Kinokrise wegen Corona Hollywood-Umsätze fallen auf Niveau der Achtzigerjahre

Die US-Filmindustrie hat 2020 über 80 Prozent ihrer Umsätze verloren – und zum ersten Mal in der Geschichte hat ein Film aus China mehr Geld eingespielt als jeder Hollywood-Blockbuster.
Geschlossenes Kino in Kalifornien

Geschlossenes Kino in Kalifornien

Foto: Rich Fury/ AFP

Das Virus tobt weiter in den USA, während in China bereits seit Monaten wieder so etwas wie Normalität herrscht. Das hat auch Folgen für Hollywood und die US-Filmindustrie insgesamt. Es ist zwar eine Momentaufnahme, doch die aktuellen Kinoumsätze zeigen: Die Pandemie verschiebt auch im Kino-Business die Machtverhältnisse.

Mit dem Historiendrama »The Eight Hundred« steht sogar eine chinesische Produktion in der Endabrechnung für das Jahr 2020 ganz oben auf der Liste der umsatzstärksten Filme. Insgesamt 473 Millionen Dollar hat der Film über den Japanisch-Chinesischen Krieg eingespielt. Mit »My People, my Homeland« rangiert daneben eine zweite chinesische Produktion unter den Top drei der umsatzstärksten Filme weltweit .

Schwerwiegender als Erfolg oder Misserfolg einzelner Filme allerdings wiegen die Verluste Hollywoods insgesamt. Laut der Marktforschungsfirma Comscore sind die Kino-Einnahmen 2020 allein in Nordamerika wegen der Pandemie um etwas mehr als 80 Prozent zurückgegangen, von 11,4 Milliarden Dollar 2019 auf lediglich 2,2 Milliarden Dollar. Zur Einordnung: Im vergangenen Jahr hatte noch der Blockbuster »Avengers: Endgame« allein fast 2,8 Milliarden Dollar eingespielt, also deutlich mehr, als die gesamte US-Branche im gesamten Pandemie-Jahr. So wenig Geld verdiente die Branche zuletzt vor 40 Jahren, meldet die Nachrichtenagentur Reuters.

Bringt das Autokino die Rettung?

In vielen Ländern mussten Kinotheater aus Gründen der Pandemie-Bekämpfung schließen. Die Kinokrise könnte noch prominente Opfer fordern: Angeschlagen ist etwa der AMC-Konzern, einer der weltweit größten Betreiber von Kinos. Dem Unternehmen könnte die Insolvenz drohen.

Experten wie Paul Dergarabedian, Branchen-Analyst bei der amerikanischen Marktforschungsfirma Comscore, sieht dennoch Anlass für Hoffnung. Zu Beginn der Pandemie seien noch größere Umsatzeinbußen befürchtet worden. Dass Hollywood in Nordamerika überhaupt noch Umsatz gemacht habe, sei dem überraschend erfolgreichen Comeback von Drive-in-Kinos zu verdanken. Deren Entwicklung sei »sehr ermutigend für alle, die Sorgen hatten, das Kino könne gar nicht mehr zurückkommen«, so Dergarabedian.

beb/Reuters
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