Klimaneutrale Schiffe Habeck sieht eine Zukunft für deutsche Werften

Die MV Werften haben Insolvenzantrag gestellt. Wirtschaftsminister Habeck wittert dennoch eine Chance für die Schiffbauer in Deutschland – trotz Klimawandel.
»Global Dream« der MV Werften

»Global Dream« der MV Werften

Foto: GREGOR FISCHER / AFP

Trotz der jüngsten Insolvenz der MV-Gruppe in Mecklenburg-Vorpommern glaubt Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck nach eigenen Angaben an eine Zukunft für die Werften im Land.

»Wir haben eine gute Chance, mit innovativen Konzepten die Werften in Deutschland zu halten«, sagte der Grünenpolitiker im Anschluss an ein Gespräch mit seinem Landeskollegen Reinhard Meyer (SPD) in Mecklenburg-Vorpommerns Hauptstadt Schwerin.

Bezüglich der insolventen MV-Gruppe, deren Werft in Wismar er später noch besuchen wolle, sieht Habeck die Gründung einer Transfergesellschaft als vordringlichstes Ziel, um den Beschäftigten weiterhin Lohn – über das Insolvenzgeld hinaus – zukommen zu lassen.

Kurz vor dem Besuch im Nordosten hatte der Minister bereits verlauten lassen, er sehe im Zuge des Kampfes gegen den Klimawandel eine Chance für die insolventen MV Werften. »Bund und Land können unterstützen, aber es wird nur gehen, wenn auch Unternehmen bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.«

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Die Modernisierung der weltweiten Flotten auf dem Weg hin zur Klimaneutralität sowie der Offshore-Plattformbau böten Möglichkeiten, sagte Habeck. »Es gibt einen enormen Bedarf für Konverterstationen, und wir sollten ein gemeinsames Interesse haben, hier über einen deutschen Anbieter zu verfügen.«

»Es geht um Arbeitsplätze, aber auch um Tradition, Identität und Stolz«

Während seines Werftbesuchs will Habeck mit dem Insolvenzverwalter darüber sprechen, ob und wie der Weiterbau des riesigen Kreuzfahrtschiffs »Global One« finanziert werden kann. Der frühere Mutterkonzern Genting Hong Kong hatte es für den asiatischen Markt bestellt.

Wismar ist nur einer von drei Werftstandorten an der Ostsee, deren Zukunft nach der Insolvenz der zum asiatischen Genting-Konzern gehörenden MV Werften akut gefährdet ist.

Als Auslöser der Krise gilt die Coronapandemie, in deren Folge der Kreuzfahrttourismus, eine der Haupteinnahmequellen von Genting Hongkong, weltweit zum Erliegen kam. Weil Gentings Liquidität nicht mehr ausreichte, sprangen Bund und Land zunächst mit Krediten und Bürgschaften ein, zogen zu Beginn dieses Jahres aber die Notbremse.

Bund und Land hätten in den vergangenen Monaten alle Anstrengungen unternommen, um eine Insolvenz der MV Werften abzuwenden, sagte Habeck. Es sei sehr bedauerlich, dass die Gesellschafter am Ende nicht bereit waren, diesen Weg mitzugehen und ihren Beitrag zu leisten. »Gerade als Flensburger, der in einer Werftenstadt lebt, weiß ich, wie hoch die Bedeutung der Werften ist: Es geht um Arbeitsplätze, aber auch um Tradition, Identität und Stolz.«

Auf seiner Mecklenburg-Vorpommern-Reise äußerte Habeck sich auch zum Ausbau der erneuerbaren Energien. Das nordöstliche Bundesland bezeichnete er als idealen Standort. Wenn es gelinge, Wertschöpfung und Arbeitsplätze an den Standorten zu halten und voranzubringen, könne die Energiewende die Struktur im ländlichen Raum stärken, so der Bundesminister.

Habeck plädierte zugleich dafür, die Abhängigkeit vom Gas als Energieträger nicht weiter zu erhöhen. Es sei ein inakzeptabler Zustand, »dass Deutschland, die Bundesregierung, die öffentliche Hand überhaupt keine Möglichkeiten hat, die Versorgungssicherheit im Gasbereich zu gewährleisten«, sagte er. Dies müsse sich ändern – gegebenenfalls auch durch die Unterstützung des Baus von Flüssigerdgas-Terminals. Diese sind besonders innerhalb der Grünen umstritten.

Für den Fall eines Krieges in der Ukraine wiederholte Habeck die Position der Bundesregierung, dass unter anderem auch die Genehmigung für die russische Erdgaspipeline Nord Stream 2 zur Disposition stehe. »Sollte es einen Krieg geben, wird es wirtschaftliche Sanktionen geben, die scharf sein werden. Diese schließen nichts aus«, sagte Habeck. Die Genehmigung könne »auch vor dem Hintergrund von geopolitischen Verwerfungen betrachtet werden«.

apr/dpa/AFP