Bahn bejubelt Klimapaket "Größtes Wachstumsprogramm in 180 Jahren Bahngeschichte"

Ganz Deutschland mault über das Klimapaket. Ganz Deutschland? Nein, ein Konzern kennt 20 Milliarden Gründe, sich darüber zu freuen.

DPA

Die Deutsche Bahn hat die Beschlüsse des Klimakabinetts als "hervorragende Nachrichten für die Eisenbahn in Deutschland und ihre Kunden" begrüßt. Nach ersten Konzern-Schätzungen führten die Pläne dazu, dass die Bundesregierung den Bahnsektor "zusätzlich mit mehr als 20 Milliarden Euro bis zum Jahr 2030" fördere, sagte Bahnchef Richard Lutz.

Es handele sich um "großartige Nachrichten" und um "das größte Investitions- und Wachstumsprogramm in der über 180-jährigen Bahngeschichte", so Lutz. Den Beschlüssen des Klimakabinetts zufolge erhält die Bahn demnach von 2020 bis 2030 zusätzliches Eigenkapital von einer Milliarde Euro pro Jahr. Bis Ende 2030 sind dies zusammen elf Milliarden Euro, die in die Modernisierung und den Ausbau des Bahnsystems fließen sollen.

Super-Sparpreis bald ab 13,40 Euro?

Zudem soll der Mehrwertsteuersatz für Fernverkehrstickets von derzeit 19 auf sieben Prozent sinken - Bahnfahren wird dadurch im Fernverkehr um zehn Prozent günstiger. Laut Bahn werden beispielsweise Super-Sparpreise künftig ab 17,90 Euro statt derzeit 19,90 Euro zu haben sein. Mit Bahn-Card-Rabatt sind es 13,40 Euro. Das wäre laut Bahnangaben der niedrigste reguläre Einstiegspreis seit der Bahnreform im Jahre 1994.

Darüber hinaus verwies die Bahn auf die deutliche Erhöhung der Bundesmittel für den Öffentlichen Personennahverkehr. Über die bereits im Koalitionsvertrag verankerte Erhöhung der Bundesmittel nach dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) auf eine Milliarde Euro jährlich ab 2021 beabsichtige die Bundesregierung, die Mittel ab 2025 auf zwei Milliarden Euro pro Jahr zu erhöhen.

Davon komme ein großer Teil dem Ausbau der Nahverkehrssysteme und der entsprechenden Schieneninfrastruktur in den Metropolregionen zugute, erklärte die Bahn. Zudem hätten sich die Spitzen der Bundesregierung darauf verständigt, den Güterverkehr auf der Schiene zu stärken und somit diese Transporte schneller und attraktiver zu machen.

Kommentar zum Klimapaket: So viel Lenkungswirkung wie ein Betrunkener

beb/afp



insgesamt 89 Beiträge
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Seite 1
dachristoph 22.09.2019
1. Ich hänge
mich jetzt mal weit aus dem Fenster und sage, es wurde auch Zeit. Viel zu lange schon ist Deutschland nur Autoland, vielleicht ist das der Beginn eines Umdenkens. Wertschätzung hat die Bahn die letzten 30 Jahre keine bekommen. Doch wir sollten damit anfangen..
maniak 22.09.2019
2. Keine Verbesserung
Weg mit den Sparpreisen und den Bahncards. Was nützt es mir, für 5 Euro billiger zu fahren, wenn ich Wochen vorher buchen muss und meine Fahrkarte verfällt wenn ich dann nicht fahren kann. Der Tarifdjungel bleibt bestehen, keiner blickt durch. Wenn ich spontan einen Kranhkenbesuch in Dortmund machen will, zahle ich ohne Bahcard für eine Strecke dann 95 Euro statt 105 ?? Eine Strecke wohlgemerkt. Wo soll denn da die Verbesserung sein? Die Bahn wird weiter davon leben dass das Leben ihre Kunden unvorhersehbar ist und sie dann, wenn es die Kunden gar nicht gebrauchen können, auszunehmen wie eine Weihnachtsgans. Die Preise sollten richtig runtergesetzt werden. Mindesten 50 % im Fernverkehr. So lange das nicht der Fall ist fahre ich weiterhin mit Flixtrain. Da ist es dann, wenn man spontan fahren muss, dann wirklich weniger als die Hälfte der deutschen Bahn und bei Stornierung bleibt sogar noch das Geld erhalten als Gutschrift. Ich werde mich also weiterhin über die deutsche Bahn ärgern. Ach ja warum interessiert das kaum eine Partei? Weil diese Leute entweder kein Zug fahren oder aber vom Staat subventioniert werden.
1435mm 22.09.2019
3. Na hoffentlich..
.. kommt es nicht nur zur Senkung des Fahrpreises sondern zu einer umfassenden Sanierung und einem Ausbau der Infrastruktur. Ich denke mehr Pünktlichkeit, flexiblere Kompensation von Ausfällen -zum Beispiel- wäre der richtige Schritt die Gelder einzusetzen.
molinella65 22.09.2019
4. Keine Antworten...
Es ist ja schön, das sich die Deutsche Bahn sich freut. Allerdings müsste sie mal erklären - wie sie die zusätzliches Passagiere transportieren will, ohne die Infrastruktur substantiell zu erweitern. Die meisten Bahnhöfe wie bspl. Frankfurt/Main HBF sind jetzt schon überlastet, s o dass es kaum sinnvoil erscheint Züge zu verlängern oder neue Züge anzuschaffen, die im Eingangsbereich des HBF warten müssen bis sie einfahren können. In vielen Ländern wie zum Beispiel Italien hat man sowohl neue Schienen wie auch neue Bahnhöfe gebaut, um ein Passagiersteigerung zu ermöglichen. Die jetzigen Baumassnahmen sind reine Sanierungsmassnahmen für den Status quo und die Digitalisierung der Strecke soll auch nur eine Steigerung von 30% bringen - und liegt damit hinter dem avisierten Zeil weit zurück. Und schließlich warum kommt die Bundesregierung nicht auf die Idee Schiene und Betrieb zu trennen, so dass einerseits die Infrastruktur unabhängig von der Wirrungen in der DB weiterentwickelt werden kann und andererseits echte Konkurrenz auf der Schiene möglich wären. Dann bräuchte man keine Steuerannimierte Preissenkung der Bahn Tickets, sondern das würde, wie andere Länder zeigen, schon von selbst geschehen. Und der Komfort (wo die Bahn sich im Augenblick nicht entscheiden kann ob sie ihn mit "C" oder mit "K" schreiben soll) für die Kunden würde steigen,
marinero7 22.09.2019
5. Kunststück
Kunststück, denn davor gab es das größte Schrumpfungsprogramm, insbesondere in der Infrastruktur, in der 180-jährigen Geschichte. Wieviel Bahnhöfe wurden geschlossen bzw. haben keinen Fahrkartenverkauf mehr, wieviel Weichen wurden ausgebaut und wieviel Nebenstrecken, Ausweichstrecken, Gleisanschlüsse von Firmen stillgelegt?
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