Digitalbank-Chef im Interview Wird es in zehn Jahren noch Bargeld geben?

Klarna-Chef Sebastian Siemiatkowski erklärt, warum die schwedische Digitalbank eine große Dependance in Berlin eröffnet, obwohl die Deutschen Scheine und Münzen lieben.
Ein Interview von Martin Hesse
Klarna ist mit einer Bewertung von 5,5 Milliarden Dollar das wertvollste europäische Fintech-Start-up

Klarna ist mit einer Bewertung von 5,5 Milliarden Dollar das wertvollste europäische Fintech-Start-up

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Georg Wendt/ picture alliance/dpa

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Sebastian Siemiatkowski empfängt auf der Baustelle des neuen Klarna-Büros in Berlin-Mitte. Der Blick aus dem mit Folie verklebten Fenster geht auf die Charité, drinnen ist manches noch Rohbau, immerhin sind schon ein paar Dutzend Bürostühle angeliefert worden. Es gibt Fast-Food-Salat aus Pappschachteln, und der Gründer des schwedischen Zahlungsabwicklers erklärt, warum er ausgerechnet in Berlin eine teure Niederlassung für bis zu 500 Mitarbeiter hinstellt. Stockholm? Total überhitzt. San Francisco? Sei mit seinen gigantischen Tech-Konzernen ein brutaler Ort geworden. In Berlin spüre er noch immer diesen "buzz", eine positive Stimmung und einen kreativen Mix aus neuer Kunst, Politik und Start-ups. Berlin sei der beste Ort, um zu wachsen.

Zur Person
Foto: Bloomberg/ Bloomberg via Getty Images

Sebastian Siemiatkowski, 38, war Mitte 20, noch Student an der Stockholm School of Economics und jobbte bei Burger King, als er mit zwei Kommilitonen die Idee eines europäischen Wettbewerbers für PayPal entwickelte. Als die drei ihr Konzept bei einem Start-up-Pitch präsentierten, fielen sie damit durch. "Keine Chance, das können die etablierten Banken selbst", war der Tenor der Jury. Siemiatkowski, Schwede mit polnischen Wurzeln, ließ sich nicht beirren, zusammen mit Niklas Adalberth und Victor Jacobsson gründete er 2005 Klarna. Heute gilt die Firma mit rund fünf Milliarden Euro als wertvollstes nicht börsennotiertes Finanz-Start-up Europas, hat über 80 Millionen Kunden und knapp 3000 Mitarbeiter. Seit der Übernahme von Sofortüberweisung und Billpay ist Deutschland für Klarna der größte Markt. Siemiatkowski, Vater von drei Kindern, führt das Unternehmen mittlerweile allein, seine Mitgründer haben Klarna verlassen.

SPIEGEL: Kennen Sie die deutsche Redensart "Nur Bares ist Wahres"?

Siemiatkowski: Ehrlich gesagt nicht.

SPIEGEL: Es heißt so viel wie "cash is king". Sie werben mit dem Gegenteil: "cash is not king". Wollen Sie die Deutschen damit provozieren?

Siemiatkowski: Ich habe eine Menge Respekt vor Leuten, die lieber bar zahlen, und verstehe die Bedenken mit Blick auf den Datenschutz. Viele Ältere haben verständlicherweise keine Lust, neue Bezahlmethoden zu nutzen, mit denen sie sich nicht wohlfühlen.

SPIEGEL: Spüren Sie, dass die Leute hier eine andere Einstellung zu Geld haben als in Ihrem Heimatmarkt Schweden?

Siemiatkowski: Ja, es gibt kulturelle Unterschiede. Ich habe in Schweden seit zehn Jahren kein Bargeld mehr gesehen. Sogar Bettler akzeptieren teils digitale Spenden. Die Königliche Technische Hochschule in Stockholm hat vorausgesagt, dass die schwedische Wirtschaft 2023 komplett bargeldlos laufen wird.

SPIEGEL: Warum sind die Schweden da offener als die Deutschen?

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