Mehr Klima und Artenschutz Regierungsberater fordern anderen Umgang mit Böden

Größere Schutzgebiete, weniger Fleischkonsum, mehr ökologische Landwirtschaft fordert ein Expertenrat der Bundesregierung. Der Staat solle eine "Planetary Health Diet" zum Grundsatz erklären.
Mitarbeiter einer Agrargenossenschaft vor einem Weizenfeld

Mitarbeiter einer Agrargenossenschaft vor einem Weizenfeld

Foto: Patrick Pleul/ picture alliance/dpa

Eine grundlegende Änderung der Landnutzung in Deutschland hat der Wissenschaftliche Beirat Globale Umweltveränderungen (WBGU) angemahnt. "Nur wenn sich unser Umgang mit Land grundlegend ändert, können die Klimaschutzziele erreicht, der dramatische Verlust der biologischen Vielfalt abgewendet und das globale Ernährungssystem nachhaltig gestaltet werden", heißt es im aktuellen Gutachten des Beratergremiums der Bundesregierung. Das bedeute: mehr Öko-Landbau, weniger Fleisch, große Schutzgebiete, um den Klima- und Artenschutz zu fördern.

Der Staat solle eine Ernährungsweise empfehlen, die die "Gesundheit" des Planeten erhalte, teilte der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen mit. Zum Thema Landnutzung haben die Fachleute ein Gutachten für Forschungsministerin Anja Karliczek (CDU) und Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) verfasst.

Nahrungsmittelpreise sollen Kosten der Ökozerstörung widerspiegeln

Darin empfehlen sie auch, die "Planetary Health Diet". Wie das Bundeszentrum für Ernährung erklärt, würde das bedeuten, weltweit den Konsum von Obst und Gemüse, Hülsenfrüchten und Nüssen ungefähr zu verdoppeln und den Verzehr von Fleisch und Zucker zu halbieren. Die Kosten durch die Zerstörung der Ökosysteme müssten "möglichst vollständig in die Preise für Nahrungsmittel einfließen". Eine Orientierung an der "Planetary Health Diet" solle als Grundsatz in Ernährungsleitlinien verankert und auch seitens der Bundesregierung empfohlen werden.

Zum notwendigen Umsteuern in der Landnutzung gehöre, Wälder, Feuchtgebiete und Graslandschaften wieder herzustellen, um Lebensräume zu schaffen und der Atmosphäre zugleich Treibhausgase zu entziehen, erläutert das Beratergremium. 30 Prozent der weltweiten Landfläche sollten Schutzgebiete werden, und für diese sollten internationale Qualitätskriterien gelten.

Zudem pocht das Expertengremium darauf, Landwirtschaft zu fördern, die "auf Vielfalt" beruhe – in der EU bedeute das etwa eine "Abkehr von der industriellen Landwirtschaft" und eine "umfassende Ökologisierung". Das fördere gleichzeitig Ernährungssicherung, Klimaschutz und den Erhalt der Artenvielfalt.

Derzeit erlebe die Biodiversität weltweit "ein dramatisches, durch den Menschen verursachtes Massenaussterben". Damit nehme aber auch die Fähigkeit der Ökosysteme erheblich ab, zu Klimaregulierung und Ernährungssicherung beizutragen.

Neuer Ansatz für Agrarsubventionen gefordert

Zugleich zerstöre die bislang vorwiegend praktizierte industrielle Landwirtschaft nicht nur natürliche Lebensgrundlagen, sondern gefährde auch durch Über- und Fehlkonsum von Nahrung die Gesundheit vieler Menschen während zugleich andere Hunger leiden. Als Ausweg empfehlen die Experten eine "umfassende Ökologisierung" des Agrarsektors. Statt flächenbasierter Direktzahlungen an Landwirte, wie sie besonders in der EU üblich sind, sollten "Agrarsubventionen immer an ökologische Verbesserungen geknüpft werden".

In den Industrieländern sollte der Verzehr von Tierprodukten reduziert werden. Außerdem biete das Bauen mit Holz Möglichkeiten, langfristig Kohlenstoff zu speichern – das Holz müsse aber aus standortgerechter, nachhaltiger Waldwirtschaft stammen.

"Land ist ein globales Gemeingut: Die Menschheit muss Gestaltungsverantwortung für das Land übernehmen, um Klimaschutz, Biodiversitätserhaltung und Ernährungssicherung zu ermöglichen, und diese national umsetzen sowie international durchsetzen", heißt es in dem Papier. Ein Instrument dafür könnten neue "globale Bewahrungsgemeinschaften" von Staaten oder auch anderen Akteuren auf internationaler Ebene sein.

kig/dpa/afp
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