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25. Juli 2016, 15:07 Uhr

Niedrigzinsphase

Kleinere Banken müssen sich neuem Stresstest stellen

Wie wirken sich die ultraniedrigen Zinsen auf die Gewinne der kleinen Banken aus? Das untersucht nun erneut die Bundesbank bei 1500 Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken.

Nach dem umfassenden Stresstest für Großbanken in Europa müssen sich auch kleinere deutsche Institute auf einen abgespeckten Belastungstest einstellen.

In einem Stresstest müssen Geldhäuser beweisen, dass sie auch unter widrigen Umständen - Wirtschaftseinbruch und Absturz der Immobilienpreise - ausreichend Kapital haben, um ihr Geschäft fortzuführen. Derzeit macht die Niedrigzinsphase den Banken zu schaffen. Deswegen fällt es den Geldhäusern zunehmend schwer, im angestammten Kreditgeschäft auskömmliche Erträge zu erwirtschaften.

Die Umfrage unter den kleineren Banken ist die zweite ihrer Art und zielt auf die rund 1500 Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken sowie kleinere Privatbanken. Die Ergebnisse sollen im zweiten Halbjahr 2017 veröffentlicht werden.

"Widerstandskraft der Banken stärken"

Die Untersuchung hat die Bundesbank zusammen mit der Finanzaufsicht BaFin initiiert. "Wir wollen damit die Widerstandskraft der Banken und Sparkassen im Niedrigzinsumfeld überprüfen", sagte Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret.

"Das deutsche Bankenwesen ist besonders vom Zinsergebnis abhängig, denn die Niedrigzinsphase trifft eine bankbasierte Volkswirtschaft überdurchschnittlich", sagte Dombret. "Aus bankaufsichtlicher Sicht ist die Tatsache, dass das Bankgeschäft aktuell und auch mit Blick in die Zukunft wenig profitabel ist, ein beträchtliches Risiko".

In der ersten Untersuchung im September 2015 gingen die untersuchten Banken im Schnitt von einem Gewinnrückgang vor Steuern um ein Viertel bis 2019 aus. Die meisten Institute hätten zwar mittlerweile genügend Polster, um die Herausforderungen der Niedrigzinsphase meistern zu können, teilten damals die Aufseher mit. Doch wenn die Zinsen noch weiter sänken, drohten den Banken sogar Einbußen von 50 bis 75 Prozent.

Im Gegensatz zu den kleineren Banken werden die Großbanken inzwischen von der Europäischen Zentralbank (EZB) beaufsichtigt. Diese Banken sind in den vergangenen Monaten untersucht worden und bekommen am kommenden Freitag die Ergebnisse ihres Stresstests. Ein Niedrigzins-Szenario ist dabei nicht enthalten, was bei vielen Bankern und Experten auf Unverständnis stößt. Die Leitzinsen im Euro-Raum liegen auf einem Rekordtief von 0,0 Prozent. Zudem müssen Banken Strafzinsen bezahlen, wenn sie über Nacht bei der EZB Geld parken.

msc/dpa/Reuters

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