KfW-Studie Die vorerst letzten Rekorde des deutschen Mittelstands

Beschäftigung auf Höchststand, Anstieg bei Umsatz und Investitionen: Kleinere und mittlere Unternehmen in Deutschland haben 2018 mit Bestmarken geglänzt. Doch so wird es nicht weitergehen, sagt die KfW.

Mittelstandsklassiker Maschinenbau
Aumann

Mittelstandsklassiker Maschinenbau


Die Konjunkturabkühlung bremst den Rekordkurs mittelständischer Unternehmen in Deutschland. Nach Bestmarken 2018 wird sich das Wachstumstempo verlangsamen, das geht aus dem Mittelstandspanel der staatlichen Förderbank KfW hervor. Zwar würden Beschäftigung, Umsätze und Investitionen weiter zulegen. "Die Dynamik aber geht merklich zurück - dem langwährenden Aufschwung scheint allmählich die Puste auszugehen", sagte KfW-Ökonom Michael Schwartz.

Damit deute sich das Ende der mittelständischen Rekordjahre an, auch wenn das Niveau vorerst hoch bleiben dürfte. Während große exportorientierte Industriekonzerne zuletzt ihre Gewinnprognosen nach unten schraubten und den Abbau von Stellen ankündigten, halten die etwa 3,8 Millionen Mittelständler noch weitgehend Kurs. Im vergangenen Jahr gab es noch einmal einen Beschäftigungsrekord. Ende 2018 waren den Angaben zufolge 31,7 Millionen Menschen in mittelständischen Unternehmen beschäftigt. Das war ein Zuwachs von 391.000 Erwerbstätigen gegenüber dem Vorjahr. Tragende Säule des Jobwachstums seien Dienstleistungen - sie gewännen kontinuierlich an Bedeutung.

Allen Krisenzeichen zum Trotz wollen die Mittelständler auch in diesem Jahr unter dem Strich neue Jobs schaffen. Rund 17 Prozent der für die jährliche Studie Befragten gaben an, ihre Mitarbeiterzahl erhöhen zu wollen. Nur rund 10 Prozent wollen Beschäftigung abbauen.

Immer noch mehr Jobs

Allerdings dürfte der Stellenaufbau an Tempo verlieren. "Realistisch sind rund 250.000 neue Arbeitsplätze im Mittelstand 2019 zu erwarten", heißt es in der Studie.

Dank der starken Binnenkonjunktur steigerten die eher inlandsorientierten Mittelständler ihren Umsatz 2018 im Schnitt um 4,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr - das stärkste Plus seit sieben Jahren. Trotz der Konjunkturabkühlung rechneten bei der Befragung in diesem Frühjahr deutlich mehr Firmen mit steigenden (35 Prozent) als mit sinkenden Umsätzen (17 Prozent). Zuletzt trübte sich die Stimmung allerdings ein: "Am Horizont ziehen dunkle Wolken auf", heißt es in der Studie.

Kleinere und mittlere Unternehmen steigerten 2018 das fünfte Jahr in Folge ihre Investitionen. Insgesamt steckten die Firmen 220 Milliarden Euro (plus 4,3 Prozent) in neue Anlagen und Bauten sowie in gebrauchte Güter. Ein abruptes Ende der Investitionen erwartet die KfW nicht.

Die KfW zählt Unternehmen, die nicht mehr als 500 Millionen Euro jährlich umsetzen, zum Mittelstand. Das KfW-Mittelstandspanel wird seit dem Jahr 2003 als schriftliche Wiederholungsbefragung der kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland durchgeführt. An der aktuellen Welle beteiligten sich 10.222 mittelständische Unternehmen. Die Befragung fand im Frühjahr 2019 statt.

mamk/dpa

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akase93 15.10.2019
1. Beschwörung 2019
Wo kommt das eigentlich her in Deutschland, dass hier immer das halb leere Glas bejammert wird, statt sich daran zu erfreuen, dass das Glas - nein, nicht halbvoll, sondern mindestens dreiviertel voll ist? Seit mindestens einem Jahr hat man das Gefühl, dass die Krise sehnlichst herbeiprognostiziert und medial beschworen wird. Überall brummt die Wirtschaft, Handwerker bekommt man mit kleineren Aufträgen gar nicht. Was soll dieser nervtötende Pessimismus?
liberaleroekonom 15.10.2019
2. Wieso Pessimismus? Die SPD blickt doch fröhlich in die Zukunft
Zitat von akase93Wo kommt das eigentlich her in Deutschland, dass hier immer das halb leere Glas bejammert wird, statt sich daran zu erfreuen, dass das Glas - nein, nicht halbvoll, sondern mindestens dreiviertel voll ist? Seit mindestens einem Jahr hat man das Gefühl, dass die Krise sehnlichst herbeiprognostiziert und medial beschworen wird. Überall brummt die Wirtschaft, Handwerker bekommt man mit kleineren Aufträgen gar nicht. Was soll dieser nervtötende Pessimismus?
Naja, immerhin die SPD scheint diesen Pessimismus auch nicht zu teilen. Denn sonst würde die SPD wohl nicht darauf bestehen, dass kleinere und mittelständische Betriebe den Soli bis zum Sankt Nimmerleinstag weiterhin bezahlen sollen, sondern auch für den Mittelstand eine Entlastung vorsehen.
sikasuu 15.10.2019
3. Doch so wird es nicht weitergehen, sagt die KfW! Kanns ja auch nicht!
Eine Steigerung der "Wirtschaftsleistung" (bereinigt) um 2% verdoppelt DIE in ca. 40-50 Jahren. Wovon, wie, mit wem... soll das denn klappen? . Märkte, Ressourcen, Kaufkraft, Inovationen usw. sind begrenzt. . Wir langsam mal Zeit, das sich die Ökonomen, die "Wirtschaftswissenschaften:-)"(wenn sie es denn können) Gedanken darüber machen, wie in einer "ausgewogenen Kreislaufwirtschaft" Markt & Geschäftsmodelle funktionieren & nachhaltig gearbeitet werden kann. . Sonst kommt so ein Spiel raus, wie man es mal Kindern in der Schule "vorgemacht" hat: "Lege EINE Mark" mit 5% Zinsen aufs Sparkasse-Sparbuch! Wieviel Jahre brauchst du, um Millionär zu werden:-)" . Bei Geld geht das noch, dessen "Wertdimension" überschauen Kinder (nun ja, manchmal auch "Mitarbeiter der Finanzindustrie") kaum! . In der realen Wirtschaft mit realer Produktion gibt es wohl "natürliche" Grenzen, die wir mMn. schon vor Jahrzehnten erreicht, besser überschritten haben!
helena.pierser 15.10.2019
4.
Zitat von sikasuuEine Steigerung der "Wirtschaftsleistung" (bereinigt) um 2% verdoppelt DIE in ca. 40-50 Jahren. Wovon, wie, mit wem... soll das denn klappen? . Märkte, Ressourcen, Kaufkraft, Inovationen usw. sind begrenzt. . Wir langsam mal Zeit, das sich die Ökonomen, die "Wirtschaftswissenschaften:-)"(wenn sie es denn können) Gedanken darüber machen, wie in einer "ausgewogenen Kreislaufwirtschaft" Markt & Geschäftsmodelle funktionieren & nachhaltig gearbeitet werden kann. . Sonst kommt so ein Spiel raus, wie man es mal Kindern in der Schule "vorgemacht" hat: "Lege EINE Mark" mit 5% Zinsen aufs Sparkasse-Sparbuch! Wieviel Jahre brauchst du, um Millionär zu werden:-)" . Bei Geld geht das noch, dessen "Wertdimension" überschauen Kinder (nun ja, manchmal auch "Mitarbeiter der Finanzindustrie") kaum! . In der realen Wirtschaft mit realer Produktion gibt es wohl "natürliche" Grenzen, die wir mMn. schon vor Jahrzehnten erreicht, besser überschritten haben!
Sie wissen definitiv nicht wovon Sie reden. Natürliche Grenzen in der Produktion schon vor Jahrzehnten erreicht? Dann muss ich mir die Produktivitätssteigerungen - wie alle anderen auch - eingebildet haben. Natürlich muss es in einer gesunden Ökonomie Wachstum geben. Vor allem in einer globalisierten Welt in der momentan noch eine Zunahme der Weltbevölkerung stattfindet. Eine "ausgewogene Kreislaufwirtschaft" kann nicht existieren, weil das eine Stagnation im Bereich der Innovation und Produktivität voraus setzen würde. Andernfalls gäbe es mit Produktivitätsfortschritt in einer stagnierenden Ökonomie immer weniger Arbeitsplätze. Im übrigen sind zwei Prozent Wachstum pro Jahr nichts. Eigentlich müsste ein Land wie Deutschland (sehr gut ausgebildete Arbeitnehmer, viel Mittelstand, enorme Anzahl an Patenten) ein Wachstum von fünf bis sechs Prozent pro Jahr erreichen. Allein bedingt durch den enorm schnellen technologischen Fortschritt. Und wo bleibt das Wachstum? Es verpufft zischen all der Bürokratie und der katastrophalen Infrastruktur. Zusätzlich ist die Investitionquote viel zu niedrig. Sowohl beim Staat als auch in den Unternehmen. Eine der Hauptursachen dafür dürften die mangelnde Zuverlässigkeit und die Inkompetenz der Politik sein. Ständig werden politische Rahmenbedingungen nach Lust und Laune willkürlich geändert. Zusätzlich haben wir Menschen in Ämtern, welche nicht die geringste Qualifikation für diese haben. Beides für sich genommen schon riesige Investitionsbremsen.
Steve.Joe 15.10.2019
5. Wachstum
Natürlich wird es weiter Wachstum geben und diesen muss es auch geben. Die Herausforderung wird natürlich der Einsatz natürlicher Ressourcen und die Vermeidung externer Effekte zu sein. Gerade die Herausforderung in Bezug auf Klimawandel wird Investitionen erfordern und natürlich zusätzliches Wirtschaftswachstum erzeugen/erfordern. Auch die Verbesserung der Lebensbedingungen weltweit.
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