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Kraftwerk-Ranking: Die größten deutschen CO2-Schleudern

Foto: Henning Kaiser/ dpa

CO2-Emissionen Deutsche Kraftwerke sind die schmutzigsten in Europa

Kraftwerke von Vattenfall und RWE zählen zu den schlimmsten Klimakillern Europas. Das geht aus einer Auswertung der EU-Kommission hervor, die SPIEGEL ONLINE vorliegt. Einzelne Braunkohlemeiler stoßen so viel CO2 aus wie ganze Staaten.

Hamburg - Unter den zehn klimaschädlichsten Anlagen in Europa sind allein fünf deutsche Braunkohlekraftwerke. Das belegen neue Zahlen der EU-Kommission, die SPIEGEL ONLINE vorliegen. Demnach gehören deutsche Kohlekraftwerke zu den schmutzigsten in Europa.

Spitzenreiter der Aufstellung ist mit 37 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Ausstoß zwar ein polnisches Kohlekraftwerk. Bereits auf den Plätzen zwei bis vier folgen aber drei deutsche Meiler - zwei von RWE, einer von Vattenfall. "Die beiden Spitzenreiter der Liste stoßen jeweils etwa so viel CO2 aus wie Slowenien in einem Jahr", sagt Damien Morris von der Umweltschutzorganisation Sandbag. Deutsche Kraftwerke sind für rund die Hälfte der 212 Millionen Tonnen CO2 verantwortlich, die sich allein aus dieser Top-Ten-Liste ergeben. Vattenfall und RWE verweisen dagegen auf ihre optimierten Kraftwerksparks und modernen Meiler. Verglichen mit älteren Anlagen hätten die neuen Anlagen den CO2-Ausstoß deutlich reduziert.

Die klimaschädlichsten Kohlekraftwerke in der EU

  Kraftwerk Betreiber Land CO2-Ausstoß 2013*
1 Kraftwerk Belchatow PGE Polen 37,2
2 Kraftwerk Neurath RWE Deutschland 33,3
3 Kraftwerk Niederaußem RWE Deutschland 29,6
4 Kraftwerk Jänschwalde Vattenfall Deutschland 25,4
5 Drax Power Station Drax Großbritannien 20,3
6 Kraftwerk Weisweiler RWE Deutschland 18,7
7 Kraftwerk Agios Dimitrios Public Power Corp Griechenland 13,1
8 Kraftwerk Brindisi Süd Enel Italien 11,8
9 Kraftwerk Lippendorf Vattenfall Deutschland 11,7
10 Eggborough Power Station Eggborough Power Ltd. Großbritannien 11,5
* in Millionen Tonnen; Quelle: EU-Kommission

Für die Bundesregierung kommen die Zahlen ungelegen. Lange taten sich die Deutschen mit ambitionierten Klimazielen hervor, doch zuletzt war davon nicht mehr viel zu hören. Vielmehr drohte der Klimaschutz in Europa eingedampft zu werden. Angesichts des vergleichsweise billigen Rohstoffs Kohle laufen die Meiler der Energieunternehmen auf Hochtouren. Klimaziele wie die Reduzierung der Treibhausgasemissionen um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 scheinen so kaum noch erreichbar zu sein. Die deutschen Treibhausgasemissionen stiegen in den vergangenen zwei Jahren sogar wieder an, wie das Umweltbundesamt ermittelte. Eine Hauptschuld daran trägt die Kohleverstromung.

Thorben Becker vom BUND spricht deshalb von einer "völlig fehlgesteuerten Energiepolitik durch zu billige Verschmutzungszertifikate". Nur wenn der Preis dieser Zertifikate drastisch steigen würde, könnte tatsächlich eine Energiewende hin zu Gas und erneuerbaren Energien eingeleitet werden.

Das Klammern an der Kohle schadet zudem nicht nur dem Klima, sondern auch der Gesundheit. In einem Bericht von 2012 geht die Europäische Umweltagentur davon aus, dass EU-Bewohner durch Luftverschmutzung im Schnitt eine um neun Monate verkürzte Lebenserwartung haben.