Kaupthing-Krise Gläubiger fordern 40 Milliarden Euro zurück

Geldgebern der Kaupthing-Bank drohen gewaltige Ausfälle: Sie erheben Forderungen in Höhe von 40 Milliarden Euro gegen das insolvente Institut. Die Gläubiger dürften davon nur wenig zurückbekommen - die Summe ist viermal so hoch wie Islands Bruttoinlandsprodukt.
Kaupthing-Filiale: Gewaltige Gläubigerforderungen

Kaupthing-Filiale: Gewaltige Gläubigerforderungen

Foto: Anja Niedringhaus/ AP

Frankfurt am Main - Geldgeber aus 119 Ländern haben Forderungen gegen die Großbank Kaupthing geltend gemacht. Wie das Abwicklungskomitee der Bank bekanntgegeben hat, summieren sich die eingegangenen Ansprüche auf 7,3 Trillionen Kronen. Das seien umgerechnet gut 40 Milliarden Euro - nach derzeitigem Wechselkurs mehr als das Vierfache des isländischen Bruttoinlandsprodukts.

Zu den Gläubigern gehört unter anderem die Deutsche Bank. Laut einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" ist das Institut der größte Einzelgläubiger von Kaupthing. Die Deutsche Bank habe insgesamt 50 Forderungen im Wert von zusammen 5,3 Milliarden Euro angemeldet.

Abschreibungen drohen dem Geldhaus allerdings nicht. Ein Großteil der Forderungen habe die Deutsche Bank stellvertretend für Kunden erhoben, sagte ein Branchenkenner SPIEGEL ONLINE. Wäre der Bank ein Abschreibungsbedarf entstanden, hätte sie schon 2008 entsprechende Rückstellungen dafür bilden müssen, nachdem die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) ein Moratorium verhängt hatte, um die verbliebenen Vermögenswerte der Kaupthing-Bank zu sichern. Ein Sprecher des Instituts wollte den Vorgang nicht kommentieren.

Kaupthing-Chef will sein Gehalt einklagen

Die Kaupthing-Bank war im Oktober 2008 in Folge der Finanzkrise zusammengebrochen. Zu ihren Gläubigern gehört Zeitungsberichten zufolge zudem der frühere Vorstandsvorsitzende der Bank. Er mache Ansprüche von 1,4 Millionen Euro geltend, weil ihm Gehaltszahlungen vorenthalten worden seien. Solche Meldungen schüren auf Island die Erwartungen an die im März eingesetzte Sonderermittlerin Eva Joly, die sich als Staatsanwältin und Korruptionsjägerin vor allem im Fall Elf-Aquitaine einen Namen gemacht hat.

Deutsche Banken haben wiederholt über mangelnde Transparenz und zu wenig Mitspracherecht geklagt; die Deka-Bank hat sogar ein Verfahren gegen Landsbanki, die einst zweitgrößte isländische Bank, angestrengt. Deren Gläubiger fordern zusammen 6,9 Milliarden Euro.

Dritter im Bunde ist die Glitnir-Bank, gegen sie liegen bisher nur Forderungen von umgerechnet 20 Millionen Euro vor. Alle drei einstigen Großbanken sind in abzuwickelnde und neue Institute aufgespalten worden, die als Arion Bank (Kaupthing), Nyr Landsbanki und Islandsbanki (Glitnir) nun auf das Inlandsgeschäft beschränkt sind.

ssu/dpa
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