Überraschendes Urteil Neue Hoffnung für die Deutsche Bank im Kirch-Streit

Die Deutsche Bank kann im Kirch-Streit einen kleinen Triumph verbuchen. Das Kreditinstitut dürfte sich durch ein Urteil in einem anderen Verfahren in seiner Sicht bestätigt fühlen, dass Aussagen ihres Ex-Chefs nicht maßgeblich für die Kirch-Pleite waren.

Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt: Überraschende Wende
REUTERS

Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt: Überraschende Wende

Von und , München


Hoffnungsschimmer für die Deutsche Bank: In der Dauerfehde mit den Erben des verstorbenen Medienunternehmers Leo Kirch kann das Geldhaus erstmals seit langem wieder einen Sieg verbuchen - durch ein Verfahren, das sie selbst gar nicht angestrengt hatte, das ihr aber in der Auseinandersetzung um angebliche Schadensersatzansprüche der Kirch-Seite erheblich nützt.

Am Mittwoch urteilte das Oberlandesgericht München, dass die Kirch-Nachfolgegesellschaft Darpar rund 4,3 Millionen Euro plus Zinsen an die Gläubiger der Taurus-Holding zahlen muss, insgesamt dürfte sich die Zahlung somit auf mehr als sieben Millionen Euro belaufen. Diese ehemalige Dachgesellschaft des Kirch-Imperiums ging im April 2002 pleite. Ihr Insolvenzverwalter Kurt Bruder streitet ebenfalls schon seit längerem mit den Kirch-Erben. Er verdächtigt den Medienunternehmer und seine Ex-Manager der Insolvenzverschleppung, da sie noch um die Jahreswende 2001/2002 mehrere Millionen aus der Taurus-Kasse entnahmen.

Durch die Entscheidung des Oberlandesgerichts kann Bruder sich nun bestätigt fühlen. Nach Einschätzung des Gerichts war die Taurus-Holding im Spätherbst 2001 bereits so gut wie zahlungsunfähig. Deshalb hätten Kirch und seine Getreuen kein Geld mehr aus der Firma ziehen dürfen.

Das spektakuläre Urteil hilft auch der Deutschen Bank. Sie war vor gut einem Jahr von einer anderen Kammer des OLG München zur Zahlung von Schadensersatz an die Kirch-Nachkommen verdonnert worden, da ihr Ex-Chef Rolf Breuer der Medien-Gruppe durch ein unbedachtes Interview von Anfang Februar 2002 angeblich den Todesstoß versetzte.

Das aktuelle Urteil kommt zu einem komplett anderen Schluss. Demnach war die Taurus-Holding schon seit Monaten insolvenzreif, als Breuer sein inzwischen legendäres Interview gab. Größeren Schaden, der ersetzt werden muss, konnte er demnach gemäß der neuesten Rechtsprechung des OLG dadurch gar nicht mehr anrichten.

Bruder selbst war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Die Deutsche Bank wollte sich zunächst nicht äußern und möchte erst die Begründung des Gerichts studieren. Sie dürfte sich jedoch in ihrer Sicht bestätigt fühlen, dass Breuers Interview nicht maßgeblich für die Kirch-Pleite war.

Das OLG ließ keine Berufung zu, der Kirch-Seite bleibt also nur der Weg, beim Bundesgerichtshof eine Nichtzulassungsbeschwerde einzureichen. Genau das hat die Deutsche Bank in dem für sie negativ ausgegangenen Schadensersatzverfahren bereits getan. Womöglich müssen also die Richter des Bundesgerichtshofs letztlich entscheiden, welche Kammer des OLG München die besseren Argumente hat.

insgesamt 11 Beiträge
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tageskolumne 18.12.2013
1. Natürlich "nicht schuldig"
So unsympathisch arrogant die Bosse der Deutschen Bank auch auftreten, so ist die Bank dennoch unschuldig an dem Untergang des auf kühnen Spekulationen aufgebauten Kirch-Imperiums. Es wird überall viel getuschelt, vor allem in den tausenden an Schlagzeilen interessierten Medien, aber auch auf Veranstaltungen, Business-Events etc. Und was da nicht alles gesagt wird. Wenn man jedes dieser Statements so auf die Goldwaage legen würde wie hier bei diesem merkwürdigen Kirch-Prozess, dann gäbe es nur noch "Schuldige" und illegale Insider-Whistle-Blower. Nein, die Aussagen von Herrn Breuer sind doch niemals schuld an der Kirch-Pleite. Wenn Substanz oder mehr Erfolge da gewesen wären, dann hätte sein Konzern irgendwie überlebt. Aber er war finanziell völlig am Ende, und das haben auch tausende gewußt. Dieser mühsam angestrengte Prozess, sein merkwürdiger Verlauf und das irrsinnige Ergebnis sind nicht stimmig. Die Bank wird von dieser Schadensersatzleistung freizusprechen sein.
Anton Waldheimer 18.12.2013
2. krampfhafter Versuch
Das erscheint viel zu weit hergeholt, es steht einem Aufsichtsratsvorsitzenden schlichtweg nicht zu über den Kunden Auskünfte zu erteilen und wenn Kirch Kredite bekommen hätte hätte er das Unternehmen zumindest abwickeln können.
ttvtt 18.12.2013
3. woher kredite?
um kirch am leben zu halten, hätte es Kredite bedurft, aber wer hätte sie denn geben sollen. wer dem noch Geld hätte gben wollen, hätte doch die bücher studiert und gesehen , dass der schon pleite ist. der ganze "rechts" streit war von anfang an eine farce
günterjoachim 18.12.2013
4. Breuer...
Ich kann mich noch sehr genau an die Breuer Äußerungen erinnern - in der Öffentlichkeit war das Image der Kirch Gruppe damals schlagartig total beschädigt.
syracusa 18.12.2013
5.
Ich halte es für einen Skandal, dass ein Richter am OLG in seinem Urteil die Nichtzulassung zur Revision festschreiben darf. Das ist eines Rechtsstaats unwürdig.
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