Medienkonzern US-Investor KKR bietet 63 Euro für Axel-Springer-Aktie

Der Finanzinvestor KKR hat offiziell sein Übernahmeangebot für den Springer-Verlag vorgelegt und will 63 Euro je Aktie zahlen. Zugleich senkte Springer seine Geschäftsprognose.
Zentrale des Axel-Springer-Verlags in Berlin

Zentrale des Axel-Springer-Verlags in Berlin

Foto: CLEMENS BILAN/EPA-EFE/REX

Großaktionärin Friede Springer und Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner wollen ihre Anteile behalten, doch für die restlichen Aktien des Axel-Springer-Konzerns gibt es nun ein offizielles Übernahmeangebot des Finanzinvestors KKR. Dieser bietet den Aktionären 63 Euro je Aktie. Springer und KKR gehen eine strategische Partnerschaft ein, teilten das Verlagshaus und der Investor mit. Ende Mai waren die Verhandlungen darüber bekannt geworden.

Am Dienstagabend schloss die Springer-Aktie   bei einem Kurs von 56 Euro. Am Mittwochmorgen zog sie im vorbörslichen Handel um bis zu 12,5 Prozent an. KKR strebt eine Mindestannahmequote von 20 Prozent an.

Der geplante Einstieg des US-Investors bei dem deutschen Medienhaus ist vorerst auf fünf Jahre angelegt. Im Zuge der Investorenvereinbarung gehe es um eine Mindesthaltedauer über diesen Zeitraum, sagte ein KKR-Sprecher der Agentur Reuters. Im Schnitt dauerten die Engagements des Investors bei Unternehmen fünf bis sieben Jahre.

KKR will zusammen mit Großaktionärin Friede Springer und dem Vorstandschef Mathias Döpfner die Gesellschaft kontrollieren. Die Familie des "Bild"-Gründers Axel Springer hält eine Mehrheit an dem im M-Dax börsennotierten Unternehmen, zu dem unter anderem auch die "Welt" gehört. Die Witwe des Verlagsgründers, Friede Springer, kontrolliert den Medienkonzern, der zuletzt das Digitalgeschäft stark ausgebaut hat. 37,5 Prozent hält sie über die Axel Springer Gesellschaft für Publizistik. Dazu kommt ein direkt gehaltener Anteil von 5,1 Prozent. Ihr Vertrauter Döpfner selbst hält 2,8 Prozent. Zusammen sind Friede Springer und Döpfner mit 45,4 Prozent beteiligt.

"Axel Springer profitiert von einem neuem strategischen und finanziellen Partner, der das langfristige Wachstum und die Investitionsstrategie unterstützt", hieß es in der Pressemitteilung angesichts des Übernahmeangebots. Wegen der Investitionen in das künftige Wachstum senkte Springer am Mittwoch allerdings seine Umsatz- und Gewinnprognosen für das laufende Jahr.

Springer rechnet mit Ergebnisrückgang

Beim Jahresumsatz geht der Konzern von einem Rückgang im niedrigen einstelligen Prozentbereich aus, nachdem zuvor ein Erlös auf Vorjahresniveau in Aussicht gestellt wurde, wie Axel Springer mitteilte. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) dürfte nun im mittleren einstelligen Prozentbereich sinken, statt auf Vorjahresniveau zu bleiben. Zudem werde die Wachstumsstrategie 2020 zu einem deutlichen Rückgang des operativen Ergebnisses gegenüber dem laufenden Jahr führen, erst in den Jahren danach erwartet das Management Besserung.

An den in seiner Strategie vorgesehenen Investitionen halte der Konzern trotz schwächerer wirtschaftlicher Rahmenbedingungen fest, hieß es zur Begründung. Außerdem schlage die zwischenzeitlich in Frankreich verabschiedete Digitalsteuer zu Buche. In dem in den vergangenen Jahren stark ausgebauten Digitalgeschäft kommen die Belastungen zum Tragen. Dort dürfte der Umsatz im günstigen Fall nur noch im niedrigen statt im mittleren einstelligen Prozentbereich zulegen. Auch das operative Ergebnis dürfte im mittleren einstelligen Prozentbereich sinken statt stabil zu bleiben.

Springer setzt aufs Digitalgeschäft

Springer versucht, mit Online-Nachrichtenangeboten die schwächelnde Entwicklung bei Printmedien auszugleichen. Der Bereich mit Produkten wie "Business Insider" und dem Jobportal Stepstone erwirtschaftete im vergangenen Jahr bereits 71 Prozent der Umsätze.

KKR hat bereits Erfahrung im deutschen Mediensektor. Von 2006 bis 2013 war die Beteiligungsfirma an der Fernsehsenderkette ProSiebenSat.1 beteiligt und stieg mit Gewinn wieder aus. Zusammen mit dem Medienmanager Fred Kogel baut KKR seit Anfang des Jahres zudem rund um Tele München eine unabhängige Fernseh- und Film-Produktions- und Vertriebsfirma in Deutschland auf.

mmq/Reuters/dpa
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