Trotz Energiewende Kohlekraftwerke treiben deutschen CO2-Ausstoß

Die Energiewende macht Deutschland bislang nicht grüner: Der Ausstoß des Klimagases CO2 ist trotz wachsendem Ökostromanteil im ersten Halbjahr gestiegen. Die Konzerne lassen ihre Kohlemeiler einfach weiterlaufen - und exportieren überschüssige Elektrizität.
Braunkohlekraftwerk: Günstige Produktion

Braunkohlekraftwerk: Günstige Produktion

Foto: Patrick Pleul/ picture alliance / dpa

Berlin - Trotz Energiewende steigt der deutsche Treibhausgas-Ausstoß. Grund sind die Kohlekraftwerke, die auf Hochtouren laufen, wie Daten des Bundesverbands der Deutschen Energiewirtschaft (BDEW) zeigen. Im ersten Halbjahr hätten Braun- und Steinkohlekraftwerke 12,4 Prozent mehr Strom produziert, heißt es in Dokumenten, die der Nachrichtenagentur Reuters vorliegen.

Kohlestrom ist wegen der stark gesunkenen Preise für CO2-Verschmutzungsrechte derzeit besonders günstig. Es lohnt sich für die Kraftwerksbetreiber oft selbst bei einem Überangebot an Strom nicht, ihre Kohlemeiler herunterzuregeln. Besonders ältere Kraftwerke, die bereits abgeschrieben sind, rentieren sich selbst bei vergleichsweise geringen Strompreisen.

Die Konzerne lassen ihre Kraftwerke auch laufen, um das stetige Sinken ihrer Stromabsätze abzubremsen. Da Ökostrom in den Netzen Vorfahrt hat, werden Atom-, Kohle- und Gaskraftwerke immer weniger Elektrizität los. Hinzu kommt, dass Europas Industrie wegen der Euro-Krise weniger produziert und entsprechend weniger Strom nachfragt.

Der Dauerbetrieb der Altmeiler hat Folgen: Der deutsche Stromexport in andere europäische Länder hat sich im Vergleich zum Vorjahr vervierfacht.

Ein Trend der Energiewende setzt sich damit fort: Der Ausbau der erneuerbaren Energien geht zwar voran - die Reduktion des CO2-Ausstoßes dagegen nicht. Bereits 2012 waren Kohlekraftwerke länger gelaufen, hatten vier Prozent mehr CO2 in die Luft geblasen und damit den Treibhausgas-Ausstoß insgesamt steigen lassen.

"Wir produzieren in Deutschland immer mehr schmutzigen Kohlestrom, der für unsere Energieversorgung gar nicht gebraucht wird", kritisierte Grünen-Vize-Fraktionschefin Bärbel Höhn. Der Anstieg der Kohleverstromung decke sich fast vollständig mit den Zuwächsen beim Stromexport. Klimaschutz werde systematisch vernachlässigt.

Auch vom Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE) kam Kritik. "Die Bundesregierung trägt eine erhebliche Mitschuld, dass sich hocheffiziente Gaskraftwerke derzeit nicht rechnen und sich stattdessen ausgerechnet die schmutzigste aller Erzeugungsarten, nämlich die Verstromung von Braunkohle, wieder richtig lohnt", sagte BEE-Geschäftsführer Hermann Falk. Die schwarz-gelbe Koalition habe die Reform des Emissionshandels in der EU blockiert. CO2-Zertifikate seien so praktisch zum Schnäppchenpreis zu haben, Klimaschutz sei ein Lippenbekenntnis geworden.

ssu/Reuters
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