Umsatzeinbußen von 40 Prozent Kondomhersteller beklagt Pandemietief

Als das Zuhause für viele zum Lebensmittelpunkt wurde, hätten Kondomproduzenten profitieren können. Der weltgrößte Hersteller Karex Berhad berichtet jedoch von einem Einbruch – auch, weil die wichtigsten Käufer wegfielen.
Kondome auf einem Leuchttisch: »Die Menschen haben nichts anderes zu tun, als Sex zu haben.«

Kondome auf einem Leuchttisch: »Die Menschen haben nichts anderes zu tun, als Sex zu haben.«

Foto: Oliver Berg/ dpa

Nimmt die Pandemie den Menschen die Lust? Der Chef des Kondomherstellers Karex Berhad, Goh Miah Kiat, berichtet jedenfalls von Schwierigkeiten. Um bis zu 40 Prozent, so Goh in einem Gespräch mit der japanischen Zeitung »Nikkei «, seien die Umsätze zeitweise eingebrochen.

Zu Beginn der Pandemie hatte Goh noch Optimismus verbreitet. Die Menschen zu Hause, sagte er, hätten doch »nichts anderes zu tun, als Sex zu haben.« Wirtschaftlich und gesundheitlich unsichere Zeiten werden außerdem mit einem Rückgang von Geburtenraten assoziiert: Verhütung wird wichtiger. Damals hatte Goh mit zweistelligen Wachstumsraten gerechnet . Mit 5,5 Milliarden jährlich ist Karex der weltgrößte Kondomhersteller, und verkauft unter anderem an Marken wie Durex. Etwa jedes fünfte verkaufte Kondom stammt von dem malaysischen Unternehmen.

Keine Hotels, keine Sexarbeit

Neben der erhöhten psychischen Belastung, die einigen Menschen wohl die Lust auf Sex verdorben habe, nannte Goh drei Gründe für die Umsatzeinbußen. Erstens die Schließung von Hotels: Besonders in ärmeren Ländern, wo sich Menschen enge Wohnungen teilen, seien Hotels zentrale Orte für intime Begegnungen. Der zweite Grund sei, dass Sexarbeit in Bordellen oder auf Straßenstrichen während der Pandemie teilweise zum Erliegen gekommen ist.

Und drittens seien die größten Kunden der Kondomindustrie plötzlich weggefallen. »Ein großer Teil der Kondome wird von Regierungen rund um die Welt verteilt«, sagte Goh. In Großbritannien etwa habe der National Health Service (NHS) seine Gesundheitsprogramme teilweise geschlossen.

Eine Milliarde Kondome für China

Regierungen und gemeinnützige Organisationen kaufen Milliarden von Kondomen. Allein China verteilt Berichten nach etwa eine Milliarde Kondome  jährlich kostenlos an seine Bevölkerung. Die Maßnahme ist Teil von Chinas Familienplanungsprogramm. Die Aids Healthcare Foundation aus den USA hat 2018 mehr als 600 Millionen Kondome in 37 Ländern weltweit verteilt .

Für 2022 aber rechnet Goh damit, dass die Nachfrage sich erholt, sagte er gegenüber der Presseagentur Reuters. »Wir beobachten mehr Auftragseingänge«, so der Chef von Karex Berhad, viele davon von Regierungen, die ihre Lager wieder aufstocken. Auch rechnet er damit, dass die Gewinne steigen: Kunden kaufen immer mehr teure Premiumprodukte.

jlk/Reuters