Kautionszahlung Ex-Automanager Ghosn verlässt Gefängnis

Der Widerspruch der Staatsanwaltschaft scheiterte: Ex-Nissan-Chef Ghosn ist gegen Kaution aus der U-Haft entlassen worden - gegen strenge Auflagen.

Carlos Ghosn kurz nach seiner Freilassung
Behrouz MEHRI / AFP

Carlos Ghosn kurz nach seiner Freilassung


Der frühere Automanager Carlos Ghosn hat das Gefängnis in Tokio gegen Kaution verlassen. Der in Japan angeklagte, ehemalige Nissan-Chef verließ die Haftanstalt in Tokio, wie auf Fernsehbildern zu sehen ist.

Zuvor hatte ein Gericht in der japanischen Hauptstadt einem Antrag von Ghosn stattgegeben, gegen Auflagen aus der Untersuchungshaft freizukommen. Die Staatsanwaltschaft legte zwar Berufung gegen die Freilassung ein, scheiterte damit jedoch.

Die Höhe der Kaution beträgt laut Gericht 500 Millionen Yen (rund vier Millionen Euro). Daran sind strenge Bedingungen geknüpft, um zu verhindern, dass er flieht oder Beweismaterial vertuscht. So darf Ghosn das Land nicht verlassen. Der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo zufolge darf er auch nicht seine Frau treffen.

Es ist bereits das zweite Mal, dass Ghosn auf Kaution aus der U-Haft freikommt. Im November vergangenen Jahres war der prominente Automanager in Tokio wegen angeblicher Verstöße gegen Börsenauflagen erstmals in Haft genommen worden. Zudem soll der gebürtige Brasilianer private Investitionsverluste auf Nissan übertragen haben.

Ghosn soll Geld zu libanesischer Investmentfirma umgeleitet haben

Ghosn hatte 1999 den Einstieg des französischen Autoherstellers Renault bei Nissan eingefädelt. In die bis dato beispiellose Allianz wurde dann auch Mitsubishi Motors eingebunden. Nur wenige Tage nach seiner Verhaftung im November feuerten Nissan und Mitsubishi ihn als Verwaltungsratschef. Kürzlich warf ihn Nissan dann auch ganz aus dem Verwaltungsrat.

Nach seiner ersten Verhaftung wurde Ghosn angeklagt - und erst nach monatelanger Haft gegen eine Kaution von damals einer Milliarde Yen entlassen. Knapp vier Wochen nach seiner Freilassung wurde er Anfang dieses Monats dann erneut in Untersuchungshaft genommen.

Die Staatsanwaltschaft erhob erst Anfang dieser Woche zum vierten Mal Anklage wegen Zahlungen an einen Vertriebspartner in Oman. Die Verteidigung wirft der Staatsanwaltschaft mit dieser in Japan üblichen Taktik vor, Ghosn unter Druck setzen zu wollen, bis er am Ende einknicke. Doch hat Ghosn deutlich gemacht, kein Geständnis unterzeichnen zu wollen. In einem kürzlich von seinem japanischen Anwalt veröffentlichten Video beteuerte er nochmals seine Unschuld. Der prominente Automanager sieht sich als Opfer einer Verschwörung.

Laut der neuen Anklage soll Ghosn eine Tochter von Nissan in den Vereinigten Arabischen Emiraten angewiesen haben, zehn Millionen Dollar an einen Vertriebspartner in Oman zu zahlen. Davon soll die Hälfte an ein Konto der zu Ghosn gehörenden libanesischen Investmentfirma Good Faith Investments geflossen sein.

Ein Teil dieser Gelder soll dann an eine Firma seiner Frau weitergeleitet worden sein. Davon könnte unter anderem eine Luxusjacht für Ghosns Familie gekauft worden sein, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf namentlich nicht genannte Quellen. Einen Termin für einen Prozess gegen Ghosn gibt es nicht.

apr/dpa/AFP



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