»Mein Kampf« ja, Antifa-T-Shirts nein Kaufland wegen rechtsradikaler Bücher in der Kritik

Auf dem Onlinemarktplatz der Supermarktkette Kaufland werden Bücher von Rechtsradikalen und Holocaustleugnern verkauft. Im Netz hagelt es Kritik – und die Erklärung des Unternehmens beruhigt die Debatte nicht wirklich.
Logo der Supermarktkette Kaufland

Logo der Supermarktkette Kaufland

Foto: Christoph Hardt / Future Image / IMAGO

Auf Twitter steht die Supermarktkette Kaufland in der Kritik. Weil das Unternehmen Produkte mit Antifa-Logo aus seinem Onlineshop verbannte, aber gleichzeitig Bücher von rechtsradikalen Autoren im Sortiment ließ, sprechen User von einer Doppelmoral. Bei Twitter trendet am Sonntag deshalb der Hashtag #Kaufland.

Kaufland löschte Antifa-Produkte

Bereits am Freitag hatte die Diskussion begonnen. Ein User hatte sich bei Twitter darüber beschwert, dass im Kaufland-Onlineshop Jutebeutel und T-Shirts mit dem Symbol der Antifaschistischen Aktion, kurz Antifa, erhältlich waren. Der offizielle Kaufland-Account bedankte sich für den Hinweis und verkündete, »nach eingehender Prüfung« habe man entschieden , die Artikel aus dem Sortiment zu nehmen.

Daraufhin rollte die erste Welle der Kritik über das Unternehmen hinweg. Etliche User beklagten insbesondere, dass Kaufland das rechtsextreme Magazin »Compact« im Sortiment habe, Antifa-Artikel hingegen sperre. Das Unternehmen nahm daraufhin in mehreren Tweets Stellung: Man lehne grundsätzlich alle extremen Haltungen ab, so die Erklärung. Allerdings sei nicht alles, was man für falsch halte, gleich verboten. Grundsätzlich nehme man aber extremistische Produkte aus dem Sortiment, sofern es möglich sei – ungeachtet der politischen Orientierung.

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Twitter-User findet etliche Bücher von rechtsradikalen Autoren

Zur Beruhigung der Debatte trug das allerdings nur bedingt bei. Dass das Unternehmen in seinem Statement Antifaschismus mit Rechtsextremismus verglich, kam bei vielen Usern nicht gut an.

Am Sonntag schließlich postete der Twitter-User Leo Schneider eine Liste von Büchern mit rechtsradikalen Inhalten, die er im Kaufland-Onlineshop gefunden hatte. Darunter etwa »Mein Kampf« in der unkommentierten Ausgabe oder Bücher des NPD-Politikers Rolf Kosiek. Die Posts von Schneider, der Vorsitzender der Jusos in Hamburg-Nord ist, erzielten große Aufmerksamkeit. Etliche User äußerten sich entsetzt über die Aufzählung und kündigten an, Kaufland von nun an boykottieren zu wollen.

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Auch Kaufland selbst wurde offenbar darauf aufmerksam. Wenige Stunden, nachdem Schneider die Liste mit Titeln von rechtsradikalen Autoren gepostet hatte, waren sämtliche der Bücher aus dem Kaufland-Onlineshop verschwunden. Andere Bücher von bekannten Rechtsradikalen sind dort jedoch weiterhin verfügbar, unter anderem ein Putin-Porträt des russischen Neurechten Alexander Dugin .

Auf SPIEGEL-Anfrage äußerte sich Kaufland nicht zur Frage, warum Bücher von Rechtsradikalen so lange unbemerkt auf der Plattform verfügbar waren. In einer schriftlichen Stellungnahme bestätigte das Unternehmen aber, einzelne Produkte aus dem Sortiment genommen zu haben. »Wir werden in den kommenden Tagen unsere Prozesse sowie unser Sortiment auf den Prüfstand stellen und entscheiden, ob und welche weiteren Produkte wir aus dem Angebot nehmen werden«, so die Stellungnahme weiter.

Der Kaufland-Onlineshop funktioniert nach dem Marktplatz-Prinzip. Das bedeutet, dass dort auch externe Verkäufer Produkte einstellen können, beispielsweise Buchhandlungen, Verlage oder auch Einzelpersonen. Laut Unternehmensangaben  handelt es sich um »einen der am schnellsten wachsenden Marktplätze Deutschlands« mit mehr als 8000 Händlern.

fla
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