Kettcar-Hersteller Kettler verkündet endgültiges Aus

Rund 550 Mitarbeiter verlieren ihre Jobs: "Kettcar"-Hersteller Kettler schließt seine deutschen Werke endgültig.
Hauptverwaltung von Kettler in Ense (NRW): Endgültiges Aus für Produktion in Deutschland

Hauptverwaltung von Kettler in Ense (NRW): Endgültiges Aus für Produktion in Deutschland

Foto: Bernd Thissen/dpa

Dreimal in den vergangenen vier Jahren musste Kettler Insolvenz anmelden - nun geht es wirklich nicht mehr weiter beim Kettcar-Hersteller. 70 Jahre nach der Gründung muss der Freizeitgerätebauer seine deutschen Werke endgültig schließen. Damit werden auch die verbliebenen rund 550 Mitarbeiter in Werl und Ense ihren Arbeitsplatz verlieren.

"Wir können die Produktion nicht weiterführen", sagte Rechtsanwalt Martin Lambrecht, der das Kettler-Management im aktuellen Insolvenzverfahren berät. Der Beschluss werde vom Gläubigerausschuss mitgetragen. In der heutigen Größe sei die Produktion in Deutschland nicht mehr profitabel.

Die Kettler-Mitarbeiter wurden am Montag auf einer Betriebsversammlung über die Schließungsentscheidung der Geschäftsführung informiert. Mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens in dieser Woche werden Lambrecht zufolge voraussichtlich 400 Beschäftigte freigestellt. "Mit 144 Mitarbeitern werden wir vorläufig noch weiterarbeiten, um die Produktion abzuwickeln", sagte Lambrecht.

Langer Abstieg

Firmengründer Heinz Kettler hatte das Unternehmen nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem der führenden Hersteller von Sportgeräten, Fahrrädern und Gartenmöbeln gemacht. Er nahm für sich unter anderem in Anspruch, 1977 weltweit das erste Aluminium-Fahrrad auf den Markt gebracht zu haben. Der Kettler-Hometrainer Golf war in den Achtzigerjahren eines der beliebtesten Fitnessgeräte Europas.

Bekannt wurde Kettler vor allem aber durch Tretautos: die Kettcars, die der Firmengründer 1961 erfand. Der frühere Formel-1-Star Michael Schumacher drehte darauf ebenso seine ersten Runden wie Millionen anderer Kinder. Mehr als 15 Millionen Exemplare wurden verkauft. Das Kettcar bekam sogar einen eigenen Dudeneintrag als "mit Pedalen über eine Kette angetriebenes Kinderfahrzeug".

Allerdings liefen die Geschäfte bereits seit geraumer Zeit schlecht, spätestens nach dem Tod des Gründers 2005. Im Jahr 2009 musste Kettler Hunderte Arbeitsplätze abbauen. 2015 stellte das Unternehmen erstmals Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung. Doch gelang nach dem Abbau von rund 200 Stellen und dem Verkauf der Fahrradsparte ein Neuanfang.

Einstieg des Finanzinvestors brachte keine Wende

2018 musste Kettler jedoch erneut zum Insolvenzgericht. Zeitweise schien eine Schließung der Firma wahrscheinlicher als eine Weiterführung. Erst der Einstieg des Finanzinvestors Lafayette Mittelstand Capital zu Beginn des Jahres rettete Kettler vorerst. Der neue Besitzer kündigte damals an, er wolle mit Kettler "die Kurve von der Traditions- zur Trendmarke" kriegen. Zur nun bekanntgewordenen Schließungsentscheidung äußerte sich Lafayette zunächst nicht.

Nur sieben Monate später musste das Unternehmen erneut Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung stellen. Laut Berater Lambrecht könnte der Markenname zwar möglicherweise weiter existieren, aber es könnten keine Produkte mehr in Deutschland hergestellt werden: "Ein Kettler wie bisher wird es zukünftig nicht mehr geben."

fdi/dpa