Kennzeichnung für Verbraucher EU-Parlament stoppt Lebensmittel-Ampel

Rot, gelb, grün: Die Ampel-Kennzeichnung sollte Verbrauchern auf einen Blick zeigen, wie gesund Lebensmittel sind. Doch das EU-Parlament hat die bunten Punkte jetzt abgelehnt - ein Sieg für die Industrie.
Lebensmittel-Kennzeichnung: Grün ist unbedenklich, bei Rot sollte man genau hinschauen

Lebensmittel-Kennzeichnung: Grün ist unbedenklich, bei Rot sollte man genau hinschauen

Foto: MARTIN CLEAVER/ AP

Europaparlament

Straßburg - Pizza, Cornflakes oder Cola: Was ist gesund oder ungesund? Viele Kunden sind sich beim Einkaufen nicht sicher, Verbraucherschützer und Ärzteverbände fordern deshalb seit langem eine Ampel-Kennzeichnung für Lebensmittel. Doch die hat das jetzt abgelehnt.

Damit steht fest: Die Lebensmittelindustrie muss ihre Fertigprodukte auch künftig nicht mit roten, gelben oder grünen Symbolen kennzeichnen. Damit wäre auf den ersten Blick erkennbar gewesen, wie hoch der Anteil an Zucker, Fett oder Salz ist. Stattdessen soll auf den Packungen nun gut sichtbar der Brennwert in Kalorien angegeben werden. Außerdem sollen Hersteller zu klaren Angaben über eine Reihe von Inhaltsstoffen wie Fett, Salz, Zucker, Eiweiß oder ungesättigte Fettsäuren verpflichtet werden.

Verbraucherschützer

In der deutschen und europäischen Politik wird seit Jahren diskutiert, wie Kunden beim Kauf schnell und verständlich vor Dickmachern in den Lebensmittelregalen gewarnt werden können. Vor allem favorisieren eine Nährwert-Ampel. Organisationen wie Foodwatch aber auch Kinderärzte sehen darin eine praktikable, für jedermann verständliche Lösung. Produkte könnten so leicht miteinander verglichen werden.

Doch nun hat sich die Lebensmittelindustrie durchgesetzt. Die Lobbyvertreter der Branche sind seit gut zwei Jahren aktiv, um die EU-Parlamentarier von ihren eigenen Vorschlägen zu überzeugen. Dabei machten die Konzerne immer wieder klar, dass sie eine Lebensmittel-Ampel ablehnen - nun hatten sie Erfolg.

Grüne und Linke stimmten für die Ampel

"Statt Bürgernähe herrscht in Europa die Lobbymacht der Industrie", sagte Matthias Wolfschmidt, stellvertretender Geschäftsführer von Foodwatch. Die Vorzüge der Ampel-Kennzeichnung seien gegenüber allen anderen Systemen vielfach durch wissenschaftliche Studien belegt worden. "Den Verbrauchern bringt eine freiwillige Ampel-Kennzeichnung nichts."

Vor allem die Konservativen im EU-Parlament stimmten gegen die Lebensmittel-Ampel. Diese Art der Kennzeichnung sei zu simpel und wissenschaftlich nicht begründet, sagte die Berichterstatterin Renate Sommer (CDU). Bestimmte Lebensmittel würden stigmatisiert. Eine ausgewogene und gesunde Ernährung lasse sich nicht an einzelnen Lebensmitteln festmachen.

Andere Parteien, vor allem Grüne und Linke, stimmten hingegen für die Ampel. Dem Plan zufolge hätte die bunte Grafik auf einen Blick über die Menge an Fett, gesättigten Fettsäuren, Zucker und Salz informiert - und zwar einheitlich auf 100 Gramm beziehungsweise 100 Milliliter bezogen. Die Werte sollten farblich hinterlegt werden. Rot stünde für einen hohen, gelb für einen mittleren, grün für einen niedrigen und damit gesundheitlich unbedenklichen Anteil.

Nach der ersten Lesung im Parlament geht die Gesetzesvorlage nun an den Ministerrat, in dem die 27 EU-Staaten vertreten sind. Im Rat gibt es allerdings keine einheitliche Position. Ohnehin hat aber das Europaparlament in der Frage ein Mitentscheidungsrecht. Parlament und Rat müssen sich somit auf einen wie auch immer gearteten Kompromiss einigen.

lgr/AFP/dpa
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