Klage gegen Ex-Arcandor-Chef Insolvenzverwalter will Millionen von Middelhoff

Überzogene Bonuszahlung, privates Geburtstagsgeschenk auf Firmenkosten, falsche Abrechnung von Privatjet-Flügen - die Liste der Vorwürfe gegen Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff ist lang. Der Insolvenzverwalter des Pleitekonzerns fordert nach SPIEGEL-Informationen nun Schadensersatz.

Thomas Middelhoff: Sicher, dass "Sachvortrag lückenlos widerlegt wird"
dapd

Thomas Middelhoff: Sicher, dass "Sachvortrag lückenlos widerlegt wird"


Hamburg - Das könnte für Thomas Middelhoff teuer werden: Der Insolvenzverwalter der Arcandor AG, Klaus Hubert Görg, hat beim Landgericht Essen nach SPIEGEL-Informationen eine Schadensersatzklage gegen den ehemaligen Arcandor-Chef eingereicht. Sie richtet sich auch gegen fünf Ex-Vorstände und zwei frühere Aufsichtsratsvorsitzende.

Ihnen wird unter anderem vorgeworfen, weit überzogene Bonuszahlungen und Abfindungen kassiert oder bewilligt zu haben. Fast 24 Millionen Euro will Görg von den Beschuldigten zurückholen. 15,9 Millionen verlangt er allein von Middelhoff.

So hatte Middelhoff für das Geschäftsjahr 2007/08, als der Konzern 746 Millionen Euro Verlust machte, einen Sonderbonus von mehr als zwei Millionen Euro kassiert - für "seinen strategischen Weitblick und die mutigen Entscheidungen in den Jahren 2005 bis 2008", wie es in der Begründung des Aufsichtsrats hieß. Eine Rechtfertigung, die Insolvenzverwalter Görg "aberwitzig" findet. Dass Middelhoff sich "wie ein Gutsherr" aufgeführt habe, dafür glaubt Görg genügend Belege gefunden zu haben.

Middelhoff will sich nicht äußern

So bezahlte die Arcandor AG netto 150.189,55 Euro für eine von Middelhoff herausgegebene Festschrift zum 70. Geburtstag des ehemaligen Bertelsmann-Chefs Mark Wössner. Dabei handelte es sich nach Angaben des Insolvenzverwalters um ein rein privates Geburtstagsgeschenk ohne Bezug zur Firma Arcandor.

In einem anderen Fall soll Middelhoff 2005 einen Flug mit einem Privatjet nach Kanada und zurück über die Arcandor AG abgerechnet haben. Tatsächlich sei er aber für seinen früheren Arbeitgeber, die Londoner Investmentfirma InvestCorp., unterwegs gewesen.

Der ehemalige Arcandor-Vorstandsvorsitzende wollte zu den Vorwürfen im Einzelnen nichts sagen. Sein Anwalt Hartmut Fromm teilte mit, man könne die Informationswünsche des SPIEGEL "im jetzigen Stadium nicht erfüllen". Erst wolle man die Klageerwiderung ans Gericht schicken. Er sei sich jedoch sicher, dass Görgs "Sachvortrag lückenlos widerlegt wird".



insgesamt 39 Beiträge
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hansulrich47 19.02.2011
1. Mal sehen ...
ob Gerichte das auch so sehen. Herr M. und seine Kollegen leben in einer anderen, abgehobenen Welt, die werden nicht nachvollziehen können, was uns Fußvolk aufstösst!
Benjowi 19.02.2011
2. Tolles "Spitzenmanagement"
So sieht also das tolle "Spitzenmanagement" in Deutschland aus, wenn man hinter die Kulissen blickt! Die ganze Zeit liegt diese Schickeria den Leuten in den Ohren, die exorbitanten Gehälter im oberen Managementbereich seien notwendig, weil man die "Besten" brauche und sie daher so gut bezahlen müsse. Wenn man die Ergebnisse in vielen Bereichen anschaut, sieht es eher so aus, als ob man auf die "Besten" besser verzichtet hätte. Damit hätte man sich die Gehälter sparen können und riesige Verluste wohl vermieden!
kuschl 19.02.2011
3. Unfähiger Egomane
Zitat von sysopÜberzogene*Bonunszahlung,*privates Geburtstagsgeschenk auf Firmenkosten, falsche Abrechnung von Privatjet-Flügen*- die Liste der Vorwürfe gegen*Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff ist lang. Der Insolvenzverwalter des Pleitekonzerns*fordert*nach SPIEGEL-Informationen nun Schadensersatz. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,746520,00.html
Wahrscheinlich geht die Sache wieder aus wie das Hornberger Schiessen,aber es wäre an der Zeit,solche unfähigen Manager zur Kasse zu bitten.Herr M. war durch seine Unfähigkeit und seinen narzisstischen Egoismus maßgeblich an der Insolvenz des Karstadtkonzerns beteiligt.
sir-wilfried 19.02.2011
4. na endlich
Zitat von sysopÜberzogene*Bonunszahlung,*privates Geburtstagsgeschenk auf Firmenkosten, falsche Abrechnung von Privatjet-Flügen*- die Liste der Vorwürfe gegen*Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff ist lang. Der Insolvenzverwalter des Pleitekonzerns*fordert*nach SPIEGEL-Informationen nun Schadensersatz. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,746520,00.html
Na endlich kommt Bewegung in die Angelegenheit. Eine Firma, die solches Führungspersonal hat, braucht keine Konkurrenz mehr.
Ollie_ 19.02.2011
5.
Ich hoffe, dass wenn an den Vorwürfen etwas dran ist, dieses durch ein ordentliches Gerichtsverfahren bestätigt wird und diese Herren, die sich am Vermögen anderer schadlos gehalten haben, auch verurteilt werden. Aber wahrscheinlich wird es dazu nicht kommen, sondern es wird mal wieder gedealt und Middelhoff kann sich freikaufen.
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