Handelskette Kreditversicherer lässt Kaufhof fallen

Geschäftspartner zweifeln offenbar an der vollen Zahlungsfähigkeit von Galeria Kaufhof. Der Kreditversicherer Euler Hermes hat nach SPIEGEL-Informationen seine Bürgschaften für die Lieferanten der Kaufhauskette drastisch reduziert.
Kaufhof-Filiale in Trier

Kaufhof-Filiale in Trier

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Harald Tittel/ picture alliance / dpa

Die Kaufhauskette Galeria Kaufhof steckt offenbar in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Der Kreditversicherer Euler Hermes hat nach SPIEGEL-Informationen seine Kreditzusagen für die Warenhauskette massiv reduziert. In der vergangenen Woche informierte Euler Hermes Kaufhof-Lieferanten per Brief darüber, dass die Warenkreditversicherung um 80 Prozent gekürzt werde.

Die Entscheidung basiere auf der Bewertung der vorliegenden Geschäftszahlen. Die Ergebnisse der Analysen ließen keine anders lautende Entscheidung zu, heißt es in dem Schreiben, welches dem SPIEGEL vorliegt. Die Entscheidung bedeutet, dass Euler Hermes den Glauben an die Bonität von Galeria Kaufhof offenbar weitgehend verloren hat.

Kreditversicherer sichern den Warenbestand von Handelsunternehmen ab und garantieren den Lieferanten so ihr Geld. Ohne solche Garantien droht der Warenstrom schnell zu versiegen, da die Lieferanten dann meist nur noch gegen Vorkasse liefern. Weder Euler Hermes noch Kaufhof wollten sich zu dem Schreiben äußern.

Galeria Kaufhof betreibt derzeit 97 Filialen in Deutschland und beschäftigt rund 21.500 Mitarbeiter. Dazu kommen 16 Kaufhäuser in Belgien unter dem Namen Galeria Inno. Bis Oktober 2015 gehörte Galeria Kaufhof zur Metro-Gruppe  , dann übernahm der kanadische Handelsriese Hudson's Bay Company (HBC) die Warenhauskette für 2,8 Milliarden Euro.

Die Kanadier, zu denen unter anderem die Luxuskaufhäuser Saks Fifth Avenue gehören, hatten mit ihrem Angebot den Karstadt-Eigentümer René Benko (Signa-Gruppe) ausgestochen. "Bigger, better, more exciting" - so lautete die vollmundige Vision der Kanadier für die angeschlagenen Kaufhof-Filialen.

Doch die versprochenen Investitionen blieben aus. Stattdessen hat die Muttergesellschaft HBC der deutschen Tochter horrende Mieterhöhungen für die Kaufhof-Immobilien aufgezwungen, im vergangenen Geschäftsjahr schrieb Kaufhof erstmals seit Langem rote Zahlen. "HBC hat signifikant in den Filialumbau bei Galeria Kaufhof investiert und wird das auch weiterhin tun", erklärt ein Kaufhof-Sprecher dazu. Im Konzern selbst herrschen seit Monaten Chaos und Stühlerücken. Zuletzt musste Kaufhof-Manager Olivier van den Bossche seinen Platz räumen.

Neuer Vorsitzender der Geschäftsführung ist seit diesem Mai der ehemalige Toys'R'us-Manager Wolfgang Link. Er treibt unter anderem die Gespräche mit den Gewerkschaftsvertretern über einen Ausstieg aus dem Tarifvertrag voran.

Die Metro AG hatte sich vom neuen Eigentümer HBC vertraglich zusichern lassen, dass die Warenhausfirma bis mindestens 2020 im Tarifvertrag bleibt. Allerdings soll für den Bruch der Vereinbarung keine Vertragsstrafe vereinbart worden sein. Für die Mitarbeiter wurde darüber hinaus bei dem Verkauf eine Sozialcharta mit einer Arbeitsplatzgarantie bis 2018 vereinbart.

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