Testbetrieb beendet Vattenfall bringt Kohlekraftwerk Moorburg ans Netz

Am Samstagabend hat in Hamburg das Kohlekraftwerk Moorburg seinen Testbetrieb beendet und ist ans Netz gegangen. Für Eigner Vattenfall ein Grund zum Feiern - für Klimaschützer hingegen ein im wahren Sinne des Wortes schwarzer Tag.
Kohlekraftwerk Moorburg: Dreckschleuder am Netz

Kohlekraftwerk Moorburg: Dreckschleuder am Netz

Foto: Daniel Reinhardt/ dpa

Hamburg - Das umstrittene Kohlekraftwerk Moorburg in Hamburg hat am späten Samstagabend seinen gewerblichen Betrieb aufgenommen. Nach mehr als einem Jahr Probe- und Testbetrieb erfülle der erste Block des Kraftwerks mit 827 Megawatt Leistung nunmehr die Anforderungen des Netzbetreibers, teilte der Kraftwerksbetreiber Vattenfall in Hamburg mit. Der zweite Block soll im Sommer folgen.

Umweltschützer nannten den kommerziellen Start des Kraftwerks einen "schwarzen Tag für den Klimaschutz". Das Kraftwerk setze pro Jahr acht bis neun Millionen Tonnen klimaschädliches Kohlendioxid frei und laufe damit allen Hamburger Klimaschutzanstrengungen zuwider, heißt es in einer Mitteilung des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND).

Eva Bulling-Schröter, energie- und klimapolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke, kommentierte die Inbetriebnahme des Kohlekraftwerkes Moorburg in Hamburg so: "Dass mit ihrer Zustimmung ausgerechnet die Grünen in Hamburg den Kohlenmeiler mit zu verantworten haben, ist ein Treppenwitz der Energiewende-Geschichte. 2008 erteilte der grün geführte Umweltsenat Moorburg die erforderliche Genehmigung, statt dem Klima wurde die erste schwarz-grüne Koalition auf Länderebene gerettet."

Eine schmutzige Angelegenheit

Die Mehrheit der Deutschen will nach einer repräsentativen Umfrage des Instituts YouGov im Auftrag der Umweltorganisation WWF und des Ökoenergie-Anbieters Lichtblick aus der Kohleverstromung aussteigen.

  • Danach sind 67 Prozent dafür, Kohle auslaufen zu lassen;
  • 19 Prozent wollen sogar alle Kohlemeiler zügig abschalten.
  • Nur 21 Prozent der Bundesbürger seien davon überzeugt, dass Kohle auch in Zukunft für eine sichere Stromversorgung benötigt werde.

Vattenfall erklärte, Moorburg gehöre zu den effizientesten und umweltfreundlichsten Kohlekraftwerken in Europa. Im Vergleich zu älteren Anlagen spare das Kraftwerk rund 2,3 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr. Bulling-Schröter sieht das erwartungsgemäß anders: "Vattenfalls Strategie ist freches Greenwashing. Kohle ist und bleibt die schmutzigste und klimaschädlichste Energieform".

mhe/dpa
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