolas Berggruen mit. Im Interview verrät der bekannte Kunstsammler, wie er die marode Kaufhauskette aufpeppen will - und warum er auf Bankenhilfe verzichtet.

Karstadt (in Essen): "Uns reizt die Herausforderung"
REUTERS

Karstadt (in Essen): "Uns reizt die Herausforderung"


Frage: Herr Berggruen, Sie kaufen mal Zeitungen, mal Immobilien, alles auf der Welt verteilt. Und jetzt möchten Sie bei dem deutschen Kaufhaus Karstadt einsteigen. Was treibt Sie an?

Berggruen: Karstadt ist eine sehr große Gesellschaft mit vielen Kunden, das muss eine Zukunft haben. Zudem ist Karstadt ein deutsches Symbol. Schon allein deshalb meinen wir, Karstadt sollte gerettet werden.

Frage : Spricht da jetzt der Kunstsammler Berggruen zu uns und nicht der Milliardeninvestor? Karstadt ist doch pleite - warum wollen Sie da Geld hineinstecken?

Berggruen: Sicher reizt uns auch die Herausforderung. Aber entscheidend ist, dass wir schon oft in Sanierungsfälle investiert haben und uns damit gut auskennen.

Frage : Erwarten Sie, Karstadt länger als ein paar Monate in Ihrem Firmenportfolio zu behalten?

Berggruen: Auf jeden Fall. Wir sehen uns nicht als Fonds, der mit dem Geld anderer Leute spekuliert und auf einen kurzfristigen Schnitt aus ist. Sondern als langfristigen Investor, und so stecken wir auch unser eigenes Geld in Karstadt.

Frage : Wir verstehen Sie richtig, dass Sie Karstadt als Ganzes erhalten wollen?

Berggruen: Absolut, ja. Wir wollen das Unternehmen nicht auseinandernehmen, sondern weiterentwickeln.

Frage : Das heißt, Sie schließen den Verkauf einzelner Filialen an den Konkurrenten Kaufhof aus, dessen Mutterkonzern Metro Chart zeigen sich ebenfalls für Karstadt interessiert?

Berggruen: Wir wollen alle Filialen übernehmen.

Frage : Das heißt, Sie wollen selbst die Filialen in weniger guten Innenstadtlagen nicht weiterreichen, zum Beispiel als Einkaufspassagen an Einkaufscenterbetreiber?

Berggruen: Sehen Sie, der Grund, wieso Karstadt am Abgrund steht, ist nicht das Kaufhausgeschäft des Unternehmens an sich. Sondern die sehr ungünstigen Mieten, die Karstadt für seine Filialen zahlen musste. Wenn wir da ansetzen, besteht für Karstadt eine gute Chance. Deshalb wollen wir Karstadt komplett.

Frage : Mit allen Mitarbeiten?

Berggruen: Das ist unser Plan, ja.

Frage : Nur gehören die Karstadt-Häuser bis zu 100 Fonds, von denen einige längst signalisiert haben, keine Mietzugeständnisse mehr machen zu können. Andernfalls seien die Renditeversprechungen der Fonds an deren Anleger gefährdet. Besteht da überhaupt eine Chance, sich zu einigen?

Berggruen: Eigentlich sind die Vermieter und Karstadt ja gegenseitig aufeinander angewiesen. Nur wenn das Verkaufsgeschäft läuft, wenn Karstadt stark ist, erhalten auch die Vermieter ihr Geld. Aber Sie haben recht: Es ist sehr wichtig für uns, dass wir uns mit den Vermietern verstehen. Die Mieten müssen realistisch sein.

Frage : Können Sie beziffern, wie hoch der Mietverzicht der Vermieter sein müsste, damit Ihr Karstadt-Konzept aufgeht?

Berggruen: Das ist vertraulich, dazu kann ich nicht Stellung nehmen.

Frage : Aber alleine wollen Sie das Karstadt-Unterfangen doch nicht wagen, oder?

Berggruen: Wir könnten es allein. Das haben wir in der Vergangenheit bei anderen Geschäften mehrfach bewiesen. In diesem Fall bringen wir mit der BCBG Max Azria Gruppe einen ausgewiesenen Mode- und Vermarktungsexperten mit, der uns mit seinen Spezialkompetenzen unterstützen wird, Karstadt nachhaltig zu verjüngen und zu erneuern.

Frage : Hilft da ein Reklamespezialist? Einige Karstadt-Filialen benötigen dringend eine Renovierung. Kommt da nicht eine erhebliche Investition auf Sie zu?

Berggruen: Das ist uns sehr wohl bewusst. Wir wollen das Einkaufserlebnis bei Karstadt glamouröser gestalten, und dazu müssen wir Geld in das Unternehmen investieren. Und zwar über den Kaufpreis weit hinaus.

Frage : Können Sie das Investitionsvolumen beziffern?

Berggruen: Sie werden Verständnis haben, dass wir uns zu dieser Frage nicht äußern.

Frage : Wollen Sie die Finanzierung sowohl des Kaufpreises als auch der Folgeinvestitionen in Karstadt zusammen mit Banken stemmen?

Berggruen: Wir sind nicht auf Banken angewiesen. Wir haben für das ganze Geschäft nicht mit einer einzigen Bank gesprochen. Das machen wir alles selbst.

Frage : Wenn Sie so sicher sind, in Karstadt investieren zu wollen, dann können Sie ja auch ein verbindliches Gebot für Karstadt als Ganzes abgeben, oder?

Berggruen: Genau so ein verbindliches Angebot haben wir Karstadt-Insolvenzverwalter Hubert Görg bereits unterbreitet.

Das Interview führte Karsten Stumm, manager magazin online



insgesamt 8 Beiträge
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Juan Pérez, 28.05.2010
1. jetzt leicht
Glamouröser machen ist jetzt leicht, jeder Kik hat mittlerweile mehr Stil
faustjucken_de 28.05.2010
2. .
So löblich ich das Unterfangen von Herrn Berggrün finde, Karstadt (das GROSSE Karstadt, Verdammt!) als Ganzes zu retten, denke ich nicht, dass er die Finanzierung ohne Banken wird stemmen können. Zumindest dürfte es interessant sein, wie weit die Immobilienfonds zurückstecken. Schließlich sind die mit ihren horrenden Renditeanforderungen hauptverantwortlich für die Misere. Aber der "gute" Herr Middlehoff musste die Immobilien ja verkaufen und zu wahnwitzigen Preisen zurückmieten. Da wird ja die Staatsanwaltschaft noch ein Wörtchen drüber reden.
Nicola54 28.05.2010
3. Keine Shops mehr
Vor allem sollten Kaufhäuser, also auch Karstadt, von dieser Marken-Shop-Idee runterkommen. Wenn ich in ein großes Kaufhaus gehe und - sagen wir mal - eine schwarze Hose suche, erwarte ich, dass ich eine große Auswahl finde, alles zusammen. Stattdessen muß ich mich durch mehrere Shops auf verschiedenen Etagen durcharbeiten. Dann kann ich auch gleich in einen kleinen Laden gehen, dort verliere ich nicht die Übersicht, und es gibt Verkäuferinnen, die mich beraten und mir helfen. In einem Kaufhaus wiederum geht das Einkaufen nur zu zweit, weil man sich sonst zwischen dem Anprobieren immer wieder anziehen muß, um "Nachschub" zu besorgen. Meiner Meinung nach geben Kaufhäuser mit diesem Shop-Konzept einen ihrer Vorteile - die große Auswahl - auf.
lemming51 28.05.2010
4. Frage
Sehr schön das alles. Wo aber kommt nun die Kaufkraft her, für den all den Glamour ????
alterhausberger 28.05.2010
5. Hütet euch vor Triton !!
Hütet euch vor dem Verkauf an Triton !!! Ich empfehle hierzu sich die Geschichte der Kampa-Haus AG in Minden/Westfalen anzuschauen. Dort trat Triton auch mit heren Zielen zur Erhaltung des Lebenswerks von Wilfied Kamps an. Wie bei Heuschrecken üblich belastete Triton das Unternehmen mit dem Kaufpreis und versuchte dann diese Belastung bei der Belegschaft wieder reinzuholen. Als das auch durch diverse "Neustrukturierungen" (die im Grunde nur Nebelkerzen beinhalteten) nicht gelang, wurde das Unternehmen zersäbelt, filetiert und verscheuert. Wann merkt die bundesrepublikanische Bevölkerung eigentlich, das hier der verspätete Morgentauplan seine Vollendung findet?
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