Junge Erwachsene Weniger als 30 Prozent erwägen Firmengründung

Deutschland, das Land der Zögerer und Zauderer? Der Gründergeist unter jungen Erwachsenen hat während der Coronakrise jedenfalls der Förderbank KfW zufolge gelitten.
Symbolbild Start-up: »Zukunftsfähigkeit der deutschen Wirtschaft in Gefahr«

Symbolbild Start-up: »Zukunftsfähigkeit der deutschen Wirtschaft in Gefahr«

Foto: Spectral / Westend61 / IMAGO

Die Rockband Die Ärzte beömmelte sich in ihrem Song »Junge« ausführlich über die Spießigkeit des Idealbilds Festanstellung. Dort heißt es in dem Text: »Warum gehst du nicht zu Onkel Werner in die Werkstatt? Der gibt dir 'ne Festanstellung«.

Im Zuge der Coronakrise ist nun auch unter jungen Leuten der Wunsch nach einer sicheren Anstellung wieder deutlich größer geworden. In der Generation der unter 30-Jährigen können sich einer Umfrage zufolge nur noch 29 Prozent eine Unternehmensgründung vorstellen, wie die staatliche Förderbank KfW mitteilte . Vor dem Corona-Einbruch waren es noch rund zehn Prozentpunkte mehr.

Ältere haben noch weniger Gründergeist

Im Jahr 2019 waren es Studierende, die besonders viel Gründungsgeist zeigten, wie die KfW unter Berufung auf den KfW-Gründungsmonitor mitteilte. Von ihnen sagten 46 Prozent, sie bevorzugten eine Selbstständigkeit. »Genau deren Interesse an beruflicher Selbstständigkeit hat sich jetzt aber wieder reduziert«, so die KfW.

Das dürfte demnach damit zu tun haben, dass nach Pandemiebeginn der Lehrbetrieb an Universitäten und Hochschulen praktisch nur noch virtuell stattfand. »Die Belastung der Studierenden dadurch war groß – möglicherweise zu groß, um den Gründungsgeist am Leben zu halten. Die Hoffnung bleibt, dass er nach der Rückkehr zu mehr Präsenz wieder auflodert.«

KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib zufolge hat sich seit dem Jahr 2000 der Anteil der gründungsaffinen Erwerbsbevölkerung bereits beinahe halbiert. In der Bevölkerung insgesamt, also unter den 18- bis 64-Jährigen, ist der Gründergeist dabei noch schwächer ausgeprägt als unter den Jungen. Hier wünschen sich nur 24 Prozent die berufliche Selbstständigkeit.

Die Entwicklung hänge sicherlich mit dem rekordverdächtigen Arbeitsmarktboom seit Mitte der Nullerjahre zusammen, sei aber volkswirtschaftlich gesehen eine schlechte Nachricht. »Eigenverantwortung und Selbstinitiative nehmen ab, Strukturen verkrusten, weil der Anpassungsdruck sinkt, flexible Expertise steht weniger zur Verfügung, Nachwuchs für anstehende Unternehmensnachfolgen fehlt«, so Köhler-Geib.

Daher müsse der Gründungsgeist in Deutschland »konsequent neu entfacht werden«. Ohne Gründerinnen und Gründer leide die Zukunftsfähigkeit der deutschen Wirtschaft.

apr/AFP
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