Konferenz in Katowice Finanzkonzerne wollen Regierungen zu mehr Klimaschutz zwingen

Der CO2-Ausstoß steigt, obwohl die Staatengemeinschaft das Gegenteil gelobte. Nun fordern milliardenschwere Finanzkonzerne das Aus für Kohlekraftwerke und höhere Abgaben auf Treibhausgase - aus Eigennutz.

Mehr als 400 internationale Großinvestoren rebellieren gegen die unzureichenden Maßnahmen von Regierungen weltweit gegen den Klimawandel - und fordern sie zu entschlossenem Handeln auf. Derzeit verhandeln mehr als 190 Staaten auf der UN-Klimakonferenz im polnischen Katowice über die Durchführung des 2015 vereinbarten Weltklimavertrags von Paris.

"Wir sind besorgt, dass die Umsetzung des Paris-Abkommens nicht weit genug geht, um das vereinbarte Ziel zu erreichen, den Anstieg der weltweiten Durchschnittstemperatur deutlich unter zwei Grad Celsius zu halten", heißt es in einem gemeinsamen Aufruf  von 415 Großbanken, Pensionsfonds, Lebensversicherern, Vermögensverwaltern und anderen milliardenschweren Anlegern an die Politiker.

Zu den Unterzeichnern gehören einige der größten Finanzhäuser der Welt: etwa die Allianz, Vermögensverwaltungstöchter von Großbanken wie der Deutschen Bank, BNP Paribas, UBS, HSBC sowie die Pensionsfonds ABP und PGGM. Zusammen legen diese Finanzkonzerne Gelder in Höhe von 32 Billionen - also 32.000 Milliarden - Dollar an. Entsprechend groß ist ihre Macht: Sie könnten Staaten wie auch Unternehmen das dringend benötigte Kapital entziehen.

Emissionen auf Rekordhoch

Die Konzerne fordern die Abschaltung von Kohlekraftwerken, das Ende der Subventionierung fossiler Brennstoffe sowie die Einführung eines "bedeutenden" Preises für den Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2). Zwischen den Zielen von Paris einerseits und den bisherigen Zusagen der Staaten zur Emissionsminderung andererseits klaffe eine Lücke, warnen die 415 Investoren. Diese würde "zu einem inakzeptabel hohen Temperaturanstieg" führen, der "substanzielle negative wirtschaftliche Folgen" hätte.

Der Aufruf zeigt, dass zumindest Teile der Wirtschaft beim Klimaschutz mittlerweile entschlossener sind als die Politik. Im Pariser Abkommen hatte die Staatengemeinschaft vor drei Jahren gelobt, den Anstieg der Durchschnittstemperaturen auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen, wenn möglich auf unter 1,5 Grad. Doch die Emissionen weltweit sind seither weiter gestiegen - auf ein Rekordhoch.

Uno-Klimakonferenz in Katowice
Foto: Getty Images/iStockphoto

Uno-Klimagipfel in Katowice

Nur 17 Länder weltweit erfüllen laut Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) die in Paris vereinbarten Etappenziele. Auch Deutschland hinkt seinen eigenen Klimaschutzvorgaben hinterher. Und selbst wenn alle Regierungen ihre Versprechungen von 2015 einlösen würden, liefe das auf einen Temperaturanstieg von mindestens 3,2 Grad hinaus.

Schaden von 23 Billionen Dollar droht

Die Regierungen müssten ihre nationalen Klimabeträge erhöhen und aktiv die globale Wende zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft befördern, verlangen die Großinvestoren. Ihre Forderungen unter anderem nach einem Aus für Kohlemeiler und einer Verteuerung fossiler Brennstoffe decken sich weitgehend mit denen von Wissenschaftlern und der Internationalen Energieagentur.

Dass sich die Finanzriesen so um den Klimaschutz sorgen, entspringt nicht in erster Linie altruistischen oder moralischen Motiven - sondern vor allem ökonomischen:

  • Erstens fürchten die Kapitalgeber, die globale Erwärmung könnte auch der Weltwirtschaft verheerend schaden.
  • Zweitens hoffen sie auf Milliardengeschäfte durch eine globale Energiewende, die viel Kapital benötigen würde.
  • Drittens können sie für ihre Investitionen nichts weniger gebrauchen als die Verunsicherung, die in der internationalen Klimapolitik herrscht - hauptsächlich durch die Aufkündigung des Paris-Abkommens durch US-Präsident Donald Trump und die Wahl des Rechtspopulisten Jair Bolsonaro zum brasilianischen Staatschef.

Ohne eine grundlegende politische Veränderung könne es einen langfristigen Temperaturanstieg von rund vier Grad geben, warnt der britische Vermögensverwalter Schroders, der den Appell mitträgt. Dies könne zu weltweiten wirtschaftlichen Einbußen in Höhe von 23.000 Milliarden Dollar führen.

Zum Vergleich: Diese Verluste wären mindestens dreimal so hoch wie der Schaden durch die globale Finanzkrise von 2008.