Tierische Klimasünder Umweltbundesamt will Milch und Fleisch höher besteuern

Rinder und Schweine schädigen mit ihren Ausdünstungen das Klima. Das stinkt dem Umweltbundesamt. Dessen Präsidentin fordert ein Ende der ermäßigten Mehrwertsteuer auf tierische Nahrungsmittel.
Rinder auf einer Wiese in Baden-Württemberg

Rinder auf einer Wiese in Baden-Württemberg

Foto: Jan-Philipp Strobel/ dpa

Der Klimaschaden durch die Landwirtschaft ruft das Umweltbundesamt erneut auf den Plan. Nun fordert die Behörde, für den Klimaschutz die bisher ermäßigte Mehrwertsteuer auf Tierprodukte wie Milch und Fleisch anzuheben. Bislang wird auf diese Lebensmittel - ebenso wie auf die meisten anderen Grundnahrungsmittel in Deutschland -, ein Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent erhoben statt der üblichen 19 Prozent.

"Tierische Nahrungsmittel sollten künftig mit den regulären 19 Prozent besteuert werden", sagte die Präsidentin der Behörde, Maria Krautzberger, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Im Gegenzug könnte der Staat die zusätzlichen entstehenden Steuereinnahmen von rund 5,2 Milliarden Euro verwenden, um den ermäßigten Mehrwertsteuersatz von derzeit sieben Prozent noch weiter zu senken."

So könnten laut der Behördenchefin mit den frei werdenden Mitteln zum Beispiel pflanzliche Lebensmittel und öffentliche Verkehrsmittel billiger gemacht werden. Dies schone das Klima und komme den Steuerzahlern unmittelbar zugute, sagte sie.

Wissenschaftler hatten der Bundesregierung bereits zuvor empfohlen, die Mehrwertsteuer auf Fleisch, Wurst, Milch und tierische Produkte zu erhöhen. Dadurch könne der Konsum gesenkt werden und so die Emissionen, hieß es in einem Klimagutachten der Wissenschaftlichen Beiräte.

Schon länger mahnt das Umweltbundesamt, dass die Landwirtschaft in Deutschland maßgeblich zur Emission klimaschädlicher Gase beiträgt. Vor allem Methan, das durch die Ausdünstungen der Tiere entsteht, die Verunreinigung der Böden durch Dünger und die Emission von Lachgas aufgrund der Stickstoffdüngung werden von dem Amt angeprangert.

Die Produktion von einem Kilogramm Rindfleisch beispielsweise verursache nach Angaben des Amts zwischen 7 und 28 Kilogramm Treibhausgasemissionen - Obst oder Gemüse dagegen liegen demnach bei weniger als einem Kilogramm. 2014 stammten laut einer Berechnung des Amts rund 58 Prozent der gesamten Methan-Emissionen und 79 Prozent der Lachgas-Emissionen in Deutschland aus der Landwirtschaft .

Mit dem Vorschlag greift das Umweltbundesamt zugleich eine verzwickte Thematik auf. Denn der ermäßigte Steuersatz, der von seinen Gründern dazu gedacht war, Geringverdienern den Zugang zu Lebensmitteln, Medien, öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem kulturellen Leben zu sichern, ist längst zu einem unüberschaubaren Dickicht an Ausnahmen mutiert. So werden auch Schnittblumen, Dünger oder Holz ermäßigt besteuert, genauso wie Tierfutter, neuerdings auch professionelle Redner und oft selbst Malbücher für Erwachsene. Sojaschnitzel dagegen werden nicht begünstigt.

Viele Experten fordern, endlich mit dem Wirrwarr an Sonderregeln bei der Mehrwertsteuer aufzuräumen. Gäbe es einen einheitlichen Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent, würde der Staat jedes Jahr 20 Milliarden Euro mehr Steuern einnehmen, stellt das Bundesfinanzministerium fest. Ein Ende der Ermäßigungen sehen Wissenschaftler jedoch nicht als sinnvoll an. Die Möglichkeit, durch die Steuer in das Konsumverhalten einzugreifen, bringt viele Vorteile - wenn sie klug genutzt wird.

kig/dpa-AFX
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