Energiewende im Vereinigten Königreich Großbritannien kommt eine Woche lang ohne Kohlestrom aus

Die Briten wollen ab 2025 ganz auf Kohlestrom verzichten, in Deutschland dauert der Ausstieg länger. Auf der Insel ist nun eine Woche ohne den fossilen Träger geschafft - doch eine andere umstrittene Energiequelle bleibt wichtig.

Kohlekraftwerk nahe Selby in der englischen Grafschaft North Yorkshire
Simon Dawson/Bloomberg/ Getty Images

Kohlekraftwerk nahe Selby in der englischen Grafschaft North Yorkshire


Seit 137 Jahren wird in Großbritannien Kohle verbrannt, um Strom zu erzeugen. Nun ist das Land zum ersten Mal seit Inbetriebnahme des ersten Kohlekraftwerks 1882 eine Woche lang ohne Kohlestrom ausgekommen.

"Großbritannien hat jetzt offiziell eine ganze Woche ohne Kohle geschafft", schrieb der Netzbetreiber National Grid auf Twitter. Die kohlefreie Stromversorgung werde in Zukunft häufiger möglich sein, da in das Energiesystem immer mehr Strom aus erneuerbaren Quellen eingespeist werde, erklärte Unternehmenschef Fintan Slye. Ab 2025 solle die Stromversorgung des Landes ganz ohne Kohlekraftwerke gewährleistet werden.

Atomkraft in Großbritannien weiter wichtig

In Deutschland hatte die Kohlekommission nach schwierigen Beratungen beschlossen, dass die Kraftwerkskapazitäten ab 2022 schrittweise abgebaut werden und spätestens 2038 auslaufen.

Um ein erst vor gut fünf Jahren im nordrhein-westfälischen Lünen in Betrieb gegangenes Kohlekraftwerk verhandelt im Laufe des Tages das Bundesverwaltungsgericht. Der Umweltverband BUND hat gegen die Genehmigung geklagt. In dem Rechtsstreit geht es um die Emissionen durch das Kraftwerk und möglichen Folgen für das Naturschutzgebiet Cappenberger Wälder.

In Großbritannien wiederum hatte die Regierung kürzlich erklärt, dass bis 2030 ein Drittel des nötigen Stroms durch Offshore-Windparks erzeugt werden solle. Im Strommix des Landes spielen aber weiterhin Atomkraftwerke eine wichtige Rolle. Bis Ende 2022 sollen dagegen hierzulande alle Atomkraftwerke abgeschaltet werden.

apr/AFP/dpa



insgesamt 174 Beiträge
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interessierter Laie 09.05.2019
1. wie überraschend...
lieber Autor: Hätte Deutschland wie die Niederlande oder große Teile von GB die Topographie Schleswig-Holsteins oder Mecklenburg-Vorpommerns wäre es mit Leichtigkeit möglich, auch hierzulande auf fossile Energieträger zu verzichten. Stetiger verlässlicher Output aus Onshore- und Offshore-Windkraft, dazu ein paar Gezeitenkraftwerke + ideale Bedingungen für kurze und preiswerte Stromtrassen und der Drops wäre gelutscht. Man bräuchte auch keine AKW. Deutschland vorzuwerfen, wir bekämen das nicht hin ist so, als würde man den Briten und Holländern vorwerfen, dass sie keine interessanten Skigebiete vorzuweisen haben.
neurather 09.05.2019
2. Ausgerechnet das Energiewendeland....
.... Deutschland wird bald neben Polen das größte Kohle-Schmuddelkind Europas sein. Großbritannien, Frankreich, Niederlande oder Italien zeigen beispielhaft, dass man sen Kohleausstieg schneller hinkriegen kann als mit dem Murks, den uns die sog. Kohlekommission eingebracht hat: erstmal passiert Jahre nichts, dann geht's zu langsam los und dauert ewig. Zudem kostet das Ganze den Stromverbraucher und Steuerzahler beliebig viele Milliarden.
mwroer 09.05.2019
3.
Umstritten ist diese Energiequelle in Deutschland - nicht im UK. Da sind lediglich 20 bis 24 Prozent der Menschen gegen die Nutzung der Atomkraft. 36 bis 40 Prozent sind dafür und die gleiche Anzahl von Menschen sagt 'Mir egal, Hauptsache das Licht brennt'. Das sind die aktuellen Umfragen aus den englischen Zeitungen von Ende 2017 bis März 2018, wahllos hergenommen. In Deutschland ist das wesentlich anders - da lehnt eine Mehrheit der Deutschen die Nutzung von Atomkraft ganz klar ab. Allerdings geht es in dem Artikel um das UK, vielleicht sollte man das beim schreiben irgendwie berücksichtigen?
moeh1 09.05.2019
4. Strom
Wohin die Deutsche Energiepolitik führt sieht jeder an seiner Stromrechnung, und es wird noch schlimmer denn in wenigen Jahren muss die Mehrzahl der Windräder ersetzt werden da der TÜV ausläuft. Frankreich und England betreiben eine verantwortungsvoller Energiepolitik als Deutschland mit der Abschaltung der AKWs. Eine 100 % Stromversorgung mit regenerativer Energie kann es aus physikalischen Gründen nie geben. Aber wir diskutieren lieber eine CO2 Steuer.
defy_you 09.05.2019
5. Natürlich ist der Kohleausstieg machbar. Mit einem Ausbau
der Atomkraft. Aber als Greta sich in diese Richtung äußerte, gab es einen shitstorm der Grünen Besserwisser, für die physikalische Regeln und die Frage, wie eine Grundlast gewährleistet sein soll, keine Rolle spielen. Auch hier wird im Artikel wird mehr das ohne Kohle gefeuert und der Hinweis auf die Bedeutung der Atomkraft hierbei lieber versteckt. Dafür aber auf das Ziel von 30% off shore Energieerzeugung hingewiesen. Framing.
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